Sterilisation beim Mann: Alles zur Vasektomie

Michelle Kröger

Etwa 30.000 bis 50.000 Männer lassen jedes Jahr in Deutschland eine Vasektomie vornehmen. Die meisten sind allerdings auch heutzutage noch skeptisch und verwechseln die Sterilisation mit einer Kastration. 

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Die Gründe für eine Sterilisation beim Mann können vielfältig sein Foto:  iStock/luhuanfeng
Inhalt
  1. Vasektomie und Kastration: Wo liegt der Unterschied?
  2. Mögliche Gründe für die Sterilisiation beim Mann
  3. Wie läuft eine Vasektomie ab?
  4. Vorteile, Nachteile und Risiken der Sterilisation beim Mann
  5. Wann wird von einer Sterilisation abgeraten?
  6. Lässt sich eine Vasektomie rückgängig machen?
 

Vasektomie und Kastration: Wo liegt der Unterschied?

Viele Männer haben die unbegründete Angst, durch eine Sterilisation ihre Männlichkeit zu verlieren. Doch eine Vasektomie ist nicht dasselbe wie eine Kastration (auch: Orchiektomie). Denn bei letzterem werden die Hoden entfernt, was Impotenz und Libidoverlust zur Folge haben kann. Immerhin wird in den Hoden das männliche Geschlechtshormon Testosteron gebildet. 

Da bei einer Sterilisation des Mannes die Hoden außen vor bleiben, hat dieser Eingriff keine hormonellen Auswirkungen. “Es werden dabei nur die Samenleiter durchtrennt”, sagt Dr. med. Immo Ries, Facharzt für Urologie, Andrologie und med. Tumortherapie in Hamburg-Othmarschen. Samen werden weiterhin produziert, doch die Samenzellen werden vom Körper abgebaut.

 

Mögliche Gründe für die Sterilisiation beim Mann

Die Beweggründe für eine Sterilisation können unterschiedlich ausfallen und variieren von Mann zu Mann. “Mögliche Gründe sind etwa eine abgeschlossene Familienplanung oder ein fehlender Kinderwunsch. Oder aber die Ehefrau verträgt die Kontrazeptiva nicht oder möchte sie nicht mehr nehmen”, erläutert Urologe Dr. Ries.

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Ist die Familienplanung abgeschlossen, so handelt es sich bei einer Sterilisation des Mannes um eine meistens komplikationsfreie und sichere Verhütungsmethode.

 

Wie läuft eine Vasektomie ab?

“Eine Vasektomie ist ein ambulanter, operativer Eingriff, der üblicherweise mit einer Lokalbetäubung durchgeführt wird”, erläutert Dr. Ries. Betäubt wird durch eine Injektion am Hodensack des Mannes – dies ist in der Regel nicht schmerzhafter als eine Blutentnahme am Arm.

Wenn der Patient es wünscht oder Allergien, beispielsweise auf Lokalanästhetika, bestehen, kann auch eine Vollnarkose durchgeführt werden. Der Eingriff dauert normalerweise nicht länger als 30 Minuten und wird in einer urologischen Praxis vorgenommen. Es gibt verschiedene Verfahren, die dem Durchtrennen der beiden Samenleiter im Hodensack dienen. Die beiden geläufigsten funktionieren wie folgt:

Traditionelle OP-Methode

In Europa wird üblicherweise die klassische OP-Methode eingesetzt. Diese besteht aus einem kleinen Hautschnitt am Hodensack – rechts und links oder mittig. Durch diesen Zugang können die Samenleiter vorgezogen und ein Teil davon entnommen werden. Die Stumpfenden werden hinterher über eine eingeführte Nadel mit Hochfrequenzstrom verödet. Darauf folgt die Unterbindung der beiden Stumpfenden.

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Daran schließt sich die Kontrolle auf Bluttrockenheit an, sowie die Trennung der Samenleiterteilenden. Das passiert durch ein Zwischensetzen einer dünnen Bindegewebshaut. Abschließend wird der Samenleiter in den Hodensack rückverlagert. Für die Hautnaht wird meistens ein selbstauflösender Faden gewählt.

