Tapen in der Schwangerschaft: So funktioniert's

Michelle Kröger

In der Schwangerschaft sind Rückenschmerzen oder Wassereinlagerungen keine Seltenheit. Kann Tapen Schwangerschaftsbeschwerden ohne Medikamente lindern? Für wen ist Tapen in der Schwangerschaft geeignet und was müssen Schwangere beachten?

Schwangeren Frau von der Seite mit Tape auf dem Rücken zu sehen
Tapen in der Schwangerschaft kann Schmerzen lindern und ungemein entspannen. Foto:  iStock/kzenon
Inhalt
  1. Kinesio-Tape in der Schwangerschaft: Einsatzgebiete
  2. Tapen in der Schwangerschaft: Das sind die Vorteile
  3. Wie wirkt Taping in der Schwangerschaft?
  4. Tapen in der Schwangerschaft gegen Rückenschmerzen und Ischias-Beschwerden 
  5. Bauch tapen in der Schwangerschaft – eine Anleitung
  6. Schwangerschaft: Tapen ist nicht immer sinnvoll

Viele schwangere Frauen kennen diese Zwickmühle: Die Schmerzen werden unerträglich, doch man möchte kein Risiko eingehen und die Einnahme von Medikamenten möglichst vermeiden. Doch was tun gegen Rückenschmerzen, Ischias-Beschwerden, Übelkeit, geschwollene Beine oder eingeschlafene Finger? „Diese typischen Beschwerden in der Schwangerschaft lassen sich auch auf sanfte und medikamentenfreie Weise lindern”, erklärt Hebamme Manuela Rauer-Sell. Dazu eignet sich das sogenannte Kinesio-Taping. Tapen in der Schwangerschaft macht die Behandlung von Schmerzen ohne Medikamente möglich.

Eine schwangere Frau hält sich ihren Bauch
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Kinesio-Tape in der Schwangerschaft: Einsatzgebiete

„Beispielsweise kann Kinesio-Taping bei Rückenschmerzen, Ischiasbeschwerden, Wassereinlagerungen und zur Unterstützung der Bauchmuskulatur helfen”, so Rauer-Sell. Weitere Einsatzgebiete von Tapen in und nach der Schwangerschaft sind beispielsweise:

  • Muskelschmerzen (z.B. Verspannung, Überlastung, Ermüdung, Zerrung)
  • Bänder- und Gelenkschmerzen (z.B. Bänderdehnung, Zerrung, Überlastung)
  • Rücken- und Ischiasschmerzen
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Ödeme bzw. Schwellungen durch starke Wassereinlagerungen oder nach einer Verletzung
  • Punktuelle Schmerzen wie Entzündungen oder Gelenkblockaden
  • Unterstützung des Bauches bei fortgeschrittener oder Zwillings- bzw. Mehrlingsschwangerschaft
  • Narbenbehandlung (z.B. nach einem Kaiserschnitt)
  • Rückbildung
  • Rückenunterstützung beim Stillen
 

Tapen in der Schwangerschaft: Das sind die Vorteile

Der Hauptvorteil vom Tapen in der Schwangerschaft: Die Beschwerden lassen sich ohne Medikamente behandeln. Die Wirkung der Behandlung tritt meistens schon unmittelbar nach der Anwendung ein und kann bis zu fünf Tage lange entlasten. Selbst Duschen und Schwimmen sind kein Problem, das Tape ist wasserfest. Außerdem ist es antiallergisch und atmungsaktiv, sodass Hautirritationen nur äußerst selten auftreten. Schwangere sollten sich jedoch immer nur von geschulten Ärzten, Physiotherapeuten oder Hebammen tapen lassen.

Frau hält sich den Rücken
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Wie wirkt Taping in der Schwangerschaft?

