Sportsucht: Wenn Bewegung zum Problem wird

Redaktion PraxisVITA

Der Begriff Sportsucht klingt für viele zunächst etwas paradox – schließlich gilt Sport als gesund. Dennoch kann sogar Bewegung zur Sucht und zur schweren Belastung für Körper und Psyche werden.

Muskulöser Mann macht Liegestützen.
Sport kann zur Sucht werden - mit schweren gesundheitlichen Folgen Foto:  istock/RidoFranz
Inhalt
  1. Was ist Sportsucht?
  2. Symptome von Sportsucht
  3. Parallelen zu anderen Süchten
  4. Folgen von Sportsucht
  5. Ursachen für Sportsucht
  6. Studie zum Thema Sportsucht
  7. Therapeutische Maßnahmen
 

Was ist Sportsucht?

Sport ist, neben einer abwechslungsreichen Ernährung, ein wesentlicher Faktor für unsere Gesundheit – da mag das Wort Sportsucht für viele anfangs etwas ungewöhnlich klingen. Dabei ist der Begriff nicht neu. Erwähnt wurde er erstmals von Frederick Beakeland im Jahr 1970. Seit den 1990er-Jahren beschäftigt sich auch die deutsche Sportforschung mit diesem Phänomen. Die Sportsucht wird als substanzunabhängige Sucht qualifiziert und ist damit neben Suchterkrankungen wie Spielsucht einzureihen. Allerdings ist eine ausgeprägte Suchterkrankung beim Sport im Vergleich zu Spielsucht, Kaufsucht und anderen substanzgebundenen Süchten eher selten. Auch muss man zwischen der gängigen Verwendung und dem tatsächlichen pathologischen Phänomen unterscheiden: Wenn jemand gerne Sport für sein Wohlbefinden betreibt und sich aufgrund dessen als “sportsüchtig“ bezeichnet, liegt meist kein bedenkliches Suchtverhalten zugrunde.

 

Symptome von Sportsucht

Bei Sportsüchtigen hat der Sport etwas Zwanghaftes. Der Süchtige betreibt ihn nicht mehr aus gesundheitlichen Motivationsgründen oder weil es ihm positive Gefühle gibt, sondern aus einem negativen Gefühl heraus. Es gilt für den Süchtigen, den Sport quasi abzuarbeiten. Sportsucht geht mit körperlichen und psychischen Entzugssymptomen einher. Wenn der Betroffene einmal nicht die Möglichkeit hat, die Sportart seiner Wahl auszuführen, wird er unruhig, reagiert gereizt – und kann Schuldgefühle oder auch eine Depression entwickeln. Die Entzugserscheinungen können sich auch in Magen-Darm-Problemen oder in Schlaflosigkeit äußern.

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Parallelen zu anderen Süchten

Es gibt bei der Sportsucht etliche Parallelen zu anderen Süchten – bis hin zur Drogensucht. Der Süchtige stellt den Sport über alles, vernachlässigt soziale Kontakte. Möglicherweise leidet auch sein Berufsleben. Hinzu kommt die körperliche Komponente: Sportsüchtige trainieren zwanghaft, auch wenn ihr Körper eigentlich eine Ruhepause verlangen würde. Körperliche Symptome und Abnutzungs- beziehungsweise Ermüdungserscheinungen werden ignoriert. Trotz Schmerzen und Verletzungen macht der Süchtige einfach weiter. Ebenfalls eine Parallele zu anderen Suchterkrankungen ist die für den Süchtigen notwendige Steigerung der Reize. Der Betroffene erhöht das Trainingspensum und die Intensität des Sports ständig, um weiterhin einen Kick zu fühlen. Der Sport kontrolliert mehr und mehr das Leben des Süchtigen.

 

Folgen von Sportsucht

Sportsucht kann gravierende gesundheitliche Folgen mit sich bringen. So kann der Bewegungsapparat durch ständige Überlastung der Muskeln, Gelenke, Knochen, aber auch Sehnen und Bänder massiv geschädigt werden. Auch eine Mangel- oder eine Unterernährung kann die Folge einer Sportsucht sein. Eine dauerhafte Übertreibung sportlicher Aktivität kann sich auch schwer auf das Herz-Kreislauf-System auswirken – die Folgen können vom Kreislaufkollaps bis zum Herzstillstand reichen. Bei Frauen kann eine Sportsucht auch zu Hormonstörungen führen – beispielsweise zum Ausbleiben der Periode.

 

Ursachen für Sportsucht

Die Sportsucht kann ihre Ursache in einer ganzen Palette von sportunabhängigen Faktoren haben. So kompensiert der Süchtige unter Umständen ein mangelndes Selbstwertgefühl oder begeht eine Art von Realitätsflucht. Die Sucht kommt längst nicht nur bei Profisportlern vor, sondern ist auch bei Amateursportlern eine Gefahr.

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Studie zum Thema Sportsucht

Wie viele Menschen in Deutschland an Sportsucht leiden, lässt sich schwer eruieren, da man gemeinhin von einer großen Dunkelziffer ausgeht. So soll rund ein Prozent aller Hobbysportler sportsüchtig sein. Eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg im Jahr 2013 beschäftigte sich mit diesem Thema und befragte über tausend Hobbysportler. Die Testpersonen waren allesamt dem Ausdauersport zugeneigt – Laufen, Radfahren und Triathlon. Dabei wurden die Teilnehmer beispielsweise gefragt, ob sie gereizt seien, wenn ihre Trainingseinheit ausfällt. Das Ergebnis der Studie: 4,5 Prozent der Ausdauersportler sind gefährdet. “Manche Athleten werden überehrgeizig, sie ordnen dem Training alles unter und können süchtig werden“, zitiert “Spiegel.de“ den Sportpsychologen und Leiter der Studie, Heiko Ziemainz. Er berichtet von einem Extrembeispiel eines Sportsüchtigen, der gegen den Rat seines Arztes extrem weiter trainierte: “Er hat so lange trainiert, bis sich die Haut an seiner Ferse auflöste und der blanke Knochen zum Vorschein kam.”

 

Therapeutische Maßnahmen

Bei einer Sportsucht können auch oft andere Süchte wie Magersucht und Bulimie, aber auch Depressionen oder Angststörungen koexistieren. Umso wichtiger ist eine Behandlung. Wie diese genau gestaltet sein sollte, hängt von den spezifischen zugrunde liegenden Symptomen ab. Ein Gespräch mit einem Psychologen, einem Sporttherapeuten oder einem Allgemeinmediziner ist wichtig. Unter Umständen ist eine Psychotherapie sinnvoll.

Fazit

Sport sollte für Amateursportler etwas Gesundes sein, das einem ein Gefühl von Ausgeglichenheit oder Zufriedenheit sowie Erfolgserlebnisse gibt. Bei einer Sportsucht schlägt all das allerdings ins Gegenteil um: Der Sport verliert den körperlich und psychisch gesunden Aspekt, wird zum Zwang und beginnt, das Leben des Süchtigen zu kontrollieren. Die Sportsucht weist etliche Parallelen zu anderen Süchten auf und geht mit einem erheblichen körperlichen Risiko einher. Betroffene sollten sich unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.

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Quellen

Sportsucht als Verhaltenssucht, in: sportaerztezeitung.de

„Sportsucht“: Symptome & Folgen, in: gesundheit.gv.at

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