Steuert das Körpergewicht das Einsetzen der Pubertät?

Redaktion PraxisVITA

Wann die Pubertät beginnt, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Doch setzt sie auffällig früh oder spät ein, kann das mit dem Gewicht des Kindes zusammenhängen, zeigt eine aktuelle US-Studie.

Ein dicker Junge zwickt seinen Bauch
Wenn Kinder zu dick sind, kann das ihren Hormonhaushalt durcheinanderbringen und dazu führen, dass sie frühzeitig oder verspätet in die Pubertät kommen, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

In ihrer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler der University of Michigan, wie sich Übergewicht bei Jungen auf das Einsetzen der Pubertät auswirkt. Dazu werteten sie die Daten von mehr als 3.600 Jungen im Alter von sechs bis 16 Jahren aus. Die Forscher teilten die Jungen in drei Kategorien ein: normalgewichtig, übergewichtig und fettleibig.

 

Was ist der Unterschied zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit?

Zur Bestimmung von Übergewicht beziehungsweise Fettleibigkeit wird der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Der BMI wird folgendermaßen ausgerechnet: Gewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat.

  • Normalgewicht besteht bei einem BMI zwischen 18,5 und 24
  • Übergewicht liegt bei einem BMI zwischen 25 und 29 vor
  • Ab einem BMI von 30 sprechen Mediziner von Fettleibigkeit oder Adipositas
 

Gewicht beeinflusst Einsetzen der Pubertät

Die Analyse der Forscher ergab: Bei übergewichtigen Jungen setzte die Pubertät frühzeitig, bei fettleibigen Jungen verzögert ein. Die Gründe dafür wurden in der Studie nicht untersucht. Die Forscher haben jedoch eine Vermutung, warum Fettleibigkeit die Pubertät zu verzögern scheint: Frühere Studien haben gezeigt, dass überschüssiges Körperfett zu einer Überproduktion des weiblichen Sexualhormons Östrogen führen kann. Bei fettleibigen Jungen könnte ihrer Ansicht nach so viel Östrogen vorliegen, dass das Einsetzen der Pubertät verzögert wird.

 

Übergewichtige Mädchen kommen früher in die Pubertät

Bei Mädchen wurde der Zusammenhang zwischen Gewicht und Einsetzen der Pubertät bereits in früheren Studien untersucht. Eine 2007 ebenfalls von der University of Michigan durchgeführte Studie konnte zeigen, dass übergewichtige Mädchen häufiger frühzeitig (mit neun Jahren oder früher) in die Pubertät kommen als normalgewichtige. Schon Übergewicht im frühen Kindesalter (ab drei Jahren) beschleunigt demnach das Einsetzen der Pubertät.

Bei Mädchen kann der frühe Beginn der Pubertät sogar Einfluss auf die Gesundheit haben: Eine Studie der Oxford-Universität in England konnte 2014 einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der ersten Periode und dem Risiko von Mädchen, später an Herzleiden zu erkranken, belegen. Demnach haben Mädchen, die bei ihrer ersten Periode 13 Jahre alt sind, das geringste Risiko, später eine Herz-Kreislauf-Krankheit wie Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder Bluthochdruck zu entwickeln. Je weiter das Alter bei der ersten Periode von diesem Zeitpunkt abweicht, desto höher ist ihr Risiko, an einem entsprechenden Leiden zu erkranken. Das höchste Risiko haben demnach Mädchen, die mit zehn Jahren oder jünger oder mit 17 Jahren oder älter zum ersten Mal ihre Periode haben.

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