Strom-Impulse gegen das Knirschen im Schlaf

Eine Elektrode an der Schläfe soll durch schwache elektrische Impulse die Kiefermuskulatur entspannen.

Wachen Sie morgens manchmal auf und fühlen sich, als wären Sie im Schlaf von einem Bus gerammt worden? Schmerzende, verspannte Muskeln und Gelenke, Kopfdröhnen und Schwindel sind Symptome  diese Symptome deuten daraufhin, dass Sie nachts mit den Zähnen knirschen. Denn nicht eine Kollision mit einem Bus, sondern die eigene Kiefermuskulatur hat Ihnen das angetan.

Patienten, die unter dem sogenannten Bruxismus leiden, haben nicht nur mit frühzeitigem Zahnverschleiß zu kämpfen. Neben der morgendlichen Abgeschlagenheit können sich auch chronische Schmerzen, Tinnitus und psychische Probleme einstellen. So hat eine italienische Studie kürzlich gezeigt, dass Bruxismus-Patienten verstärkt unter Stimmungsschwankungen leiden. Auch die Schlafqualität wird durch die nächtliche Kiefer-Aktivität beeinträchtigt. Daraus folgen häufig Symptome wie Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen.

 

Stress als Hauptursache

Da Stress als häufigste Ursache für das Knirschen gesehen wird, empfehlen Ärzte meist Entspannungstherapien wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, um den Körper im Schlaf zur Ruhe kommen zu lassen. Akut verschreibt der Zahnarzt meist zusätzlich eine Beißschiene, die nachts getragen wird, um die Zähne zu schonen. Leider wirken nicht alle Entspannungstechniken sofort, in manchen Fällen dauert es Jahre, bis Patienten gelernt haben, Stress-Symptome durch Entspannungstechniken zu kontrollieren. Beißschienen schonen zwar die Zähne, stoppen aber nicht unbedingt die unbewusste Kieferbewegung.

 

Elektrischer Impuls entspannt Kiefermuskel

Eine neue Entwicklung aus den USA bekämpft Bruxismus nun direkt am Kiefermuskel. Dazu wird nachts eine kleine Elektrode an der Schläfe des Knirsch-Patienten befestigt. Diese registriert Bewegungsmuster im Kiefermuskel und sendet einen schwachen, für den Träger nicht spürbaren elektrischen Impuls. Dieser stimuliert Rezeptoren in der Haut. Dadurch sollen sich die Hauptkaumuskeln unmittelbar entspannen und das unbewusste Zähneknirschen stoppen. Im Laufe der Zeit soll es durch die von den Impulsen verursachten Unterbrechungen sogar zu einer Konditionierung der Knirsch-Reflexe kommen, sodass sich die Gewohnheit nach und nach selbst verringert. Der Hersteller von GrindCare, der knirschhemmenden Elektrode, verspricht, dass sich schon nach einer dreiwöchigen Anwendung der Schlafbruxismus halbiert. Zusätzlich kann sich der Nutzer eine Auswertung seines nächtlichen Knirsch-Verhaltens auf einer Smartphone-App anzeigen lassen. Da die Elektrode drahtlos mit anderen Endgeräten kommuniziert, können Nutzer so beispielsweise ein elektronisches Knirsch-Tagebuch anlegen.

Das Gerät ist in Deutschland bereits verfügbar, interessierte Patienten können GrindCare über den Zahnarzt beziehen. Das Gerät kostet zurzeit knapp 370 Euro. Zu Beginn sollte es jede Nacht getragen werden, nach drei bis vier Wochen kann die Anwendung – nach Absprache mit dem Zahnarzt – reduziert werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten bisher nicht.

Hamburg, 14. Juli 2016

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