Stealthing: Was Betroffene tun sollten

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Stealthing ist ein gefährlicher Sextrend
Stealthing“ ist ein gefährlicher Sex-Trend, bei dem das Kondom ohne Wissen der Frau während des Geschlechtsverkehrs entfernt wird © Istock

Zum ersten Mal wurde ein Mann wegen sogenannten Stealthings verurteilt. Was hinter dem gefährlichen Sex-Trend steckt und wie betroffene Frauen am besten reagieren sollten, erfahren Sie hier.

Es ist ein richtungsweisendes Urteil: In der Schweiz wurde zum ersten Mal ein Mann für zwölf Monate auf Bewährung verurteilt, weil er beim einvernehmlichen Sex mit einer Frau ohne deren Wissen das Kondom abgezogen hatte. Durch den als „Stealthing“ bekannten Sex-Trend kann es nicht nur zu einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch zu einer Übertragung von HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien und Feigwarzen kommen.

 

Präzedenzfall in der Schweiz

Bei dem aktuellen Fall hatten sich ein Mann und eine Frau über die Dating-App Tinder kennengelernt. Bei zweiten Treffen kam es zum einvernehmlichen Sex, wobei die Frau auf einem Kondom bestand. Kurz vor dem Orgasmus wollte der Mann den Geschlechtsverkehr ungeschützt fortführen, was die Frau aber ablehnte – daraufhin zog der Mann das Kondom unbemerkt ab. Nachdem seine Sex-Partnerin dies bemerkt hatte, zeigte sie ihn an. Sie fürchtete eine mögliche Schwangerschaft sowie eine HIV-Ansteckung. Da der Mann sich weigerte, einen HIV-Test zu absolvieren, unterzog sich die Klägerin einer präventiven Behandlung und litt dabei unter starken Nebenwirkungen.

In erster Instanz war der Mann wegen Vergewaltigung verurteilt worden, da er den Willen seiner Partnerin wissentlich umgangen hatte. Das Waadtländer Kantonsgericht bestätigte das Urteil nun – allerdings mit dem Tatbestand der Schändung, den es im deutschen Strafrecht nicht gibt. Der Tatbestand gilt in der Schweiz als erfüllt, wenn der Täter an einer nicht urteils- oder widerstandsfähigen Person sexuelle Handlungen vornimmt, obwohl er von deren Zustand Kenntnis hat. Der Angeklagte plädierte auf „nicht schuldig“ – er habe das Kondom nicht absichtlich entfernt. Seine Erklärungen für den Vorfall fand das Gericht jedoch nicht glaubhaft.

 

Stealthing – was tun?

Betroffene Frauen sollten umgehend einen Arzt aufsuchen und sich beraten lassen. Es ist nicht ratsam, ohne ärztliche Absprache Medikamente oder Ähnliches einzunehmen, wenn es gar keine gesicherte Diagnose für eventuell übertragene Geschlechtskrankheiten gibt. In der Regel wird der Arzt die Pille danach verschreiben und verschiedene Untersuchungen vornehmen, um Krankheiten auszuschließen. Chlamydien lassen sich beispielsweise anhand eines Urin- oder Bluttests diagnostizieren, bei Verdacht auf Feigwarzen kann unter anderem eine sogenannte Scheidenspiegelung vorgenommen werden.

 

Der HIV-Test

Der HIV-Test kann bei sogenannten Checkpoints und bei Gesundheitsämtern durchgeführt werden. Die Tests sind immer anonym, es gibt zwei verschiedene Versionen: Bei einer in der Regel kostenlosen Variante dauert es einige Tage, bis das Ergebnis vorliegt, bei HIV-Schnelltests gibt es das Ergebnis bereits nach 30 Minuten.  Diese sind dafür allerdings kostenpflichtig. Die Tests überprüfen den Spiegel von HIV-Antikörpern im Blut. Sind keine nachweisbar, gilt man als HIV-negativ. Bei einem positiven Ergebnis folgt ein zweiter, spezifischerer Test, um die Diagnose zu sichern.

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