„Das Taping wirkt stark durchblutungsanregend“, erklärt Manuela Rauer-Sell. Dieser Effekt entsteht folgendermaßen: „Das Tape ist elastisch und wird mit einem gewissen Zug auf die Haut geklebt. Es entstehen leichte Hautfalten“, so die Hebamme. Das Tape hebt die Haut also minimal an. Bei jeder Bewegung der Schwangeren verschiebt sich jetzt die Haut gegen das Unterhautgewebe. Die gesteigerte Durchblutung unterstützt und beschleunigt im Falle von Verletzungen oder Überbelastungen die Selbstheilungskraft des Körpers. Das Kinesio-Tape aktiviert die Bewegungsrezeptoren und dämpft die Schmerzrezeptoren. Die Folge ist eine sogenannte reflektorische Schmerzlinderung.

Folgende Wirkungen sind durch Taping in der Schwangerschaft möglich:

 

Tapen in der Schwangerschaft gegen Rückenschmerzen und Ischias-Beschwerden 

Bei Rückenschmerzen und Ischias-Beschwerden kann Tapen in der Schwangerschaft eine sinnvolle Behandlungsmethode sein, so Hebamme Rauer-Sell: „Da es sich um eine medikamentenfreie Methode handelt, kann sie als hilfreiche Unterstützung in der Schwangerschaft bei Rückenschmerzen oder Ischiasschmerzen eingesetzt werden.“ Das Tape kann die Bauchmuskulatur, die Rückenmuskulatur und den gesamten Stützapparat entlasten.

 

Bauch tapen in der Schwangerschaft – eine Anleitung

    Viele Schwangere nutzen das Taping unterhalb des Babybauchs. Diese Methode hebt den Bauch leicht an und der untere Rücken sowie das Becken werden entlastet. Das Tape kann das Bauchgewicht besser verteilen und Schmerzen sowie Müdigkeit lindern.

    Der Trick dabei ist die Aktivierung eines horizontal (transversal) verlaufenden Muskels, eines „Nachbarn“ der geraden und schrägen Bauchmuskeln. Er ist für die Stabilität der Wirbelsäule und des Rumpfes verantwortlich. Aktiviert man den unteren Teil dieses Muskels, so erhält der Bauch eine Unterstützung. Denn das Gewicht des Bauches wird dadurch weiter nach oben und hinten verlagert. Die Entlastung ist schnell spürbar.

    Um einen besseren Eindruck davon zu bekommen, wie der Vorgang abläuft, hier eine Anleitung. Der Gang zum Experten sollte allerdings nicht durch Alleingänge ersetzt werden.

    1. Aufrecht hinstellen oder -setzen.
    2. Anker des ersten Tapes am oberen Teil des Kreuzbeins anlegen.
    3. Zügel des Tapes mit leichtem Zug oberhalb des Beckenkamms nach vorne aufkleben.
    4. Tape vor dem Beckenkamm bis deutlich unterhalb des Bauchnabels anbringen. Das Ende des Tapes sollte ohne Zug bleiben.
    5. Tape anreiben und fixieren.
    6. Nach derselben Technik ein zweites Tape auf der anderen Seite anlegen.
    7. Ein drittes und viertes Tape nach derselben Technik von der mittleren Lendenwirbelsäule bis unterhalb des Nabels aufkleben.

    Schwangere Frauen sollten sich das Tape jedoch generell von einem Experten anlegen lassen und/oder ärztlichen Rat einholen.

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    Schwangerschaft: Tapen ist nicht immer sinnvoll

    Schwangere im ersten Trimester, Risikoschwangere, Schwangere mit häufig hartem Bauch oder vorzeitigen Wehen sollten auf das Tapen in der Schwangerschaft verzichten, um Komplikationen zu vermeiden.

    Expertin: Manuela Rauer-Sell, beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband (hebammenverband.de).

    Quellen

    Taping in der Schwangerschaft – Tapeanwendungen bei typischen Beschwerdebildern während der Schwangerschaft und nach der Entbindung, in: kvm-medizinverlag.de

    Hecker, Hans Ulrich; Liebchen, Kay (2012): Aku-Taping: Wirksam bei akuten und chronischen Schmerzen und Beschwerden, Stuttgart: Georg Thieme Verlag

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