Sprachentwicklungsstörung: Spricht mein Kind normal?

Redaktion PraxisVITA

Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) kann sich auf mehrere sprachliche Ebenen gleichzeitig auswirken: Das Sprachverständnis, der Wortschatz, der Lauterwerb sowie die Wort- und Satzbildung können gestört sein. An verschiedenen Anzeichen können Eltern rechtzeitig erkennen, ob ihr Kind eine Sprachstörung entwickelt.

Eine Mutter erklärt ihrem Kleinkind etwas
Sprachentwicklungsstörungen treten zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr auf Foto:  istock_kieferpix
Inhalt
  1. Sprachentwicklungsstörung: Was ist das und wie entsteht sie?
  2. Ursachen einer Sprachentwicklungsstörung
  3. Was sind typische Anzeichen einer Sprachentwicklungsstörung?
  4. Logopädie zur Behandlung einer Sprachentwicklungsstörung

Sprachentwicklungsstörungen sind keine Seltenheit – Schätzungen zufolge sind sieben bis acht Prozent der Kinder im Vorschulalter davon betroffen. Etwa zwischen dem zweiten und dem dritten Lebensjahr findet die Hochphase der verbalen Entwicklung statt. In dieser Zeit kann sich eine Sprachentwicklungsstörung bereits deutlich zeigen. Diese Anzeichen sollten Eltern hellhörig machen.

 

Sprachentwicklungsstörung: Was ist das und wie entsteht sie?

Wenn Kinder die Meilensteine der Sprachentwicklung verfehlen und die der Altersgruppe entsprechenden Sprachfähigkeiten um sechs Monate verzögert sind, sprechen Mediziner von einer Sprachentwicklungsstörung. Sie tritt zu Beginn oder mitten in der sprachsensiblen Phase, zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr auf. Man geht davon aus, dass Jungen und Kinder bildungsferner Schichten häufiger von Sprachstörungen betroffen sind.

 

Ursachen einer Sprachentwicklungsstörung

Die Ursachen einer Sprachentwicklungsstörung sind vielfältig. In einigen Fällen sind sie genetisch bedingt und treten dann oftmals gehäuft in Familien auf. Aber auch körperliche Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Nervenschädigungen, eine eingeschränkte Gesichtsmotorik oder chronische Mittelohrentzündungen im sprachsensiblen Alter können den normalen Spracherwerb beeinträchtigen.

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Außerdamm kann das soziale Umfeld einen negativen Einfluss auf die normale Sprachentwicklung ausüben: So können Vernachlässigung und eine geringe sprachliche Anregung des Kindes durch die Eltern eine Sprachentwicklungsstörung zur Folge haben. Es ist aber ebenso möglich, dass die Sprachstörung keine erkennbaren neurologischen, motorischen oder psychosozialen Ursachen hat. Dann handelt es sich um eine sogenannte umschriebene Sprachentwicklungsstörung (USES).

 

Was sind typische Anzeichen einer Sprachentwicklungsstörung?

Kinder, die von einer Sprachentwicklungsstörung betroffen sind, fangen deutlich später als Gleichaltrige mit dem Sprechen an. Sie sprechen ihre ersten Wörter erst mit zwei Jahren und beginnen erst mit etwa drei Jahren, Zweiwortsätze zu bilden. Bei ihnen dauert der Spracherwerb insgesamt länger, der Wortschatz ist kleiner: Sie können deutlich unter 50 Wörter aktiv anwenden.

Die Anzeichen einer Sprachentwicklungsstörung im Überblick:

  • Später Sprachbeginn
  • Aussprachestörung (Dyslalien): Entweder misslingt die Bildung bestimmter Sprachlaute oder das Kind kann die Laute im sprachlichen Kontext nicht richtig anwenden („Tanne“ statt „Kanne“)
  • Störungen der Wortschatzbildung
  • Falsche Anwendung der Grammatik (Plural- und Satzbildung und Artikelverwendung)
  • Wortfindungsstörung
  • Gestörtes Sprachverständnis
  • Schwierigkeiten beim Nacherzählen von erlebten Situationen
  • Geringer Wortschatz

Die Anzeichen können einzeln oder gemeinsam auftreten. In manchen Fällen zeigen Kinder mit einer SES zusätzlich Probleme in der Grob- und Feinmotorik oder andere Beeinträchtigungen wie Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstörungen.

 

Logopädie zur Behandlung einer Sprachentwicklungsstörung

Wenn Ärzte eine Sprachentwicklungsstörung feststellen, müssen sie mögliche Ursachen, wie zum Beispiel eine Seh- oder Hörstörung, eine verringerte Intelligenz oder Nervenschäden sowie eine mögliche geistige Behinderung ausschließen.

Im zweiten Schritt erfolgt die Behandlung einer Sprachentwicklungsstörung in der Regel durch einen Logopäden. Die Therapeuten behandeln Kinder entweder direkt durch angeleitete Übungen oder indirekt, während sie mit dem Kind spielen. Die indirekte Sprachtherapie findet vor allem dann statt, wenn sich die Kinder zum Beispiel aufgrund ihres Alters ihrer Sprachstörung nicht bewusst sind. Bei älteren Kindern schulen bestimmte Übungen die Aussprache, das Sprachverständnis oder die Kommunikationsfähigkeiten.

Wenn ein Kind zusätzlich zur Sprachentwicklungsstörung eine Beeinträchtigung zeigt, kommen weitere Therapieoptionen zum Einsatz, beispielsweise Ergotherapie bei einer Aufmerksamkeitsstörung oder eine Psychotherapie bei einer Verhaltensstörung.

Quellen:

  • De Langen-Müller, U. et al. (2012): Diagnostik von (umschriebenen) Sprachentwicklungsstörungen. Sprachentwicklung – Verlauf, Störung, Intervention. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main
  • Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern, in: Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie
  • Sprachentwicklungsstörngen, in: Deutscher Bundesverband für Logopädie
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