Ständiges Völlegefühl – so kommt der Bauch zur Ruhe

Gegen Völlgefühl hilft Heilerde
Heilerde kann ein ständiges Völlegefühl lindern, weil sie Flüssigkeit und Säure bindet und so den Magen beruhigt © Fotolia

Nicht richtig krank, aber auch nicht ganz gesund: 12 Millionen Menschen klagen über Dauer-Bauchweh und ein ständiges Völlegefühl. Praxisvita hat vielfältige Tipps, wie man den unangenehmen Zustand des Völlegefühls verhindern kann!

Reizdarm ist tückisch. Mal reagiert er mit Verstopfung, mal mit Durchfall, dann treten Blähungen auf, ständiges Völlegefühl oder Bauchkrämpfe. Nicht permanent, aber immer wieder. Ohne erkennbaren Anlass. Deshalb dauert es oft sehr lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird, und viele Betroffene gelten als Hypochonder, weil sich partout keine organischen Ursachen finden lassen. Nach vielen langwierigen Untersuchungen steht meist nur eines fest: Chronische Darmentzündungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, Infektionen oder gar Krebs können ausgeschlossen werden.

 

Ständiges Völlegefühl als Symptom des Reizdarms

Mit Yoga & Co. gegen ständiges Völlegefühl

Wie bei vielen Schmerzerkrankungen können auch bei Reizdarm Entspannungsübungen für mehr Wohlbefinden und deutliche Besserung sorgen. Techniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga helfen, Stress besser zu bewältigen und den Darm zu beruhigen. Sorgen Sie auch bei den Mahlzeiten für Ruhe: langsam und nicht im Stehen essen, lieber auf einer Parkbank als in der lauten Kantine, nicht vor dem Fernseher. Zudem tut Sport dem Bauch gut: Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking harmonisieren die Darmmuskulatur, was Krämpfe lindert und ganz natürlich Verstopfungen und Blähungen löst. Wichtig: keine Höchstleistungen, sondern ruhiges Training.

Bei der Suche nach den Auslösern für Reizdarm gibt es bislang nur Vermutungen. Womöglich ist eine Störung des enterischen Nervensystems (umgangssprachlich auch „Bauchhirn“ genannt) dafür verantwortlich. Es enthält ähnlich viele Nervenzellen wie das Rückenmark und ist hauptsächlich für die Koordination von Darmbewegungen und Verdauung zuständig. Daneben ist das Bauchhirn auch an der Schmerzwahrnehmung beteiligt. Studien haben gezeigt, dass bei Reizdarm-Patienten die Darmschleimhaut besonders empfindlich reagiert und schon die ganz normale Verdauungstätigkeit Schmerzen bereitet. Wahrscheinlich ist auch der Botenstoff Serotonin, der im Gehirn bei Depressionen eine Rolle spielt, im Bauchhirn aktiv.

 

Ständiges Vollegefühl: Nicht immer ist die Lebens- und Ernährungsweise schuld

Auf ungesunde Lebens- und Ernährungsweise – etwa zu wenig Ballaststoffe oder zu viel Fett und Zucker – können die Beschwerden wie ein ständiges Völlegefühl oder Bauchkrämpfe meist nicht zurückgeführt werden. Im Gegenteil: Reizdarm-Patienten achten meistens äußerst bewusst auf ihre Ernährung, meiden Fleisch, blähende Gerichte, Kaffee und andere Genussmittel  ohne dass eine Besserung eintritt. Studien zeigen auch, dass Pilze oder Bakterien im Darm nicht als Auslöser in Betracht kommen.

Flohsamen gegen Darmträgheit
Wenn Darmträgheit oder Verstopfung vorherrschen, können Ballaststoffe wie zum Beispiel Flohsamen oder Leinsamen helfen© Fotolia
 

Flohsamen gegen Darmträgheit

Die Therapie des Reizdarms gestaltet sich meist schwierig, weil die Krankheit so viele Symptome hat, die manchmal einzeln, manchmal gehäuft und manchmal gar nicht auftreten. Ein Heilmittel, das sowohl gegen Durchfall als auch gegen ständiges Völlegefühl hilft? Gibt es leider nicht. Bislang können nur einzelne Beschwerden gelindert werden: Gegen Bauchschmerzen werden krampflösende Wirkstoffe wie beispielsweise Butylscopolamin, Mebeverin oder Trospiumchlorid verordnet. Auch Präparate mit dem Wirkstoff Scopolamin, der aus der australischen Duboisia-Pflanze gewonnen wird (aus der Apotheke), hat sich bei Reizdarm bewährt. Wenn Darmträgheit oder Verstopfung vorherrschen, können Ballaststoffe wie zum Beispiel Flohsamen oder Leinsamen helfen.

 

Heilerde hat sich gegen ständiges Völlegefühl bewährt

Naturheilmittel sind für viele Reizdarm-Patienten eine echte Alternative, um den Darm sanft zu regulieren. Studien belegen für Pfefferminzöl eine ausgleichende Wirkung bei Schmerzen, unregelmäßigem Stuhlgang, Krämpfen, Blähungen und einem ständigen Völlegefühl. Das Öl muss aber im unteren Darmabschnitt wirken, so dass auf magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln zurückgegriffen werden sollte. Die klassischen „Magen-Darm-Kräuter“ wie Kamille, Kümmel, Anis und Fenchel lindern ebenfalls Krämpfe und harmonisieren die Verdauung, unabhängig davon, ob Durchfall oder Verstopfungen vorherrschen. Bei vielen Patienten können auch pflanzliche Bitterstoffe, etwa aus Enzian, Artischocke oder Mariendistel, helfen, die die Fettverdauung unterstützen.

Yoga gegen Völlegefühl
Techniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga helfen, Stress besser zu bewältigen, den Darm zu beruhigen und ein ständiges Völlegefühl zu lindern© Fotolia

Eine Untersuchung an der Berliner Charité mit 64 Reizdarm-Patienten bescheinigt auch dem traditionellen Hausmittel Heilerde eine gute Wirkung: Der feine Löss (rezeptfrei, Apotheke und Drogerie) bindet überschüssige Flüssigkeit und Säure. Bei den Test-Personen besserten sich die Beschwerden nach sechswöchiger Einnahme deutlich.

 

Antidepressiva regulieren den Reizdarm

In den USA setzten Ärzte eine Zeit lang große Hoffnung in Reizdarm-Medikamente, die gezielt in den Hormonstoffwechsel eingreifen. Die Präparate wurden jedoch wegen erheblicher Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen und waren in Deutschland gar nicht erst zugelassen worden. Weil Stress und psychische Probleme die Beschwerden häufig verschlimmern, verschreiben Ärzte manchmal auch niedrig dosierte Antidepressiva, die auf die Botenstoffe des Darmnervensystems wirken und so den Reizdarm regulieren sollen.

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