Studien belegen: Übergewicht ist gesund

Bis zu einem gewissen Grad kann Übergewicht sogar gesund sein
Bis zu einem gewissen Grad kann Übergewicht sogar gesund sein © Fotolia

Übergewicht hilft uns, mit Stress besser umzugehen – das belegen neue Studien. Ein paar Kilo mehr auf der Waage sind sogar gesund.

Patienten mit Übergewicht hatten im Schnitt bessere Überlebenschancen – das fiel zuerst Medizinern auf der Intensivstation auf: Ob bei Nierenstörungen, Schlaganfall, Hirnblutung oder Krebs. Aber: Das gilt bis zu einem Taillenumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern! Auch Professor Peters ist der Ansicht, dass die positiven Aspekte des geringen Übergewichts bei weitem die negativen schlagen. Dazu verglich er die Daten aus mehr als 50 Studien und kam zu folgendem Ergebnis: Fülligere Menschen leiden seltener unter Bluthochdruck, Depressionen, Muskelschwäche und Osteoporose. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden, sinkt.

Warum ist das so? Menschen mit Übergewicht sind, so der Forscher, besser gegen Stress geschützt – und der sei ein schlimmerer Krankmacher als ein paar Kilo zu viel. Minuspunkte sieht der Wissenschaftler nur in der eingeschränkten Beweglichkeit und bei Gelenkerkrankungen.

 

„Atemlose Stresstypen“ bleiben schlank

Nicht, wenn man sich die Begründung ansieht: Ist das Stress-Hormon Kortisol dauerhaft erhöht, kann dies den Körper regelrecht vergiften. Die Folge: Wir altern schneller, Muskel-, Knochen- und Bindegewebe bauen ab, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Zumindest wenn wir zu den Menschen gehören, die trotz Stress schlank bleiben. Wissenschaftler nennen diese die „atemlosen"“Stress-Typen. Sie haben ein sehr empfindliches Stress-System. Daher stehen sie bei Belastungen innerlich immer „unter Strom“, nämlich dem Einfluss von Kortisol – mit entsprechend negativen Folgen.

Ganz anders reagiert der Körper von Menschen, die in nervigen Zeiten Pfunde zulegen: Sie werden die „ausgeglichenen“ Stress-Typen genannt. Ihr Körper ist in der Lage „runterzufahren“ und die schädlichen Hormone zu verringern. Der Preis hierfür: eine Gewichtszunahme. Denn das Gehirn dieses Typs muss zusätzlich mit Zucker versorgt werden, besonders in belastenden Situationen. Folglich wird mehr gegessen.

 

Übergewicht: Besser auf die Hüften als aufs Herz

Das Problem: Leider gelangt von den aufgenommenen Kalorien nur ein geringer Teil in das energiehungrige Gehirn – der Rest landet auf den Hüften. Und mag dies auch nicht dem (heutigen) Schönheitsideal entsprechen – es ist weitaus gesünder, als wenn der Körper dauerhaft unter den schädlichen Stress-Hormonen steht. Diese sind ein zusätzlicher Stressfaktor, die den Kortisolspiegel weiter erhöhen. Deswegen ist Hungern sogar gefährlich.

 

Und was passiert bei Diäten?

Durch den dauerhaften Mangel an Nahrung wird das Gehirn nicht richtig mit Energie versorgt. In dieser „Notsituation“ fährt es die weniger wichtigen Funktionen herunter, um Energie zu sparen. Das führt zu Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Unlust – und löst so zusätzlichen Stress aus. Ein ewiger Kreislauf! Auch die Ärzte der Adipositas-Ambulanz am Leipziger Uniklinikum sehen Diäten kritisch. Sofern die Patienten gesund sind, machen Diäten keinen Sinn, sind sie überzeugt. Die einzige Ausnahme: wenn jemand sehr unter seinen Gelenkproblemen leidet. Am besten ist es also, sein Gewicht zu akzeptieren, statt vermeintlichen Schönheitsidealen nachzueifern.

 

Stress abbauen mit Bewegung

Wer trotzdem abnehmen möchte, dem bleibt nur ein gesunder Weg: Stress abbauen – damit das Gehirn nicht mehr so viel nach „Extra-Kalorien“ verlangt. Ein guter Weg ist leichter Sport, z. B. zügiges Spazieren gehen, Schwimmen oder Rad fahren. 75 Minuten davon pro Woche schützen vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Studien belegen zudem, dass übergewichtige Sportler drei Jahre länger leben als schlanke Bewegungsmuffel.

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