Stefan Mross selbstüberschätzt? – Notarzt und Klinik wegen zu scharfer Currywurst

Mross wegen scharfer Soße in Klinik
Moderator Stefan Mross brach seine eigene Live-Show ab und musste wegen akuter Atemnot von einem Notarzt behandelt werden. Zuerst blieb unklar, ob die Soße zu scharf war oder ob es sich um eine allergische Reaktion handelte © creativecommons

Moderator und Schlagerstar Stefan Mross brach während seiner eigenen Live-Show vor laufenden Kameras zusammen und wurde nach der Behandlung durch einen Notarzt in ein Krankhaus gebracht. Der Grund: Eine zu scharfe Currysoße. Erfahren Sie hier, wie es dazu kam und ab wann scharfes Essen gefährlich wird.

Regelmäßig beweist sich Stefan Mross live im Fernsehen mit besonderen Mutproben. Diesmal war es der sogenannte Scoville-Test. Bei diesem Test geht es darum, möglichst scharfe Chilisoßen zu verspeisen. In der von Mross moderierten Live-Sendung „Immer wieder sonntags“ hatte man zu diesem Zweck eine ganze Reihe scharfer Soße angerichtet.

 

Currywurst zu scharf – überschätzte sich Mross?

Ob Mross sich selbst überschätzte oder ob er – privat vermeidet er scharfes Essen – die Mutprobe nur schnell hinter sich bringen wollte, ist unklar. Fest steht aber, dass der Moderator sofort zur schärfsten Soße griff.

Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nachdem er ein Stück Wurst mit der scharfen Soße herunter geschluckt hatte, begann Mross plötzlich zu würgen, hatte sichtliche Probleme mit dem Atmen und konnte sich nur noch mit beiden Armen an einem Tisch festgeklammert auf den Beinen halten. Alles live zu sehen in der Sonntags-Show der ARD.

 

Notarzt und Krankenhaus wegen Mutprobe

Mit Mühe schleppte sich der Moderator nach Luft schnappend hinter die Bühne, wo er sofort notärztlich behandelt und in ein Krankenhaus gefahren wurde. In der Klinik gaben die Ärzte erst nach Stunden Entwarnung. War zuvor noch vermutet worden, dass die Soße einfach viel zu scharf gewesen war, stellte sich nach den Untersuchungen heraus, dass Mross einen schweren allergischen Schock erlitten hatte. Dieser Schock – so bestätigt ein Sprecher des produzierenden Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) – war durch die warmen Temperaturen im Studio noch begünstigt worden.

„Offenbar war er gegen einen Bestandteil der Soßen allergisch. Dadurch war Stefan Mross nicht mehr in der Lage, weiter durch die Sendung zu moderieren“, erklärte der SWR-Sprecher weiter. Mittlerweile geht es Mross wieder besser.

 

Wieso kann scharfes Essen weh tun?

Schärfe ist kein Geschmack, sondern eine Reizung von Hitze- und Schmerzrezeptoren. Daher löst die Schärfe tatsächlich echte Schmerzen aus. In Chilis und Paprika sind für den Schärfe-Schmerz die Stoffe Capsaicin, Dihydrocapsaicin (DHC) und Nordihydrocapsaicin (NDC) verantwortlich.

Gemessen wird Schärfe seit 1912 übrigens mit der sogenannten Scoville-Skala, die angibt, wie stark ein scharfmachender Stoff mit Wasser verdünnt werden muss, damit der Schärfereiz auf die Rezeptoren ausbleibt. Benötigt man also beispielsweise 100 Milliliter Wasser, um einen Milliliter des Scharfmachers – z.B. Capsaicin – zu neutralisieren, spricht man von einer Schärfe von 100 Scoville. Die Skala ist nach oben offen.

In Deutschland müssen Lebensmittel mit mehr als 30 Scoville als „scharf“ gekennzeichnet sein. Aber die bekannten Tabascosoßen z.B. verfügen in der Regel über 2.500 bis 5.000 Scoville, Habaneroschoten kommen sogar auf bis zu 350.000 Scoville.

