Stoppen alte Pommes meinen Herzschlag?

Stephanie Pingel
Pommes
Foscher haben herausgefunden, dass unser Herzschlag durch ranzigen Fettgeruch – beispielsweise bei alten Pommes – verlangsamt wird © iStock

Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass der Geruch von ranzigem Fett das Herz langsamer und schwächer schlagen lässt. PraxisVITA erklärt die Zusammenhänge und warum diese Entdeckung besonders für Diabetiker von Interesse ist.

Wer bisher gedacht hat, er könne nur mit der Nase riechen, der irrt: Sogenannte Olfaktorische Rezeptoren (OR), die bei Aktivierung verschiedene Dufteindrücke auslösen, kommen nicht nur in der Nase, sondern auch in anderen Geweben im menschlichen Körper vor. Sie spielen beispielsweise bei der Wundheilung und der Serotonin-Ausschüttung eine Rolle. Eine deutsche Forschergruppe der Ruhr-Universität Bochum untersuchte nun mithilfe von Genanalysen Duftrezeptoren in Herzmuskelzellen – und fand heraus, dass das Herz besonders auf ranzigen Geruch negativ reagiert. Ihre Ergebnisse präsentierten die Wissenschaftler im Fachjournal „Basic Research in Cardiology“.

 

Ranziger Geruch vermindert den Herzschlag

Dass das Herz insgesamt zehn OR besitzt, war bereits bekannt. Worauf diese allerdings wie reagieren, ist bisher weitgehend unerforscht. Welche Substanz den Rezeptor OR51E1, der besonders häufig in den Herzmuskelzellen vertreten ist, aktiviert, wurde nun von den Forschern entdeckt: Ranzig riechende Pelargonsäure sorgte dafür, dass OR51e1 das Herz langsamer und schwächer schlagen ließ. Je höher die Konzentration der Fettsäure war, desto stärker war der negative Effekt auf die Herzleistung. Professor Dr. Hans Hatt, der an der Studie beteiligt war und seit Jahren die Funktionen von OR erforscht, sieht durch die Ergebnisse nun Risiken für Diabetiker – denn in deren Blut ist die Konzentration von Fettsäuren meist erhöht. „Das könnte ein Grund für manche Herzprobleme von Diabetikern sein“, so Hatt.

 

Blocker verhindert negative Auswirkungen

Die gute Nachricht: Das Forscherteam konnte inzwischen mit dem Molekül 2-Ethylhexansäure einen Blocker entwickeln, der die negativen Effekte von OR51E1 aufhebt. „Wenn man ihn verabreicht, schlägt das Herz wieder kräftiger“, erklärt Dr. Hatt. Patienten mit erhöhter Fettsäure-Konzentration im Blut müssten sich dadurch künftig keine Sorgen machen, dass sich Gerüche negativ auf ihre Herzleistung auswirken könnten.

Auch für Patienten mit stark erhöhter Herzfrequenz könnten die Studienergebnisse einen Nutzen bringen. Viele Duftstoffe können durch die Haut in wenigen Minuten ins Blut gelangen – deshalb reibt man sich beispielsweise bei Atemwegsentzündungen wie Bronchitis die Brust mit einer Mentholsalbe ein. Dr. Hatt sieht jetzt die Möglichkeit, dass man mithilfe der Duftstoffe so auch Herzmedikamente verabreichen könnte: „Wenn man die Stelle über dem Herzen einreibt, könnten genügend Duftstoffe durch die Haut gelangen, um eine Wirkung auf das Herz auszuüben.“

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