Sterbebegleitung: Unterstützung auf dem letzten Weg

Benjamin Müller Medizinredakteur

Nichts ist kostbarer als das Leben. Diesen Schatz wieder aufzugeben, fällt wohl niemandem wirklich leicht. Wenn der Tod sich nähert, sind Furcht, Trauer und Wut keine Seltenheit. Umso mehr brauchen Sterbende eine umfassende seelische Betreuung - und da kommen Sterbebegleiter ins Spiel.

Foto: iStock
Wenn der Tod naht, brauchen Sterbende viel Zuwendung Foto:  iStock/KatarzynaBialasiewicz
Inhalt
  1. Was ist Sterbebegleitung?
  2. Wer kann Sterbebegleiter sein?
  3. Was muss ein Sterbebegleiter können?
  4. Was bringt die Sterbebegleitung?
  5. Gibt es eine Ausbildung zum Sterbebegleiter?
 

Was ist Sterbebegleitung?

Der Themenbereich Sterbebegleitung ist weit gefächert und kann zahllose Aktivitäten beinhalten. Im Allgemeinen versteht man unter diesem Begriff jedoch die seelische Betreuung sterbender Menschen in ihren letzten Wochen.

Dabei fällt weder die medizinische Betreuung noch die Haushaltspflege in die Zuständigkeit eines Sterbebegleiters. Viel mehr dreht sich seine Aufgabe darum, für den Patienten da zu sein, ihm zuzuhören und ihm zu helfen, die verbleibende Zeit positiv zu gestalten.

 

Wer kann Sterbebegleiter sein?

Zurzeit gibt es in Deutschland keinerlei gesetzliche Rahmenbedingungen für die Sterbebegleitung. Dementsprechend kann diese Aufgabe theoretisch von jedem übernommen werden: von guten Freunden über nahe Verwandte bis zu ehrenamtlichen Sterbebegleitern.

Ist eine Betreuung erforderlich, bekommen Pflegebedürftige Unterstützung vom Staat. Wie oft die Betreuerin oder der Betreuer zu Ihnen nach Hause kommt, wird von Fall zu Fall und mit Ihnen zusammen entschieden
Alter & Pflege Pflege, Betreuung, Unterstützung: So sind Sie garantiert in sicheren Händen

Zwar gibt es dementsprechend keine „professionellen“ Sterbebegleiter, jedoch gehört diese Tätigkeit zum weiteren Aufgabenbereich bestimmter Berufsgruppen. Zu diesen zählen unter anderem Psychologen, Seelsorger und Mitarbeiter von Hospizen.

 

Was muss ein Sterbebegleiter können?

Egal ob die Begleitung ehrenamtlich oder für einen Angehörigen stattfindet: Die wichtigsten Fähigkeiten für einen Sterbebegleiter sind wohl Zuhören und Aushalten, egal wie schwer es fällt.

Menschen die dem Tod durch eine Krankheit entgegenblicken, machen häufig eine Vielzahl von Emotionen durch, äußern kleine und große Wünsche, hadern mit dem eigenen Schicksal und stellen unmöglich zu beantwortende Fragen nach dem Tod und dem Jenseits.

Fünf Phasen des Sterbens nach Kübler-Ross

Nicht-Wahrhaben-Wollen: Schock, Verleugnung, Apathie, körperliche Beschwerden
Zorn: Aggressionen, ziellose Wut, Schuldzuweisungen, dem Patienten ist nichts rechtzumachen
Verhandeln: Verhandlungen mit Ärzten oder Gott, Hoffnung auf längeres Leben, unrealistische Wünsche
Depression: Ängste, tiefe Trauer, Bewusstsein der eigenen Verluste
Zustimmung: Ruhe, verminderter Gesprächsbedarf, Akzeptanz des eigenen Schicksals

Sterbebegleiter müssen für all das und vieles mehr ein offenes Ohr haben und dem Patienten obendrein das Gefühl geben, nicht allein zu sein. Eine schwere und emotionale Aufgabe, besonders da der Sterbebegleiter in vielen Fällen auch die trauernden Angehörigen des Sterbenden mitbetreut.

Häufig ist es ein Sterbebegleiter, der Familien einen positiven Abschied von ihren Liebsten ermöglicht, und ihnen auch in der Zeit nach dem Tod des Patienten noch beisteht. So kann der Begleiter auch an der Organisation der Beerdigung mitwirken.

 

Was bringt die Sterbebegleitung?

Die Vorteile einer kompetenten Sterbebegleitung für Patienten und Angehörige sind so zahlreich wie offensichtlich: Ein Sterbebegleiter kann Sorgen und Ängste lindern, das Trauma des nahenden Todes verarbeiten helfen und die letzten Wochen und Tage eines Sterbenden so angenehm wie möglich gestalten.

Doch was haben die Begleiter selbst davon? Warum nehmen gerade Ehrenamtliche eine so emotional aufwühlende Tätigkeit auf sich? Die Antwort auf diese Fragen ist wohl von Person zu Person unterschiedlich, häufig genannt werden jedoch:

  • der Wunsch, Gutes zu tun
  • die Hilflosigkeit dem Tod gegenüber überwinden
  • dem eigenen Tod den Schrecken nehmen
  • den Tod der eigenen Angehörigen besser verarbeiten

Pflege und Betreuung
Alter & Pflege Pflegeheim und Pflege daheim – was Sie unbedingt wissen sollten

 

Gibt es eine Ausbildung zum Sterbebegleiter?

Wie bereits erwähnt, kann grundsätzlich jeder als Sterbebegleiter tätig werden. Wer Sterbende und ihre Angehörigen jedoch wirklich optimal unterstützen möchte, für den ist eine Aus- oder Weiterbildung zum Sterbebegleiter empfehlenswert.

In einer derartigen Ausbildung wird ein positiver Umgang mit Sterben und Tod ebenso vermittelt wie Möglichkeiten zur Kommunikation mit sterbenskranken Menschen. Und auch die psychische Gesundheit der Begleiter selbst steht im Fokus: So werden Techniken zur Abgrenzung des Privatlebens von der Tätigkeit als Sterbebegleiter vermittelt, um einem Burnout vorzubeugen.

Aus- und Weiterbildungen zum Sterbebegleiter werden von zahlreichen Hospizvereinen, Volkshochschulen und Organisationen wie der Internationalen Gesellschaft Sterbebegleitung und Lebensbeistand e.V. angeboten.

Quellen:

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.