Tabuthema Inkontinenz

Männer trifft Inkontinenz meist mit steigendem Alter
Männer trifft Inkontinenz meist mit steigendem Alter. Häufig tritt das Leiden nach einer Prostata-OP auf © shutterstock

Blasenschwäche und Inkontinenz sind unangenehm – und die Betroffenen lassen sich aus Scham oft nicht behandeln. Dabei stehen die Heilungschancen mittlerweile sehr gut.

Egal, ob es beim Lachen passiert, beim Tragen der schweren Einkaufstasche oder beim Treppensteigen: Wenn ungewollt ein paar Tropfen in die Hose gehen, ist das für die Betroffenen immer unangenehm. Und peinlich ist es ihnen sowieso. Wer spricht schon gerne über Inkontinenz? Dabei sind mittlerweile knapp acht Millionen Deutsche betroffen, Frauen und Männer, jeden Alters!

 

Die verschiedenen Arten von Inkontinenz

Geht Harn unfreiwillig bei körperlicher Anstrengung oder bestimmten Bewegungen (schwer heben, husten, niesen) ab, sprechen Ärzte von Belastungsinkontinenz. Tritt plötzlich starker Harndrang auf, liegt eine Dranginkontinenz vor. Sie kann so schwer sein, dass Betroffene nicht mehr rechtzeitig die Toilette erreichen. Auch bei der überaktiven Blase kann es zu plötzlichem Harndrang kommen, der kaum gehalten werden kann. Zudem können Unterbauchschmerzen auftreten.

 

Warum Inkontinenz Frauen zwei- bis viermal häufiger trifft

Das weibliche Becken ist aufgrund der Fähigkeit zur Schwangerschaft und Geburt flexibler als das männliche. Oft kommt es gegen Ende einer Schwangerschaft oder nach der Entbindung zu einer Belastungsinkontinenz. Auch die Wechseljahre bergen eine Gefahr: Durch die hormonelle Veränderung (Mangel an Östrogen) kann das Bindegewebe nachgeben. Dies kann zur Absenkung der Gebärmutter führen – und damit eine Inkontinenz hervorrufen. Männer trifft es meist mit steigendem Alter: Häufig sind sie von der überaktiven Blase und Dranginkontinenz geplagt. Nach einer Prostata-OP leiden viele unter einer Belastungsinkontinenz.

 

Wie man die Blase stärkt und Inkontinenz vorbeugt

Die effektivste Methode zur Vorbeugung oder im Akutfall ist Beckenboden-Training. Dabei wird die Muskulatur des Beckenbodens gestärkt, was die Blasenfunktion verbessert. Viele Kassen bieten entsprechende Trainingskurse an. Sinnvoll sind auch spezielle Übungs-DVDs, die es unter anderem im Buchhandel gibt. Der Frauenarzt kann bei Bedarf auch Medikamente mit den Wirkstoffen Trospiumchlorid oder Fesoterodin verordnen, die den Harndrang unterdrücken und die Inkontinenz bessern. Mitunter ist auch der Einsatz von Hormonpräparaten erforderlich.

 

Operation: Wenn sonst gar nichts mehr hilft

Bei der TVT-Methode wird weiblichen Patienten ein Kunststoffband um die Harnröhre gelegt, um zu verhindern, dass diese unter Belastung absinkt. Das „Band für den Mann" wird von einem Schnitt am Damm um die Harnröhre herum seitwärts eingelegt. Es streckt und verlagert die Harnröhre nach innen und bewirkt, dass der Schließmuskel wieder funktioniert. In vielen Fällen ist dadurch eine Heilung möglich. In speziellen Fällen kann ein Schrittmacher helfen, dessen Impulse die Nerven zur Blase beruhigen. Alle OPs sind Kassenleistung.

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