Studie belegt: Neue Kurzzeit-Therapie befreit von Ängsten

Frau mit Angstzuständen
Es gibt Situationen, in denen ist Angst völlig normal und auch sinnvoll. Doch wenn sie das ganze Leben beherrscht, sollte sie so früh wie möglich behandelt werden © Fotolia

Zusammen mit anderen Hochschulen hat Prof. Alfons Hamm von der Uni Greifswald eine neue Therapie für Menschen entwickelt, die unter Panikattacken und Platzangst leiden. Sie dauert nur 6 Wochen und hilft neun von zehn Patienten! Im Interview verrät er, warum.

Prof. Dr. Alfons Hamm ist Lehrstuhlinhaber für Physiologische und Klinische Psychologie am Institut für Psychologie der Universität Greifswald. Hier antwortet er...

Die neue Therapie hilft bei Panikattacken sowie Platzangst. Sind das die beiden häufigsten Angststörungen?

Die häufigsten nicht. Etwa 2,5 Millionen Deutsche leiden darunter. Das Entscheidende ist aber, dass diese Ängste die Betroffenen am meisten einschränken. Viele Patienten gehen kaum noch aus dem Haus, leiden zusätzlich unter Depressionen, trinken zu viel Alkohol oder nehmen Beruhigungsmittel. Mit einer Therapie, die früh eingreift, könnten wir vielen Patienten viel Leid ersparen.

Was genau ist eine Panikattacke?

Eine Panikattacke äußert sich zum Beispiel durch Herzrasen, Schweißausbrüche, Enge in der Brust und Todesangst. Die Betroffenen glauben, dass sie einen Infarkt oder Schlaganfall haben – was nicht der Fall ist. Noch entscheidender ist aber, dass sie hinterher eine starke Angst davor entwickeln, dass es wieder passieren könnte. Und sie haben Angst, sich öffentlich zu blamieren.

Wie kommt es zu einer Panikattacke?

Besonders oft trifft sie Menschen, die unter großem Druck stehen, aber ständig versuchen, diesen zu verdrängen. Die Panikattacke ist dann wie eine Art Ventil.

Wie äußert sich Platzangst?

Die Betroffenen haben Angst, Situationen aufzusuchen, in denen es in ihren Augen keinen Weg gibt zu flüchten, in denen sie sich total blamieren, wenn sie in Panik geraten, und in denen es ihrer Meinung nach auch keine Hilfe gibt.

Welche Situationen sind das?

Menschenmengen, Flugzeuge, Fahrstühle, Theater, Tunnel, lange Zugfahrten. Die Angst schränkt die Patienten immer weiter ein.

Wie hilft die neue Therapie?

Sie dauert insgesamt sechs Wochen und gliedert sich in drei Teile: Zunächst informieren wir die Patienten über das Thema Angst: Wie entsteht sie? Was hält sie aufrecht? Wir erstellen für jeden eine "Biographie" seiner Angst und machen ihm klar, warum sein Vermeidungsverhalten diese nur schlimmer macht. Danach müssen sie sich mit Körpersignalen auseinandersetzen, die ihnen Angst machen. Die Patienten sollen beispielsweise durch einen Trinkhalm atmen. Sie erleben: Es ist normal, dass ihr Körper so reagiert. Und: Das lässt auch wieder nach.

Im dritten Teil müssen die Betroffenen dann Alltagssituationen aufsuchen, die ihnen Angst machen. Zum Beispiel mit dem Bus fahren, in den Supermarkt gehen, einen Waldspaziergang machen, Auto oder Fahrstuhl fahren. Sie sollen erleben: Ich kriege Angst, es passiert aber nichts Schlimmes, und die Angst lässt von selbst nach. Das ist das Schlüsselerlebnis. Die Patienten lernen, ihren Gefühlen wieder zu vertrauen.

An wen wende ich mich, wenn ich glaube, eine Angststörung zu haben?

Dann sollten Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten darüber sprechen. Sie können sich aber auch gern an mich wenden. Ich leite Ihre Anfrage dann an eine Universitätsklinik in Ihrer Nähe weiter, die an unserer Studie beteiligt war.

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