Stillen und Alkohol: Alles über Abbau und Risiken

Redaktion PraxisVITA

In der Schwangerschaft und beim Stillen sollten Frauen auf Alkohol verzichten. Will sich eine stillende Mutter ausnahmsweise doch ein Glas Sekt oder Wein genehmigen, gibt es einige Regeln, die sie beim Thema Stillen und Alkohol dringend befolgen sollte.

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Über die Muttermilch gelangen Nährstoffe, aber auch Schadstoffe wie Alkohol aus dem Körper der Mutter in den des Säuglings. Deshalb gilt beim Thema Stillen und Alkohol: Frauen sollten in der Stillzeit möglichst auf Alkohol verzichten.

Schließlich braucht ein bis zu zwölf Wochen alter Säugling etwa doppelt so lange wie die Mutter, um den Alkohol abzubauen. Entwicklungsstörungen und Probleme beim Stillen sind mögliche Folgen nach Alkoholkonsum. Aber schadet wirklich schon ein Glas Sekt oder Wein dem Baby?

Kinderärztin Dr. Nadine MacGowan rät dringend davon ab, in der Stillzeit Alkohol zu konsumieren – auch nicht in Ausnahmefällen: „Auch kleinste Mengen können wirklich schwere Schäden anrichten, es gibt keine ‚Untergrenze‘, die erlaubt ist. Bei einigen Kindern haben nachweislich sehr geringe Mengen Alkohol zu lebenslangen und stark beeinträchtigenden Schäden geführt.“

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Stillen und Alkohol: Wichtige Regeln

Allerdings empfiehlt die nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Frauen, die sich nicht davon abhalten lassen wollen, hin und wieder ein Glas Alkohol zu trinken, nicht abzustillen, da die gesundheitlichen Vorteile des Stillens für das Kind überwiegen.

Stattdessen sollten sich diese Mütter streng an folgende Regeln halten:

  • Erst dann Alkohol trinken, wenn man abschätzen kann, in welchen Abständen das Kind Milch trinken will (frühestens nach einem Monat Stillen).
  • Vor dem Alkoholkonsum eine Mahlzeit zu sich nehmen – so wird der Blutalkoholspiegel weniger stark erhöht.
  • Das Baby unmittelbar vor dem Alkoholkonsum stillen – so wird der zeitliche Abstand zum nächsten Stillen erhöht. Dieser sollte mindestens zwei bis drei Stunden betragen.
  • Das Baby sollte immer von einer nüchternen Person betreut werden.
  • Wenn man Alkohol konsumiert hat, sollte man nicht mit dem Baby im gleichen Bett schlafen – die eigene Reaktionsfähigkeit kann vermindert sein.
 

Alkohol beim Stillen: Abpumpen notwendig?

Zur Sicherheit sollten stillende Mütter, die vorhaben, Alkohol zu trinken, im Vorfeld „unbelastete“ Muttermilch abpumpen und im Kühlschrank aufbewahren. Denn um Stillproblemen vorzubeugen, sollte keine Milchmahlzeit ausfallen.

Ist eine Mahlzeit „fällig“, bevor der Alkohol abgebaut wurde, sollte die mit Alkohol belastete Milch abgepumpt und weggeschüttet und dem Baby die „Reservemilch“ gegeben werden.

Die Milch muss aber nicht abgepumpt werden, um den Alkohol darin wieder loszuwerden: Wenn nach einigen Stunden der Alkohol im Blut abgebaut ist, ist er auch in der Muttermilch abgebaut –auch wenn diese nicht abgepumpt wurde.

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Wie viel Alkohol geht in die Muttermilch über?

Wenn Stillende Alkohol trinken, geht dieser über das Blut auch in die Muttermilch. Etwa 30 bis 90 Minuten nach dem Trinken ist der Alkoholgehalt im Blut am höchsten. In der Muttermilch herrscht nahezu die gleiche Alkoholkonzentration wie im Blut (etwa 95 Prozent).

Schätzungen zufolge nimmt der kindliche Organismus insgesamt etwa 0,3 – sechs Prozent der Alkoholmenge auf, die die Mutter zu sich genommen hat.

 

Alkohol-Abbau: Wann kann ich wieder stillen?

Eine genaue Angabe, nach welcher Zeit das Stillen wieder sicher ist, ist schwierig zu machen. Das hängt unter anderem auch von Faktoren ab wie der Frage, ob Sie vor dem Alkoholkonsum etwas gegessen oder auf nüchternen Magen getrunken haben.

