Strom-Therapie: Kann man Blinde heilen?

Blindheit mit Strom heilen
Forscher fanden einen Weg, Sehstörungen, die durch einen beeinträchtigten Sehnerv entstehen, zu umgehen © Fotolia

Ist der Sehnerv beeinträchtigt – zum Beispiel aufgrund eines Grünen Stars –, sendet er zu wenig Signale an das Gehirn, was bei Betroffenen zu einer Teil-Erblindung führen kann. Die Wiederherstellung des so verlorenen Sehvermögens galt bislang als unmöglich – doch deutsche Forscher beweisen nun mit der Strom-Therapie das Gegenteil.

Tatsächlich ist die Signalschwäche eines beschädigten Sehnervs nicht alleine für die auftretenden Einschränkungen des Sehvermögens verantwortlich. Der wahre Grund dafür liegt tief im Gehirn verborgen – dort, wo die Informationen des Sehnervs vom visuellen Cortex verarbeitet und interpretiert werden.

 

Der Verstärker für die Augen

Der Grund: Normalerweise kann unser Gehirn einen Signalmangel des Sehnervs ganz gut ausgleichen. Einfach gesagt, ist es in der Lage den Mangel an visuellen Informationen so auszugleichen, dass es in der Wahrnehmung zu keinem Sehverlust kommt.

Wie funktioniert das Auge?

Auf der Netzhaut im Auge sitzen sogenannte Lichtsinneszellen, die für die Wahrnehmung des Lichts zuständig sind. Dort wird das auftreffende Licht zuerst in chemische und dann in elektrische Signale umgewandelt. Diese kleinen elektrischen Impulse werden durch den Sehnerv in das visuelle Zentrum des Gehirns (visueller Cortex) geschickt. Im visuellen Cortex werden die elektrischen Signale analysiert, interpretiert und zu einer visuellen Wahrnehmung verarbeitet.

Diesen Umstand machte sich ein Forscherteam der Universität von Magdeburg zunutze. In einer aktuellen Studie konnten die Mediziner um Professor Bernhard Sabel zeigen, dass eine Beeinträchtigung des Sehvermögens erst dann auftritt, wenn nicht nur die Signalübermittlung des Sehnervs, sondern auch die signalverstärkende Funktion des visuellen Cortex nachlässt.

 

Medikament Strom

Die Forscher entwickelten vor diesem Hintergrund ein Verfahren, das die Verstärker-Funktion des visuellen Cortex mithilfe einer Strom-Therapie reaktiviert. Schwache, nicht schmerzhafte Stromstöße stimulieren dabei über Elektroden am Kopf das Gehirn, sodass die abgeschwächten optischen Reize des Sehnervs wieder zu einer verbesserten Wahrnehmung verstärkt werden.

 

Beeindruckender Erfolg der Strom-Therapie

Für die Studie wurden 15 Probanden mit beeinträchtigtem Sehnerv über einen Zeitraum von zehn Tagen einmal täglich für 40 Minuten mit der sogenannten Wechselstrom-Therapie behandelt – und das mit beeindruckendem Erfolg, wie die Forscher berichten.

Nach Abschluss der Strom-Therapie hatte sich bei zwei Dritteln der Studienteilnehmer die Sehleistung deutlich verbessert. Zudem nahm die Aktivität des neuronalen Netzwerks, das für die Signalverstärkung des Sehnervs verantwortlich ist, auch nach Beendigung der Behandlung noch weiter zu. Das – so erklärt Professor Sabel – sei eine Art „Nachhall-Effekt“. Denn wenn Nervenzellen aktiviert werden, dass sie wieder „gemeinsam Nervenimpulse feuern, werden sie auch wieder besser mit einander verbunden.“

Die Strom-Therapie wird in Magdeburg für Patienten angeboten. Menschen die aufgrund eines beschädigten Sehnervs unter einer Einschränkung des Sehvermögens leiden, „können sich also bei uns melden“, sagt Professor Sabel.

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