Ständiges Jucken: Wann ist es ein Warnsignal?

Redaktion PraxisVITA
Jucken
Ständiges Jucken kann ein Warnsignal für verschiedene Hauterkrankungen sein © iStock

Die Haut ist unser größtes Organ und ein Wunderwerk: Sie schützt uns vor äußeren Einflüssen – und ist ein Spiegelbild der Gesundheit. Was sie uns mit dem lästigen Jucken sagen möchte.

Das unangenehme Jucken kennt wohl jeder. Oft wird es durch Allergien, Insektenbisse oder Hautkrankheiten verursacht. Gerade im Sommer kann die Haut durch die Sonne oder bei starker Hitze schnell sehr trocken werden und mit Juckreiz reagieren. Der Grund: Sie schafft es dann nicht mehr, die Feuchtigkeit zu regulieren. Hier helfen meist bereits einfache Maßnahmen, wie zum Beispiel pro Tag zwei Liter Wasser zu trinken oder ein zehnminütiges Bad mit medizinischem Öl (in Apotheken erhältlich). Doch hält das Jucken dauerhaft an, kann dahinter auch eine Krankheit stecken.

Hält ein Juckreiz dauerhaft an, kann dahinter eine Krankheit stecken
Hält ein Juckreiz dauerhaft an, kann dahinter eine Krankheit stecken © Alamy
 

Wenn die Haut verrückt spielt

Ein Zuviel an Schilddrüsenhormonen beschleunigt zahlreiche Vorgänge im Körper. Unter anderem verändert sich auch die Haut. Sie ist wärmer, schneller gereizt – und juckt. Zu den weiteren Anzeichen zählen Gewichtsverlust, Nervosität, Schwitzen und erhöhter Puls. Und auch bei Jucken, das hauptsächlich im Gesicht oder am Rücken auftritt, spielen Hormone eine Rolle: Denn bei Nierenerkrankung werden verstärkt Parathormone und Histamine produziert, die das Kribbeln auslösen. Anders verhält es sich z. B. bei einem Leberleiden. Ist der Gallenfluss gestört, tritt die Gallensäure in das Blut über. So gelangt sie unter anderem in die Haut, wo sie das Jucken entstehen lässt. Merkmal: Es kribbelt nicht nur an einzelnen Stellen, sondern am ganzen Körper. Dass ein Eisenmangel hinter den Beschwerden steckt, liegt nahe, wenn der Juckreiz von eingerissenen Mundwinkeln, spröden Haaren oder brüchigen Nägeln begleitet wird. Bei Diabetikern treten oft Beschwerden auf, weil durch den gestörten Zuckerstoffwechsel die Hautdurchblutung beeinträchtigt wird: Sie trocknet sehr schnell aus und juckt – oftmals spürbar an den empfindlichen Schleimhäuten im Intimbereich.

Wenn der Hund unter Juckreiz leidet

Tierfreunde kennen und fürchten das Geräusch, wenn ihr Hund sich unaufhörlich kratzt und dabei mit der Pfote stakkatohaft auf den Boden klopft. Viele befürchten dann, dass das Haustier schon wieder Flöhe, Zecken oder anderes lästiges Ungeziefer hat. Aber akuter oder auch saisonaler Juckreiz bei Hunden kann noch ganz andere Ursachen haben. Um die herauszufinden, hilft meist nur ein Besuch beim Tierarzt.

Eine frühzeitige Behandlung von Juckreiz bei Hunden ist wichtig, um Folgeerkrankungen, wie z.B. Hautinfektionen, zu verhindern. Daher behandelt der Tierarzt oftmals immer erst mit einem schnellwirksamen aber kortisonfreien Mittel (z.B. Apoquel). Diese Mittel haben den Vorteil, dass der Juckreiz zwar gehemmt wird, eine genaue Diagnose aber noch immer möglich ist.

 

Ist eine Allergie der Auslöser beim Jucken?

Bei Unverträglichkeit gegenüber Gluten (z. B. im Weizenmehl) kann das Jucken auch ohne Symptome einer Darmerkrankung auftreten. Zusätzliche Anzeichen sind rote Pusteln oder Blasen, die oft symmetrisch verteilt sind. Aber auch Medikamente kommen als Auslöser infrage: Häufige Nebenwirkung von Antibiotika ist eine Allergie auf den jeweiligen Wirkstoff. Einige Tage nach der Einnahme folgt die allergische Reaktion in Form von Ausschlägen und Juckreiz. Sie beginnt zunächst an Armen oder Beinen und dehnt sich dann über den gesamten Körper aus.

 

Spezial-Ambulanzen für chronische Fälle

Für schwierige Fälle gibt es seit Neuestem sogar Juckreiz-Ambulanzen in Münster, Düsseldorf, Berlin, Heidelberg und München, in denen spezialisierte Dermatologen gemeinsam mit Internisten arbeiten. Von chronischem Juckreiz sprechen Experten übrigens ab einer Dauer von sechs Wochen.

 

Was gegen die Beschwerden wirklich hilft

Häufig wird das Kribbeln durch Neurodermitis ausgelöst. Im Akutfall lindern Cremes mit Hydrokortisondas Jucken. Das Hormon mindert die Beschwerden, wirkt entzündungshemmend und beschleunigt den Heilungsprozess. Auch eine Lichtimpfung hilft. Dabei schaltet blaues Licht die entzündeten Zellen aus, die Auslöser der Schübe sind. Dafür wird der Körper für je 45 Minuten für 4–5 Tage mit Blaulicht bestrahlt. Ein Behandlungszyklus kostet ca. 1000 Euro (Kassen zahlen auf Antrag).

Im Video erfahren Sie außerdem alles zur Hautkrankheit Neurodermitis:

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