Stören Brustimplantate meinen Herzrhythmus?

Stephanie Pingel
Implantate
Laut einer Studie können Brustimplantate die Ergebnisse eines EKGs verfälschen © iStock

Eine neue Untersuchung legt nahe, dass Brustimplantate die Ergebnisse eines Elektrokardiogramms (EKG) verfälschen können. PraxisVITA erklärt, was betroffene Frauen wissen sollten.

Wer mit akuten Brustschmerzen in eine Klinik kommt, durchläuft meist ein sogenanntes Elektrokardiogramm (EKG), mit der die elektrische Aktivität aller Herzmuskelfasern aufgezeichnet wird. Dadurch können beispielsweise Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen diagnostiziert werden. Bei Frauen mit Brustimplantaten könnten genau diese Diagnosen verfälscht werden – das legt eine neue Untersuchung von Wissenschaftlern des Princess Grace Hospital in Monaco nahe.

 

Verdacht auf Herzinfarkt durch ein Brustimplantat

Für die Studie durchliefen 28 Frauen mit Brustimplantaten und 20 Frauen ohne Implantate als Kontrollgruppe ein EKG. Alle Probandinnen hatten dasselbe Alter, strukturelle Veränderungen oder Erkrankungen des Herzens lagen bei keiner vor. Die Testergebnisse wurden von zwei erfahrenen Kardiologen unabhängig voneinander ausgewertet – die Daten waren dabei anonymisiert. Die Experten kannten also beispielsweise nicht das Alter, noch wussten sie, ob es Vorerkrankungen gab oder ob die Testpersonen Brustimplantate hatten. Das Ergebnis: Bei den Frauen mit den Brustimplantaten wertete ein Kardiologe in 38 Prozent der Fälle die EKG-Ergebnisse als auffällig, beim zweiten Experten waren es sogar 57 Prozent. Bei der Kontrollgruppe waren sich beide Experten dagegen bis auf eine einzige Ausnahme darin einig, dass die EKGs unauffällig waren.

„Der Hauptunterschied zwischen den beiden Gruppen war der, dass die Frauen der ersten Gruppe Brustimplantate hatten und die der zweiten nicht, daher führen wir die falsch ausgewerteten EKGs darauf zurück“, so der Kardiologe und Studienleiter Dr. Sok-Sithikun Bun. Bei betroffenen Frauen könnten dadurch Krankheiten diagnostiziert werden, die gar nicht vorliegen. „Ärzte könnten anhand solcher verfälschten Daten vermuten, dass die Patientin eine Herzerkrankung hat.“

 

Ärzte sollten auf Brustimplantate hingewiesen werden

Eine mögliche Erklärung ist, dass das Brustimplantat wie eine Barriere wirkt und die Messung der Herzmuskelfasern stört. Daher sollten Patientinnen dem Arzt bei jeder Untersuchung auf eine mögliche Herzerkrankung sagen, dass sie Brustimplantate haben. Bestehen nach dem EKG Unsicherheiten, was das Ergebnis angeht, sollten weitere Tests wie beispielsweise eine Blutuntersuchung anhand der vorliegenden Symptome erfolgen. „Es könnte auch klug sein, vor einer Brustimplantats-Operation ein EKG durchzuführen, damit es für spätere Untersuchungen vergleichbare Daten gibt“, so Dr. Bun.

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