Studie: Vitamin D kann die Krebs-Sterberate reduzieren

Daphne Sekertzi

Krebs gehört zu den häufigsten und tödlichsten Erkrankungen, die besonders ältere Menschen trifft. Nun macht eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums Hoffnung darauf, dass sich die Krebssterblichkeit auf simple und natürliche Weise signifikant verringern lässt – durch die tägliche Einnahme von Vitamin D.

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Inhalt
  1. Vitamin D verringert Krebs-Sterberate um 13 Prozent
  2. Empfehlung für flächendeckende Vitamin-D-Supplementierung
  3. Tagesbedarf an Vitamin D lässt sich kaum über die Nahrung decken
  4. Vitamin D im Zusammenhang mit Corona

Seit 1999 ist in Deutschland die Rate der Krebstoten um rund 10 Prozent gestiegen. Alleine 2019 erlagen 231.000 Menschen ihrer Krebserkrankung. Bei 45- bis 65-Jährigen ist Krebs die häufigste Todesursache. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit für die Erforschung neuer Therapieansätze für die Krebs-Behandlung.

Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg deutet nun auf eine einfache Behandlungsmethode: Die Einnahme von Vitamin D könnte die Überlebensrate von an Krebs erkrankten älteren Menschen verlängern.

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Vitamin D verringert Krebs-Sterberate um 13 Prozent

In den letzten Jahren hat sich die Forschung verstärkt der Wirkung von Vitamin D bei einer Krebserkrankung gewidmet. Alleine in den letzten drei Jahren wurden drei Meta-Analysen von früheren groß angelegten klinischen Studien zu diesem Thema veröffentlicht. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums haben sich die Daten der Meta-Analysen, die mehrere Zehntausend Menschen über 50 Jahre umfassten, genauer angeguckt.

In allen untersuchten klinischen Studien bekam ein Teil der Probanden über mehrere Jahre täglich Vitamin D, die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo. Als Ergebnis zeigte sich, dass in den Untersuchungsgruppen aufgerechnet rund 13 Prozent weniger Sterbefälle auftraten. In absoluten Zahlen hieße das: Jedes Jahr könnten in Deutschland 30.000 Krebstote durch Vitamin-D-Gaben vermieden werden, erläutern die Forscher.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Vitamin D vor Krebs schützen kann. Was die klinischen Studien nach Ansicht der Heidelberger Forscher allerdings sehr wohl zeigen: Menschen, die an Krebs erkrankt sind und täglich Vitamin D einnehmen, kommen seltener in ein fortgeschrittenes Stadium und haben so eine bessere Überlebenschance, wie Hermann Brenner, Studienleiter und Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum, im Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung erklärt.

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Empfehlung für flächendeckende Vitamin-D-Supplementierung

Auf der Grundlage der Studienergebnisse rät Brenner Menschen über 50 zu einer Vitamin-D-Supplementierung. Denn in dieser Altersgruppe trete ein Mangel auch unabhängig von der Jahreszeit auf. Studienleiter Hermann Brenner unterstützt zudem die Empfehlung des Nationalen Instituts für Gesundheit in England, wonach die gesamte Bevölkerung im Winter Vitamin D einnehmen sollte.

Dass dies sinnvoll sei, beweise Finnland, wo die Krebs-Sterberate um rund 20 Prozent geringer sei als in Deutschland. Ein möglicher Grund dafür: In Finnland werden Lebensmittel mit Vitamin D angereichert.

Die Kosten für eine flächendeckende Vitamin-D-Supplementierung beliefen sich auf 25 Millionen Euro, so Brenner. Dem stünden 254 Millionen Euro an Krebsbehandlungskosten gegenüber, die sich dadurch einsparen ließen. Denn Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium würden mehrere Zehntausend Euro kosten. 

 

Tagesbedarf an Vitamin D lässt sich kaum über die Nahrung decken

Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der Körper unter der Einwirkung von Sonnenlicht Vitamin D selbst bilden. Durch das Sonnenlicht wird das in der Haut vorkommende Cholesterol in Provitamin D umgewandelt, das anschließend in die Leber transportiert wird. Dort wird schließlich Vitamin D3 hergestellt. Das DFKZ empfiehlt, sich mindestens zwei- bis dreimal die Woche für 12 Minuten ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen. Gesicht, Hände sowie Teile von Armen und Beinen sollten unbedeckt sein.

Über die Nahrung kann ebenfalls Vitamin D aufgenommen werden. Da jedoch in tierischen Produkten das weniger wirksame Vitamin D2 enthalten ist und es kaum pflanzliche Nahrungsmittel gibt, in denen Vitamin D3 steckt, raten Experten besonders für den Winter zu einer Nahrungsergänzung. Die empfohlene Tagesdosis bei einer Vitamin-D-Supplementierung liegt zwischen 800 und 1000 internationalen Einheiten. Laut der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) gilt für Vitamin D 4.000 IE täglich als sichere Obergrenze.

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Vitamin D im Zusammenhang mit Corona

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für die Funktion des Immunsystems. Dementsprechend kann eine Unterversorgung die Abwehrkräfte schwächen, was den Verlauf einer Erkrankung beeinflussen kann – nicht nur bei Krebs. Eine Fallstudie aus Indonesien fand heraus, dass die Sterberate bei Corona durch einen Vitamin-D-Mangel drastisch erhöht ist.

Außerdem vermuten Forscher, dass das Vitamin sogar das Risiko für eine Corona-Infektion reduzieren könnte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betätigt auf seiner Seite, dass die aktuelle Studienlage einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zulässt.

Eine Person hält flüssiges Vitamin D in einer Pipette gegen die Sonne
Service Wie Vitamine den Corona-Verlauf beeinflussen können

Quellen:

Brenner, Hermann [u.a] (2021): Vitamin D supplementation to the older adult population in Germany has the cost‐saving potential of preventing almost 30 000 cancer deaths per year, in: febs.onlinelibrary.com

DKFZ-Studie: So ließen sich 30.000 Krebstodesfälle verhindern, in: Rhein-Neckar-Zeitung

Krebs war 2019 für ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland verantwortlich, in: destatis.de (Statistisches Bundesamt)

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