 

Künstlicher Schärfewahnsinn

Neben Chilis und Paprika – mit natürlicher Schärfe – gibt es mittlerweile auch extra scharfe Soßen, in denen die Scoville-Werte künstlich hochgetrieben wurden. Der Rekord liegt bei dem Chili-Konzentrat Blair’s 16 Million Reserve, das mit rund 16 Millionen Scoville seit Anfang 2014 als das schärfste freiverkäufliche Lebensmittel gilt.

Die schärfste Chilisoße heißt zurzeit Mad Dog 357 No.9 Plutonium und enthält neun Millionen Scoville. Der Sieger der Anfang August in Berlin ausgetragenen Weltmeisterschaft im Schärfe-Wettessen schaffte es als einziger, die vorgegebene Menge einer Soße mit 7,7 Millionen Scoville zu verspeisen.

 

Was kann mir passieren, wenn ich zu scharf esse?

Extrem scharfe Soßen und Speisen sind durchaus gesundheitsgefährdend. Übertreibt man es mit der Schärfe, kann das zu Bauchschmerzen, Schwächegefühlen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Kreislaufbeschwerden und sogar zu einem Schock führen. Zudem sind Schärfestoffe – wie z.B. Capsaicin – sehr aggressiv.

2010 machte beispielsweise ein Fall Schlagzeilen, bei dem ein Student beinahe durch eine scharfe Soße gestorben wäre. Der seit Jahren scharf essende Mann wurde mit einem Riss in der Speiseröhre in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem sich bei ihm eine Chilisoße im wahrsten Sinne des Wortes durch die Speiseröhre geätzt hatte.  

 

Scharf essen: Wann wird’s gefährlich?

Grundsätzlich gibt es aus medizinischer Sicht keinen konkreten Schärfe-Richtwert, bei dem verlässlich eine Gesundheitsgefährdung vorhergesagt werden kann. Jeder Mensch besitzt seine ganz eigene Empfindlichkeit hinsichtlich dem Schmerzempfinden und der Verträglichkeit von scharfen Stoffen. Hinzu kommt, dass man sich an Schärfe durchaus gewöhnen kann. So gibt es auch keine gesetzlichen Vorgaben dafür, wie scharf z.B. eine Chilisoße sein darf.

Dennoch sind besonders sogenannte Chili-Konzentrate mit großer Vorsicht zu genießen. Manche Produkte sind so scharf, dass selbst die Hersteller mit Hinweisen wie „Lebensgefahr“ oder vor Atembeschwerden und Blasenbildung auf der Zunge warnen. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte auf scharfes Essen verzichten. Und wer trotz aller Gefahren extrascharf essen möchte, sollte sich in der Scoville-Skala langsam nach oben arbeiten.

Achten Sie auch darauf, dass beispielsweise besonders scharfe Chilisoßen nicht in die Hände von Kindern gelangen können. Oft wirken die kleinen, bunten Fläschchen besonders anziehend und verfügen trotzdem über keinen kindergesicherten Verschluss. Bekommt ein Kind – oder auch ein Erwachsener – Chillisoße ins Auge, kann dies zu schweren Verätzungen führen. Spülen Sie das Auge nicht mit Wasser aus, sondern betupfen Sie es und die Haut um das Auge mit Milch, Sahne oder Joghurt. Suchen Sie – gerade mit Kindern – nach einem solchen "Unfall" unbedingt einen Augenarzt auf, da die Gefahr einer Netzhautverletzung besteht.

 

Was kann man tun, wenn es zu scharf ist?

Der beste Weg, um einen Schärfeschmerz im Mund zu bekämpfen ist das Essen von Käse, Joghurt oder das Trinken von Milch. Diese Lebensmittel enthalten Fett, die die scharfmachenden Stoffe lösen und so das Schärfegefühl lindern. Ebenso kann es helfen, trockenes Brot zu essen. Dabei wird der Speichel im Mund – und damit ein Großteil der Scharfstoffe – gebunden und kann verschluckt werden, ohne weitere Schmerzrezeptoren zu reizen.

Hamburg, 11. August 2014

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