Stehen ist schlimmer als Sitzen

Verena Elson Medizinredakteurin
Stehen im Job erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen doppelt so sehr wie Sitzen
Stehen im Job erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen doppelt so sehr wie Sitzen © iStock/Easyturn

Sitzen hat einen schlechten Ruf – es fördert Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schlägt auf die Stimmung. Doch Stehen ist offenbar noch schädlicher – das haben kanadische Forscher in einer Langzeitstudie herausgefunden.

Wissenschaftler am Institute for Work & Health in Toronto begleiteten 7.320 Personen (50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer) im Schnitt für zwölf Jahre. Insgesamt entwickelten 3,4 Prozent der Probanden im Studienzeitraum eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (4,6 Prozent der Männer und 2,1 Prozent der Frauen).

Die Forscher kategorisierten die Probanden nach der Art, wie sie ihren Job ausübten – ob sie bei der Arbeit hauptsächlich sitzen, stehen oder abwechselnd sitzen und stehen mussten.

 

Stehen ist doppelt so schädlich wie sitzen

Das Ergebnis: Probanden, die im Job hauptsächlich standen, entwickelten etwa doppelt so häufig Herzerkrankungen wie Probanden, die hauptsächlich im Sitzen arbeiteten. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Wissenschaftler Faktoren wie BMI (Body-Mass-Index), sportliche Aktivität und den körperlichen Anspruch der Arbeit herausgerechnet hatten.

Eine überraschende Beobachtung machten die Forscher bei der Auswertung der Daten der Probanden mit „Misch-Jobs“ – also Berufen, in denen abwechselnd gesessen und gestanden wird. Die Wissenschaftler hatten erwartet, dass diese Jobs mit dem geringsten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.

Insgesamt sind sie das auch – doch in diesem Punkt fällt ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern auf: Während ein Misch-Job im Vergleich zu einem rein sitzenden Beruf bei Männern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 39 Prozent senkt, erhöht er es demnach bei Frauen um 80 Prozent.

 

Großer Unterschied zwischen den Geschlechtern

Wie es zu dieser gravierenden Differenz kommt, kann die Studie nicht klären. Die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass sie mit dem Unterschied in den Berufen zusammenhängt, die ein Großteil der Männer und Frauen in Misch-Jobs ausübten: Während Männer in Misch-Jobs zu großen Teilen Kurierfahrer oder Manager, beispielsweise im Einzelhandel waren, gehörten zu den Frauen mit Misch-Jobs viele Krankenschwestern, Erzieherinnen, Lehrerinnen und Kassiererinnen – alles Berufe mit einem vergleichsweise hohen Stresslevel. Auch das könnte zu ihrem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beigetragen haben.

Die Forscher raten allen, die im Job hauptsächlich stehen müssen, so viele Sitzpausen wie möglich in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Für Menschen in sitzenden Berufen gilt das Gegenteil: Häufiges Aufstehen (möglichst alle 15 Minuten), Herumgehen und Verändern der Sitzposition hält nicht nur den Kreislauf in Gang, sondern beugt auch Rückenschmerzen vor.
 

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