Um einschätzen zu können, wie lang der Abbau von Alkohol dauert, ist es hilfreich zu wissen, wie viel Promille man im Blut hat. Zur Berechnung des Promillewertes gibt es die sogenannte Widmark-Formel: Die aufgenommene Alkoholmenge in Gramm geteilt durch (0,6 x Körpergewicht der Frau in Kilogramm) = Promille.

Eine Frau von 55 kg baut im Schnitt etwa 0,1 Promille pro Stunde Alkohol ab. Ein Standardglas Bier abzubauen, würde bei ihr etwa drei Stunden dauern.

Zur Berechnung der aufgenommenen Alkoholmenge gibt es Tabellen – das Bundesinstituts für Risikobewertung  bietet beispielsweise eine solche Tabelle an.

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Ist alkoholfreies Bier beim Stillen erlaubt?

Komplett frei von Alkohol sind selbst die meisten alkoholfreien Biersorten nicht – zwar enthalten sie nur 0,5 Prozent Alkohol, doch auch daraus gehen Anteile in die Muttermilch über. Trinkt die Mutter einen halben Liter alkoholfreies Bier, nimmt ein Neugeborenes damit immer noch 1,2 Milligramm Alkohol über die Muttermilch auf. Dennoch halten viele Experten alkoholfreies Bier in der Stillzeit für unbedenklich – besonders, wenn die stillende Mutter nur hin und wieder ein kleines Glas davon trinkt. Für alle, die ganz sicher gehen wollen: Inzwischen gibt es auch Bier mit 0,0 Prozent Alkoholgehalt – bei diesem Bier ist garantiert kein Alkohol enthalten.

 

Malzbier und Stillen: Passt das zusammen?

Der Begriff Malzbier bezeichnet eigentlich ein Getränk mit zwei Prozent Alkohol – dieses ist für Schwangere freilich nicht geeignet. Umgangssprachlich ist mit Malzbier allerdings in der Regel der sogenannte Malztrunk gemeint, der einen Alkoholgehalt von unter 0,5 Prozent hat und auch in der Stillzeit getrunken werden darf. Das Getränk soll sogar milchbildend wirken – allerdings zweifeln Experten daran, dass die darin enthaltene Malzmenge ausreichend ist, um diesen Effekt zu erzielen.  

 

Darf ich beim Stillen Alkohol-Pralinen essen?

Ein oder zwei Pralinen mit Alkohol sind auch in der Stillzeit völlig in Ordnung – da dadurch der Blutalkoholspiegel kaum merklich steigt, bleibt auch der Alkoholspiegel in der Muttermilch nahe Null. Stillende Mütter sollten allerdings darauf verzichten, alkoholhaltige Pralinen „packungsweise“ zu verzehren.

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Alkohol und Stillen: Welche Folgen hat das für das Baby?

Alkohol und Stillen können Folgen für das Baby haben. Dazu gehören:

  • Schlafstörungen (leichter Schlaf)
  • Stillprobleme durch verringerte Milchbildung bei der Mutter
  • Alkohol in der Muttermilch kann den Saugreflex des Kindes beeinträchtigen
  • Da der Alkohol den Geschmack der Milch verändert, trinken manche Babys weniger
  • Eventuell wird die Gewichtszunahme beim Baby verlangsamt
  • Die Kombination von Alkohol und Stillen durch die Mutter kann die motorische Entwicklung des Babys hemmen

Quellen:

Alkohol in der Stillzeit – Eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der Stillförderung, in: mobil.bfr.bund.

Lothrop, Hannah (2016): Das Stillbuch: Vollständig überarbeitete Neuausgabe, München: Kösel-Verlag.

Guóth-Gumberger, Márta und Elizabeth Hormann (2014): Stillen: Einfühlsame Begleitung durch alle Phasen der Stillzeit, München: Gräfe und Unzer Verlag.

Schweitzer, Dora (2017): Stillen: Für glückliche Mütter und Babys – Ihr Stillberater für zu Hause, Stuttgart: Trias Verlag.

Enthält alkoholfreies Bier nur Gutes für die Muttermilch?, in: medscape.com

 https://mobil.bfr.bund.de/cm/350/alkohol-in-der-stillzeit-eine-risikobewertung-unter-beruecksichtigung-der-stillfoerderung.pdf

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