Vasektomie ohne Skalpell

Bei der sogenannten “No-Scalpell-Vasektomie” wird auf den Einsatz eines Skalpells verzichtet – so verrät es schon der Name. Zur Öffnung des Hodensacks in der Mittellinie wird bei dieser Methode eine elektrische Nadel oder eine spitze Klemme verwendet. “Damit gibt es hierbei nur eine Öffnung, durch die beide Samenleiter nach außen geführt werden”, sagt der Experte.

Das weitere Vorgehen entspricht im Allgemeinen dem des klassischen Vorgehens. Der große Unterschied: Es wird kein Nahtmaterial benötigt. Meist kommt ein Kleber zum Einsatz. Außerdem wird die zwischen den Samenteilenden gesetzte Bindegewebshaut mit einem Metallclip verschlossen, der dauerhaft im Hodensack verbleibt.

 

Vorteile, Nachteile und Risiken der Sterilisation beim Mann

Zwar handelt es sich bei einer Sterilisation beim Mann um einen Routineeingriff, der meist komplikationslos verläuft. Das sind die Vorteile einer Vasektomie:

  • komplikationsarmer Eingriff
  • Potenz bleibt erhalten
  • Kein Verlust des Lustempfindens (Libido)
  • weniger aufwendig als eine Sterilisation der Frau
  • kein Einfluss auf den Hormonhaushalt

Jedoch ergeben sich neben den Vorteilen auch einige mögliche Nachteile und Risiken aus einer männlichen Sterilisation. Zu diesen zählen dauerhafte Schmerzen im Hodenbereich, Empfindungsstörungen und Wundinfektionen ."Seltener sind psychische Auswirkungen", sagt Dr. Ries. 

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Welche anderen Risiken sind mit einer Vasektomie verbunden? Laut dem Experten kann es auch dazu kommen, dass sich die Beschaffenheit des Spermas ändert, indem es weniger und flüssiger wird.  Neben den normalen OP-Risiken, wie Blutungen und Schmerzen, gehören zu den größeren Risiken bakterielle und virale Infektionen und Abszesse, so Dr. Ries.

Man sollte sich eingehend bei seinem Facharzt beraten und über mögliche Komplikationen aufklären lassen.

 

Wann wird von einer Sterilisation abgeraten?

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) sollte von einer Sterilisation beim Mann abgeraten werden, wenn der Mann:

  • noch keine Kinder hat,
  • unter 30 Jahre alt ist,
  • nicht in einer festen Partnerschaft lebt,
  • chronische Schmerzen im Hodenbereich oder eine schwere Allgemeinerkrankung hat, oder 
  • er sich in einer seelischen Krise befindet
 

Lässt sich eine Vasektomie rückgängig machen?

Dr. Ries sagt: “Beim Mann grundsätzlich ja. Aber: Die Vasektomie ist KEIN Eingriff für zwischendurch!” Durch mikrochirurgische Verfahren ist es in den meisten Fällen möglich, die durchtrennten Samenleiter wieder zu verbinden. Die Rede ist dann von einer Refertilisierung. Es handelt sich dabei allerdings um eine vergleichsweise aufwändige OP, die rund zwei Stunden dauert und unter Vollnarkose durchgeführt wird.

Nicht immer ist garantiert, dass der Mann hinterher wieder fruchtbar ist. Denn die Spermienproduktion kann sich im Laufe der Zeit verschlechtern. Im Zweifel raten Ärzte vorher auch zum Einfrieren der Spermien (Kryokonservierung). Eine Sterilisation beim Mann ist immer eine Entscheidung, die gut überlegt werden sollte.

Unser Experte: Dr. med. Immo Ries, Facharzt für Urologie, Andrologie und med. Tumortherapie in der Urologischen Praxis Othmarschen in Hamburg.

Quellen:

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