Steißbeinschmerzen: Wenn die Wirbelsäule schmerzt

Redaktion PraxisVITA

Steißbeinschmerzen, medizinisch auch Kokzygodynie genannt, sind Schmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule. Sie entstehen meist durch einen Sturz, manchmal auch durch eine Geburt, und sind beim Sitzen sehr schmerzhaft.

Frau sitzt auf Kissen vor dem Sofa mit Laptop
Steißbeinschmerzen entstehen oft beim Sitzen. Eine rückenschonende Sitzposition kann helfen Foto:  iStock/mapodile
Inhalt
  1. Was sind Steißbeinschmerzen?
  2. Wie äußern sich die Symptome bei Steißbeinschmerzen?
  3. Ursachen und Risikofaktoren
  4. Wie werden die Steißbeinschmerzen diagnostiziert?
  5. Steißbeinschmerzen: Was macht der Arzt?
  6. Steißbeinschmerzen: Das können Sie selbst tun
  7. Steißbeinschmerzen vorbeugen
 

Was sind Steißbeinschmerzen?

Das Steißbein befindet sich ganz unten an der Wirbelsäule. Es besteht aus bis zu fünf Knochensegmenten, die meist miteinander verbunden sind und ein Dreieck bilden. An ihm setzen die Bänder, Sehnen und Muskeln des Beckens an. Umhüllt ist das Steißbein von einer dünnen, empfindlichen Knochenhaut. Die meisten Menschen beschäftigen sich erst mit diesem Körperteil, wenn er sich bemerkbar macht, sprich: wenn sie darauf gefallen sind und das Steißbein wehtut. Verletzungen am Steißbein sind oft langwierig und schmerzhaft.

Frauen treffen Steißbeinschmerzen häufiger als Männer, weil Schwangerschaft und Geburt das Steißbein stark belasten.

 

Wie äußern sich die Symptome bei Steißbeinschmerzen?

Das typischste und nicht zu verdrängende Symptom einer Steißbeinverletzung ist ein ziehender, brennender und stechender Schmerz im Steißbeinbereich. Dieser Schmerz ist qualvoll und kann ausstrahlen auf die umliegenden Körperregionen, also auf die Hüfte, die Lenden und den Analbereich. Die Schmerzen treten entweder sofort auf, wenn der Betroffene sich hinsetzt, nachdem der Betroffene eine Weile gesessen ist oder erst, wenn er wieder aufsteht.

Manchmal ist Sitzen auch gar nicht möglich. Einige Menschen haben zudem Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr. Sind die Nerven am Steiß- und am unteren Kreuzbein ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, können attackenartige Nervenschmerzen auftreten.

 

Ursachen und Risikofaktoren

Was genau Schmerzen am Steißbein hervorruft, ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Häufig treten sie nach einem Sturz aufs Gesäß auf, zum Beispiel, wenn der Betroffene auf nassem Laub ausrutscht, von einem Treppenabsatz fällt oder einen Sportunfall hat. Auch langes Sitzen kann Steißbeinschmerzen auslösen. Weitere Ursachen können sein:

  • Tumoren im Steißbeinbereich
  • Irritationen an den Muskelansätzen oder Sehnen am Knochen
  • angeborene Anomalien oder Fehlstellungen des Steißbeins
  • Entbindungen
  • Steißbeinfisteln
  • Nervenreizungen
  • Hexenschuss
  • Bandscheibenvorfall
  • Verletzungen im Beckenbereich
  • chirurgische Eingriffe
 

Wie werden die Steißbeinschmerzen diagnostiziert?

Wer Steißbeinschmerzen hat, sollte dringend zum (Fach)Arzt gehen, sonst können sie chronisch werden. Der Doktor wird sich zunächst einmal mit dem Patienten unterhalten (Anamnese) und ihm Fragen zu den Schmerzen und seiner Krankengeschichte stellen. Er wird zum Beispiel fragen, ob der Betroffene einen Unfall hatte und wann die Schmerzen auftreten. 

Darauf folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt drückt zum Beispiel aufs Steißbein, um zu überprüfen, ob das schmerzhaft ist. Zudem wird wahrscheinlich vom Enddarm aus das Steißbein von innen abgetastet, um Schmerzursachen wie Tumoren auszuschließen. Abschließend führt er eine klinische Untersuchung durch. Das heißt im Fall von Steißbeinschmerzen, dass der Arzt mittels bildgebender Verfahren (Magnetresonanztherapie/MRT, Röntgen, Computertomographie/CT) prüft, ob der Knochen verletzt oder gebrochen ist und ob eine lokale Entzündung besteht oder ein Tumor vorhanden ist.

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Service Schmerzen im unteren Rücken – Diese Übungen helfen

 

Steißbeinschmerzen: Was macht der Arzt?

Bei Steißbeinschmerzen hat der Arzt verschiedene Therapie-Möglichkeiten. So kann er beispielsweise Schmerzmittel wie Ibuprofen verabreichen oder lokal Schmerzmittel spritzen. Er kann eine Physiotherapie verschreiben, in der der Patient bestimmte Übungen (Dehnen, Mobilisation etc.) macht. Der Arzt kann zudem eine sogenannte Denervierung durchführen. Dabei führt er eine spezielle Kanüle an den gereizten Nerven ein und reizt sie zunächst mit einer Nadel, um zu überprüfen, ob er an der richtigen Stelle ansetzt, bevor er einen Laser auf die betroffene stelle leitet, dessen Hitze die Nervenfasern stilllegt. Eine Steißbein-OP ist die letzte mögliche Therapie bei Steißbeinschmerzen. 

 

Steißbeinschmerzen: Das können Sie selbst tun

Betroffene sollten bei Steißbeinschmerzen zunächst einmal die Übungen zuhause machen, die ihnen ihr Physiotherapeut gezeigt hat. Des Weiteren wäre es sinnvoll, sich einen ergonomischen Bürostuhl oder zumindest einen Sitzring zuzulegen, der das Sitzen angenehmer und etwas schmerzfreier macht, da weniger Druck auf dem Steißbein lastet. Alle 40 Minuten sollten Sie aufstehen und bestenfalls erst 15 Minuten im Stehen arbeiten, danach fünf Minuten herumlaufen. Wenn das nicht möglich ist, achten Sie zumindest darauf, regelmäßig aufzustehen. Experimentieren Sie mit Wärme und Kälte, um herauszufinden, was für Sie am besten funktioniert und den Schmerz im Steißbein lindert.

Grafik eines eingeklemmten Nervs
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Steißbeinschmerzen vorbeugen

Wenn Sie stürzen und daraufhin das Steißbein schmerzt, lässt sich wenig tun, um das zu verhindern – außer, sich bei nassen, glatten Straßen vorsichtig zu bewegen und Risikosportarten (z. B. Mountainbiken) zu vermeiden. Schmerzen am Steißbein durch zu langes Sitzen können Sie vorbeugen, indem Sie regelmäßig aufstehen und ein paar Schritte gehen und sich generell im Alltag mehr bewegen. Zum Beispiel, indem Sie mit dem Fahrrad ins Büro fahren. Haben Sie bereits Steißbeinschmerzen, sollten Sie sie behandeln lassen, damit sie nicht chronisch werden.

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