Stillen trotz Schlupfwarzen

Julia Rommelfanger Medizinjournalistin

Bei einer Schlupfwarze ist die Brustwarze nicht nach außen, sondern nach innen gestülpt. Das erschwert dem Baby beim Stillvorgang das Andocken, ist aber kein Hindernis für das Stillen.

Lächelnde Frau stillt ihr Baby
Schlupfwarzen sind genetisch bedingt und stellen in der Regel kein medizinisches Risiko dar Foto:  istock/peopleimage_lightfieldstudios
Inhalt
  1. Definition: Was sind Schlupfwarzen und welche Ursachen haben sie?
  2. Schlupfwarzen: Gibt es Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Behandlung?
  3. Schlupfwarzen während der Schwangerschaft und Stillzeit formen: Techniken und Methoden

Stillen kann man auch dann, wenn man sogenannte Schlupfwarzen hat. Wie das funktioniert? Hier die besten Tipps.

 

Definition: Was sind Schlupfwarzen und welche Ursachen haben sie?

Als Schlupfwarze bezeichnet man eine eingezogene, also eine nach innen statt nach außen gewölbte Brustwarze. Das kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Im extremsten Fall (Grad 3) spricht man von Hohlwarzen. Schlupfwarzen können genau wie Flachwarzen angeboren sein oder sich in der Pubertät entwickeln. Die Ursachen sind genetisch bedingt. Es handelt sich in erster Linie um Verklebungen, die zu verkürzten Milchgängen und Bindegewebssträngen führen und die Brustwarzen nach innen ziehen.

Bei einer Mastitis schmerzt die Brust, das Kind zu stillen, kann daher schmerzhaft sein
Krankheiten & Behandlung Mastitis-Ursachen: Milchstau und Bakterien verursachen Entzündungen und Schmerzen in der Brust

 

Schlupfwarzen: Gibt es Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Behandlung?

Da der Grund für Schlupfwarzen eine genetische Veranlagung ist, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Gleichzeitig ist eine Behandlung aus gesundheitlichen Gründen in der Regel nicht notwendig. Bei sehr ausgeprägten Hohlwarzen kann es jedoch passieren, dass es zu Entzündungen kommt. Manche Frauen empfinden starke Schlupfwarzen auch aus ästhetischen Gründen als belastend oder wollen ihre Stillfähigkeit verbessern. Eine Behandlung von Schlupfwarzen ist in solchen Fällen durch eine Operation möglich.

Es gibt zwei verschiedene Techniken, mit und ohne Erhalt der Milchgänge für das Stillen – die Krankenkasse übernimmt die Kosten allerdings nur bei medizinischen Indikationen und entscheidet darüber im Einzelfall. Sind die Schlupfwarzen nicht zu stark nach innen gewölbt (Grad 1 und 2), reichen die folgenden Techniken normalerweise aus, um stillen zu können. 

Eine Mutter stillt ihr Kind
Schwangerschaft & Geburt Wunde Brustwarzen beim Stillen: Was hilft?

 

Schlupfwarzen während der Schwangerschaft und Stillzeit formen: Techniken und Methoden

Bei einer Stimulation zieht sich die Schlupfwarze oder Hohlwarze zurück, statt sich aufzurichten. Dadurch kann das Baby die Brust beim Stillen nur schwer erfassen. Es gibt jedoch verschiedene Techniken und Methoden, die Frauen schon während der Schwangerschaft und später auch in der Stillzeit anwenden können, um dem Baby das Trinken zu erleichtern. Hebammen raten allerdings in der Regel von künstlichen Hilfsmitteln ab:

  • Massage: Regelmäßige Brustmassagen können helfen, das Bindegewebe zu dehnen, damit die Brustwarze stärker hervortritt.
  • Nipletten: Es handelt sich um kleine Kunststoffaufsätze, die über den Warzenhof gelegt werden und über eine Pumpe Unterdruck erzeugen und so das Bindegewebe dehnen. Bei regelmäßiger Anwendung dieser Technik – möglichst schon während der Schwangerschaft – kann sich die Form der Schlupfwarze verbessern.
  • Brustwarzenformer: Die ringförmigen Kunststoffaufsätze üben leichten Druck auf den Warzenhof aus, sodass die Brustwarzen weiter nach außen gedrückt werden. Sie werden während der Stillzeit unter der Wäsche getragen.
  • Stillhütchen: Diese flexiblen Hütchen aus Gummi, Silikon oder Latex werden für das Stillen auf die Brustwarze gesetzt, um dem Baby das Andocken zu erleichtern.
  • Vorbereiten der Brust: Wichtig sind zudem Methoden, um das Stillen gerade anfangs zu erleichtern, etwa indemman die empfindlichen Brustwarzen vor dem Stillen stimuliert. Das heißt:  Mit der Handfläche reiben, die Brustwarze dann sanft herausziehen und mit einer Handpumpe vorsichtig ansaugen, bis sie hervorsteht. Und: vor dem Anlegen des Babys etwas Milch aus der Brust drücken. 
  • Stillen üben: Zum Stillstart sollte eine Mutter mit Schlupfwarzen ihr Baby öfters anlegen, damit es geübter ist, sobald die Brüste praller sind und sich die Schlupfwarzen dadurch noch schwieriger fassen lassen. Wichtig ist es zudem, das Baby besonders früh und in den ersten Tagen häufig anzulegen und eventuell zusätzliche Unterstützung durch eine Stillberaterin zu suchen. 
    Eine Mutter stillt ihr Baby
    Schwangerschaft & Geburt Muttermilch: Warum ist sie so gesund?

Übrigens: Bei Schlupfwarzen klappt das Stillen besser in einer zurückgelehnten Stillposition.

Quellen:

Probleme beim Stillen, in: Frauenaerzte-im-netz.de

Höfer, S. & Szász, N. (2012): Hebammen Gesundheitswissen. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München

Lothrop, H. (2016): Das Stillbuch. Kösel-Verlag, München

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2021 praxisvita.de. All rights reserved.