Stuhltransplantation: Manche haben den "Superkot"

Verena Elson

Die Ausscheidungen mancher Menschen sind einfach besser als die der Mehrheit: Ihre Stuhlspenden bringen deutlich höhere Heilungschancen für die Empfänger, wie eine aktuelle Studie zeigt.

"Superkot" zeichnet sich unter anderem durch eine hohe Bakteriendiversität aus
"Superkot" zeichnet sich unter anderem durch eine hohe Bakteriendiversität aus Foto:  ivan101/iStock

In einer großangelegten Analyse von Studien zum Thema Stuhltransplantationen identifizierten Wissenschaftler der neuseeländischen University of Auckland Kriterien, die Stuhlspender zu sogenannten Super-Donors (Superspendern) machen. Ihr Stuhl ist vorbildlich in der Diversität und Zusammensetzung der Darmflora und eignet sich deutlich besser für die Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Typ-2-Diabetes.

 

Mysteriöse Erfolgsunterschiede bei Stuhltransplantationen

Die einzige Erkrankung, bei der die Stuhltransplantation bereits als etabliertes Therapieverfahren gilt, ist eine Bakterieninfektion mit Clostridium difficile. Dieser als Krankenhauskeim bekannte Erreger löst starke Brechdurchfälle aus, die lebensgefährlich werden können. Schlägt bei dieser Infektion eine Antibiotikatherapie fehl, greifen Ärzte zur Stuhltransplantation – mit großem Erfolg: Die Heilungsrate liegt bei über 90 Prozent.

Anders ist das bei Leiden wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Typ-2-Diabetes, bei denen die Stuhltransplantation eine Linderung der Symptome bringen soll. Hier liegt die Erfolgsquote teilweise bei weniger als 25 Prozent. Bisher war unklar, woran das liegt – Mediziner vermuten allerdings schon seit Längerem die Existenz von „Superspendern“, deren Stuhlspenden deutlich höhere Erfolgsraten bringen als die anderer Spender.

 

Was macht den „Superkot“ so viel besser?

In ihrer aktuellen Studie sahen sich die neuseeländischen Wissenschaftler jetzt die erfolgreichsten Stuhltransplantationen genauer an, um Gemeinsamkeiten der Superspender herauszustellen. Das erste Kriterium ist demnach eine hohe Bakteriendiversität. Zu den weiteren Superspender-Merkmalen gehört unter anderem das Vorkommen von sogenanntem Butyrat, einem Produkt spezifischer Darmbakterien, das an der Regulierung der Immunabwehr und des Energiestoffwechsels beteiligt ist. Ein Mangel dieses Stoffes wird mit Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. 

 

Kann jeder Stuhlspender werden?

Stuhlbanken gibt es in Deutschland bisher nicht. Anders ist das in den USA – dort existieren Stuhlbanken, in denen jeder Stuhl spenden kann und eine Aufwandsentschädigung von etwa 40 Dollar pro Spende bekommt.

Hierzulande kommen die Spender meist aus dem Familienumfeld. Grundsätzlich kommt aber jeder in Frage – es gibt keine Bedingungen wie etwa die passende Blutgruppe bei Blutspenden. Der ausgewählte Spender ist in der Regel schlank und hat möglichst selten Antibiotika eingenommen. Vor der Transplantation wird der Stuhl auf Krankheitserreger untersucht und anschließend aufbereitet: Im Labor wird er in Kochsalzlösung verdünnt und gefiltert. Das Ergebnis ist eine nahezu klare Flüssigkeit, die dem Empfänger im Zuge einer Darmspiegelung verabreicht wird. Zurzeit arbeiten Forscher außerdem an Stuhltransplantationen in Kapselform – diese sind allerdings noch nicht erhältlich.

Quelle:
Wilson, Brooke Carol, et al. (2019): The Super-Donor Phenomenon in Fecal Microbiota Transplantation, in: Frontiers in Cellular and Infection Microbiology.

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