Studium macht junge Akademiker krank

Gestresste Studentin
Neuesten Erkenntnissen zufolge haben angehende Akademiker oft erheblichen Stress – und zunehmend psychische Probleme © Shutterstock

Wie sehr leiden Deutschlands Studenten unter dem Dauerstress? Dieser Frage ist die Techniker Krankenkasse (TK) jetzt in ihrem Gesundheitsreport nachgegangen. Die Antwort ist besorgniserregend.

 

Wie gestresst Studenten sind und wie sie damit umgehen

Dauerstress, Prüfungsdruck, Zukunftsangst und finanzielle Probleme: Die zunehmende Belastung während des Studiums macht vielen jungen Akademikern zu schaffen. Demnach leidet mehr als die Hälfte (55 Prozent) unter regelmäßigem Stress. 27 Prozent haben angegeben, sogar unter Dauerstress zu stehen. Das geht aus einem am Mittwoch vorgestellten Report der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Um den Druck zu bewältigen, helfen sich die Befragten nicht nur mit Sport, sondern greifen auch vermehrt zu Alkohol, Nikotin, Cannabis, Beruhigungs- oder Aufputschmitteln sowie verschreibungspflichtigen Medikamenten. 4,3 Prozent der Studenten können dem Dauerstress nur mit psychotherapeutischer Hilfe standhalten.

 

Die wichtigsten Stressauslöser

Als wichtige Stressauslöser gaben die angehenden Akademiker Prüfungen (52 Prozent), den Lernstoff (28 Prozent) sowie die Doppelbelastung von Uni und Nebenjob (26 Prozent) an. Auch die Angst vor einem schlechten Abschluss und der drohenden Arbeitslosigkeit quält die Studenten. Jeder Fünfte hat zudem finanzielle Sorgen.

 

Psychische Diagnose: Jeder fünfte Student betroffen

Für ihren Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Gesundheit Studierender“ hatte die TK Arzneimittelverordnungen von 2014 und Diagnosedaten von 190.000 Studenten, die 2013 bei der TK versichert waren, ausgewertet. Neben ihrem Gesundheitsreport stellte die TK auch den „CampusKompass“ vor, für den das Institut Forsa 1000 Studierende zu ihrem Ernährungs- und Bewegungsverhalten, zum Umgang mit Stress und digitalen Medien befragt hatte. Das Ergebnis: Bei rund 21 Prozent der Studierenden wurden im Jahr 2013 psychische Probleme diagnostiziert. Damit erhielt jeder Fünfte eine psychische Diagnose.

 

Je älter desto anfälliger für psychische Probleme

Den Arznei- und Patientendaten zufolge, litten 30 Prozent der Studentinnen unter psychischen Problemen. Bei den männlichen Kommilitonen waren 15 Prozent davon betroffen. Die häufigsten Erkrankungen sind Depressionen, Anpassungs- und Belastungsstörungen sowie Angststörungen. Vorstandschef der TK , Jens Baas, ist sicher: „Ab 30 können Studenten mit Belastungen schwerer umgehen.” Die größten Stressfaktoren sieht er in Abschlussprüfungen, Fragen der Studienfinanzierung und bei der Familienplanung.

 

Warum die Studenten heute gestresster sind

„Die Stressfaktoren unterscheiden sich gar nicht so sehr von denen früherer Generationen. Aber das Abschalten fällt der Generation Smartphone, die jetzt auch an den Hochschulen angekommen ist, schwerer“, so TK-Chef Baas. Und ergänzt: „Sie haben Probleme, sich zu konzentrieren, wenn die Ablenkung durch soziale Netzwerke etc. nur einen Mausklick entfernt ist. Deshalb ist das Vermitteln von Medienkompetenz auch Aufgabe der Stress-Prävention.“ Baas empfiehlt einen guten Umgang mit Stress, eine vernünftige Mediennutzung und viel Bewegung.

Hamburg, 2. Juli 2015

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