"Strom stoppte meine Clusterschmerzen"

Redaktion PraxisVITA
Implantate ermöglichen ein Leben ohne Clusterkopfschmerzen
Zwei kleine Implantate ermöglichen Sibylle Schulz wieder ein Leben ohne Clusterkopfschmerzen © Fotolia

Neue Hoffnung für Patienten durch Nerven-Stimulation: Lesen Sie hier, wie elektrische Reize den hartnäckigen Clusterkopfschmerz lindern.

Es bohrte und hämmerte in ihrem Kopf. ,,Die Schmerz-Attacken traten fast täglich auf und dauerten bis zu 90 Minuten“, berichtet Sibylle Schulz*. Sie schrie und wälzte sich auf dem Boden. Cluster, der schlimmste Kopfschmerz der Welt, drohte ihr Leben zu zerstören. Schmerz-Tabletten, sogar Opiate, helfen nie. Nur Triptane gespritzt verschafften Linderung. Doch letzten November hörte die 67-Jährige von einem neuen Verfahren: Mit Strom kann der Clusterkopfschmerz behandelt werden.

Sie wandte sich an die Uniklinik München. Dort führt Prof. Dr. Andreas Straube ein neues Verfahren durch, das sich „Okzipitale Nerven-Stimulation“ nennt: „Wir implantieren elektrische Leiter im Nacken direkt unter die Haut. Ein Signalgeber wird im Bereich des Bauches oder des Rückens eingesetzt. 70 Prozent der Patienten können mit dieser Methode vom Clusterschmerz befreit werden.“ In Sibylles Leben gab es einen Hoffnungs-Schimmer. Angesichts der vorgeschlagenen Maßnahmen hatte sie jedoch ein mulmiges Gefühl.

 

Bei Clusterschmerz-OP nur ein leichtes Kribbeln im Nacken

Der Arzt beruhigte sie: „Im schlimmsten Fall kann eine Entzündung auftreten, dann muss das Gerät wieder entfernt werden.“ Sibylle vereinbarte einen OP-Termin. Der Eingriff dauerte 45 Minuten unter Vollnarkose. In den vier Tagen, die sie in der Klinik bleiben musste, wurden erste Tests durchgeführt. „Ich spürte ein leichtes Kribbeln im Nacken. Das war zwar ungewohnt, aber nicht unangenehm", erinnert sich die Rentnerin. Ihr Arzt erkannte daran, dass die Operation ein Erfolg war. Wie genau die Therapie wirkt, ist noch nicht restlos geklärt. „Wahrscheinlich unterbinden die elektrischen Reize die Weiterleitung der Schmerz-Signale im Hirnstamm", so der Spezialist.

 

Deutliche Besserung der Clusterkopfschmerzen schon nach wenigen Wochen

Als seine Patientin wieder zu Hause war, musste sie sich gedulden: „Erst trat er wieder auf, der heftige Kopfschmerz.“ Für den Experten war das keine Überraschung: „Es kann vier bis sechs Wochen dauern, bis der Therapie-Effekt einsetzt.“ Jede Woche ging Sibylle Schulz zu Untersuchungen, um das Gerät nachzustellen. Nach fünf Wochen trat eine deutliche Besserung ein. Seit März hat sie keine Kopfschmerzen mehr. „Ich bin überglücklich“, sagt sie. „Nun muss ich nur noch alle sechs Monate zur Nachkontrolle.“

*Name von der Redaktion geändert

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