Stress am Arbeitsplatz: Doping im Job nimmt zu

Eine Frau nimmt eine Tablette
Wenn der Stress am Arbeitsplatz zu viel wird, greifen immer mehr Arbeitnehmer zu Medikamenten, so eine aktuelle DAK-Studie © Fotolia

Immer mehr Arbeitnehmer nehmen leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente bei Stress am Arbeitsplatz ein – so das Ergebnis einer neuen Studie der DAK.

Laut DAK-Bericht haben knapp drei Millionen Deutsche schon einmal verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen, um im Job höhere Leistungen zu erzielen oder dem Stress am Arbeitsplatz besser standzuhalten zu können.

 

Stress am Arbeitsplatz besser bewältigen

Für die repräsentative Studie wurde untersucht, ob und wie Erwerbstätige ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen. Dazu werteten die Forscher Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus und befragten zusätzlich mehr als 5.000 Berufstätige im Alter von 20 bis 50 Jahren.

Demnach haben 6,7 Prozent der Berufstätigen, also knapp drei Millionen Menschen, das sogenannte Hirndoping wenigstens schon einmal aufgrund von Stress vom Arbeitsplatz praktiziert. Bei einem vergleichbaren DAK-Report waren es 2008 noch 4,7 Prozent. Experten rechnen darüber hinaus mit einer Dunkelziffer von bis zu zwölf Prozent – das wären etwa fünf Millionen Deutsche. Und: Unter den übrigen Erwerbstätigen ist jeder Zehnte für diese Form des Dopings prinzipiell aufgeschlossen.

 

Motive für Doping bei Stress am Arbeitsplatz

Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck, Stress am Arbeitsplatz sowie Überlastung. Vier von zehn Dopern gaben an, bei konkreten Anlässen wie anstehenden Präsentationen oder wichtigen Verhandlungen Medikamente einzunehmen. Männer versuchen so vor allem, berufliche Ziele noch besser zu erreichen. Frauen nehmen eher Medikamente, damit ihnen die Arbeit leichter von der Hand geht und sie emotional stabil genug sind.

Insgesamt werden zum Hirndoping am häufigsten Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe (60,6 Prozent) sowie Medikamente gegen Depressionen (34 Prozent) eingenommen. Etwa jeder achte Doper schluckt Tabletten gegen starke Tagesmüdigkeit. Mehr als jeder Zweite bekommt für die entsprechenden Medikamente ein Rezept vom Arzt. Jeder Siebte erhält Tabletten von Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen, jeder Zwölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet.

 

Keine Wunderpille gegen Stress am Arbeitsplatz

Frau macht Entspannungsübungen im Büro
Experten bei Stress am Arbeitsplatz zu gezielten Maßnahmen zur Stressbekämpfung – beispielsweise mentale Entspannungstechniken. © Fotolia

Professor Dr. Klaus Lieb, Facharzt und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, warnt: „Eine Wunderpille bei Stress am Arbeitsplatz gibt es nicht. Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Demgegenüber stehen hohe gesundheitliche Risiken wie körperliche Nebenwirkungen bis hin zur Persönlichkeitsveränderung und Abhängigkeit.“ Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen seien nicht selten – und mögliche Langzeitfolgen noch völlig unklar.

 

Stress am Arbeitsplatz richtig angehen

Als Medikamenten-Alternative raten Experten bei Stress am Arbeitsplatz zu gezielten Maßnahmen zur Stressbekämpfung – beispielsweise mentale Entspannungstechniken. Vier wirksame Techniken sowie ein Interview mit dem Stress- und Burnout-Experten Dr. Werner Ehrhardt finden Sie hier.

Die besten Tipps für einen gesunden und stressfreien Arbeitsplatz haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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