Stecken Frauen ihre Männer mit Stress an?

Eine Familie zieht um und ist im Stress
Der Stress der Ehepartnerin lässt den Blutdruck von Männern steigen – darauf weist eine aktuelle US-Studie hin © Shutterstock

Wenn eine Frau gestresst ist, kann das bei ihrem Ehemann den Blutdruck in die Höhe treiben, behaupten US-Forscher. Praxisvita erklärt die Studie und deckt ihre Schwachstellen auf.

Wie kann der Stress meines Ehepartners meinen Blutdruck beeinflussen? Das untersuchten Wissenschaftler der University of Michigan in ihrer aktuellen Studie.

An der Untersuchung nahmen rund 1.350 Paare teil, die meisten von ihnen verheiratet. Im Durchschnitt waren die Frauen 63, die Männer 66 Jahre alt. Die Forscher befragten sie zu ihrem Stresslevel im Alltag und zu ihrer Zufriedenheit mit ihrer Beziehung. Außerdem ermittelten sie ihre Blutdruckwerte. Vier Jahre später wurden diese Daten erneut erfasst.

Gut ein Drittel der Männer und ein knappes Drittel der Frauen hatten zu beiden Zeitpunkten Bluthochdruck. Im Laufe der vier Jahre stieg bei beiden Geschlechtern der Blutdruck im Schnitt deutlich an.

Als häufigste Stressauslöser wurden gesundheitliche Probleme eines Ehepartners oder Kindes, finanzielle Schwierigkeiten und die Pflege einer kranken oder behinderten Person genannt.

 

So beeinflusst der Stress des Ehepartners den Blutdruck

Im Hinblick auf die Verbindung zwischen Blutdruck und Stresslevel des Ehepartners ließ sich Folgendes feststellen: Männer hatten im Schnitt einen höheren Blutdruck, wenn ihre Frauen von einem hohen Stresslevel berichteten. Litten die Männer selbst an Stress, konnte ihr Blutdruck dadurch gesenkt werden, dass ihre Frauen weniger Stress empfanden.

Anders fiel das Ergebnis bei Frauen aus: Waren sie großem Stress ausgesetzt, wirkte es für sie blutdrucksenkend, wenn ihre Männer ebenfalls gestresst waren. Die Studienleiter schlossen daraus, dass für Männer der Stress ihrer Frauen belastender ist als umgekehrt.

 

Schadet eine schlechte Beziehung der Gesundheit?

Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Qualität der Beziehung und Blutdruck ergab sich folgendes Bild: Wenn ein Partner sich mit der Beziehung unzufrieden zeigte, war sein Blutdruck nur dann erhöht, wenn der andere Partner sich in der Beziehung ebenfalls unwohl fühlte. Ein zufriedener Partner wirkte sich blutdrucksenkend aus – auch, wenn der Betroffene selbst die Beziehung als negativ bewertete.

Die Forscher zogen aus ihrer Studie folgende Erkenntnisse: Stress eines Ehepartners und Beziehungsqualität beeinflussen die Herzgesundheit und eine positiv empfundene Beziehung kann den negativen Einfluss von Stress relativieren.

 

Schwachpunkte der Studie

Kritische Stimmen aus Fachkreisen weisen auf einige Schwachpunkte in der Ausführung der Studie hin – so wird bemängelt, dass die Messung des Blutdrucks nur an zwei isolierten Zeitpunkten stattfand und dadurch keine klaren Rückschlüsse auf die Ursache eines möglichen Blutdruckanstiegs erlaube. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Fragen zu Stresslevel und Beziehungsqualität seien zu allgemein gehalten und nicht ausführlich genug, um ein akkurates Bild über diese beiden Punkte zu erlangen. Das Fazit der Kritiker lautet darum: Obwohl die Studie interessante Ansätze für weitere Untersuchungen liefert, reichen ihre Ergebnisse nicht als Rechtfertigung aus, den Ehepartner für den eigenen Bluthochdruck verantwortlich zu machen.

Hamburg, 16. Juni 2015

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