Stille Bedrohung Masern: “Ich hatte Angst um meinen Enkel“

Oma mit Enkel nach Masernimpfung
Aufatmen nach der Impfung: Sie hat nur leichte Nebenwirkungen und bewahrt Ihr Kind vor den Masern, die dramatisch verlaufen können © Fotolia

Viele Eltern wollen ihre Kinder nicht gegen Masern impfen lassen. Doch der Impfschutz ist unbedingt zu empfehlen, denn die Krankheit kann dramatisch verlaufen. Praxisvita klärt über die Risiken auf.

Fröhlich springt der dreijährige Lukas seiner Oma Gerlinde (63) entgegen, umarmt sie und gibt ihr ein Küsschen: „Es war nur ein kleiner Piekser und ich habe gar nicht geweint." Gerlinde Hönig aus Wittenberge lobt ihren „Großen" – innerlich fällt ihr ein Stein vom Herzen: „Endlich ist das Thema Masern-Impfung vom Tisch und ich kann wieder aufatmen", sagt sie. Dem waren unzählige Diskussionen mit Gerlindes Tochter Sonja vorausgegangen. Die 33-Jährige hatte schnell gereizt reagiert und ihre Mutter gefragt: „Hast Du schon mal von Impfschäden gehört?"

 

Impfen soll schützen und nicht schaden

Sonja und ihre beste Freundin Steffie, ebenfalls junge Mutter, sind Impfgegner. Ihre Überzeugung: der kleine Stich macht Kinder krank, sie neigen danach eher zu Allergien und sind anfälliger für Entzündungen, Grippe und Fieber. Eine Ansicht, die die beiden noch bereuen sollten. Denn dann passierte es... Gerlinde erinnert sich: „Der Tag, an dem Steffies vierjährige Tochter Marta ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war für uns alle ein Schock."

 

Mit Masern in die Notaufnahme

Zuvor hatte die Kleine an Fieber, Husten und Schnupfen gelitten, aber Steffie hatte das für eine übliche Erkältung aus dem Kindergarten gehalten. Erst als auch noch der typische rote und fleckige Hautausschlag hinzu kam, das Fieber bis auf 40 Grad anstieg und die Kleine über höllische Ohrenschmerzen klagte, reagierte Steffie und ging mit Marta schleunigst in die Notaufnahme. Dort stellten die Ärzte bei dem Kind eine schwere Masern-Erkrankung fest und begannen sofort mit der Behandlung. Gerade noch rechtzeitig, denn nicht selten führen die Begleiterscheinungen – wie zum Beispiel Mittelohr- oder Lungenentzündungen – zum Tod. Als Gerlindes Tochter Sonja wenig später von der dramatischen Entwicklung hörte, setzte auch bei ihr ein Umdenken ein.

 

Masern-Impfung: Nur leichte Nebenwirkungen

Nie im Leben wollte sie ihren Sohn weiterhin der Gefahr aussetzen – und nur eine Woche später ließ sie Lukas impfen. Nebenwirkungen zeigten sich bei dem Dreijährigen fast keine: Nur kurz kam es an der Einstichstelle zu einer kleinen Rötung, diese war aber nach wenigen Tagen verschwunden. „Lukas hat es gut vertragen", sagte seine Mutter. „Damit hätte ich nie gerechnet." Auch die anderen Schutzimpfungen im Kindesalter will Sonja nun nachholen lassen. Mit ihrer Entscheidung hat Sonja ihre Mutter Gerlinde sehr glücklich gemacht: „Es war ein kleiner Piekser mit großer Wirkung."

 

Masern: Viel mehr als eine harmlose Kinderkrankheit

Nur jedes dritte Kleinkind ist gegen Masern geimpft, weil viele Eltern Angst vor möglichen Nebenwirkungen haben. Dabei stehen diese, wie zum Beispiel leichtes Fieber oder Reizungen an der Injektionsstelle, in keinem Verhältnis zu den möglichen gefährlichen Folgen der Infektion. Dazu zählen schwere Mittelohrentzündung, Lungen- oder Gehirnentzündung. Letztere kann zu bleibenden Behinderungen führen und sogar tödlich enden. Hinzu kommt, dass die Infektion nicht heilbar ist, es lassen sich lediglich die Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel Fieber, lindern.

 

Tickende Zeitbombe

Ungeimpfte Kinder sind eine tickende Zeitbombe für Säuglinge unter einem Jahr, die noch nicht vollständig geimpft sind, und Schwangere, da Masern Früh- und Totgeburten auslösen können. Das ist Grund genug, dass auch Erwachsene ihren Impfschutz checken lassen sollten, da er mit den Jahren nachlässt. Zudem empfiehlt die „Ständige Impfkommission" (STIKO) am Robert Koch-Institut (Tel.: 0 30/18 75 40) allen nach 1970 Geborenen ohne ausreichenden Masernschutz die Impfung nachzuholen. Wichtig: Ungeimpfte können sich nach dem Ausbruch der Infektion noch bis zu 5 Tage nachträglich impfen lassen.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.