Herz & Kreislauf

Sport nach Corona: Wann, und was ist zu beachten?

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Ist Sport nach COVID-19 eine gute Idee? Je länger die Pandemie andauert, umso mehr Menschen haben die Corona-Infektion überstanden. Aber was kommt danach? Welche Folgen kann es haben, wenn direkt nach einer COVID-19 Erkrankung der Sport wieder aufgenommen wird? Ab wann darf man wieder Sport machen, was ist zu beachten? Die Antworten!

Inhalt
  1. Wie gesund ist man nach einer COVID-19 Infektion?
  2. So lange mit dem Sport aussetzen
  3. Komplikationen nach COVID-19 durch Sport
  4. Was sollte ein sportmedizinischer Check nach COVID-19 beinhalten?

Seit Monaten bestimmt das SARS CoV-2 Virus, also die Infektion mit COVID-19, massiv unser Leben. In Deutschland haben bereits rund 1,8 Millionen Menschen die Infektion überstanden, über 2 Millionen sind infiziert. Viele fragen sich, ob sie nach einer durchgemachten Corona-Erkrankung ihr normales Leben wieder aufnehmen können. Ist man nach der Infektion wieder vollständig gesund und wann darf man den Organismus wieder mit Sport belasten? Freizeit- und Hochleistungssportler sollten es nach einer Corona-Infektion langsam angehen lassen. Denn das Virus befällt einige Organsysteme, darunter das Gefäßsystem, das Herz, die Lunge und die Nieren. Wer schon einmal eine Grippe überstanden hat, weiß, dass Sport kurz danach vor allem den Herzmuskel dauerhaft schädigen kann. 

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Wie gesund ist man nach einer COVID-19 Infektion?

Die Erkrankung ist wie ein Chamäleon, sie zeigt sich ganz unterschiedlich bei jedem Menschen. Die einen zeigen nur geringe Erkältungssymptome wie Halskratzen und leichten Husten, die anderen sind wochenlang mit schweren Symptomen im Bett und kommen anschließend monatelang nicht auf die Beine. Viele ältere Patienten und Menschen mit schweren Vorerkrankungen sterben daran.

Betroffene mit leichteren Verläufen, die sich zu Hause auskurieren, sind nach ungefähr 14 Tagen wieder genesen. Bei schwereren Verläufen dauert es länger, bis man wieder fit ist. Die Beurteilung des Gesundheitszustandes sollte der behandelnde Arzt vornehmen. Gibt dieser grünes Licht, können alltägliche Gewohnheiten wieder aufgenommen werden. Wie gesund man nach der COVID-Infektion ist, kann man selbst am besten spüren. Sind Sie außer Atem beim Treppensteigen? Geraten Sie leicht ins Schwitzen, auch wenn Sie sich kaum bewegen? Fühlen Sie sich immer noch schlapp und müde? Dann sollten Sie die Finger vom Sport lassen und sich die Zeit gönnen, Ihren Organismus in Ruhe wieder ins Laufen zu bringen. 

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So lange mit dem Sport aussetzen

Wer keine Symptome nach einem positiven COVID-19-Test entwickelt hat, sollte mindestens für die Dauer der Quarantäne eine Sportpause einlegen. Leichte Erkältungssymptome während der Infektion sollten vollständig auskuriert werden. Erst danach kann die Sportroutine wieder aufgenommen werden. Wenn die Corona-Infektion ihren Schwerpunkt weiter unten im Atemtrakt hat, wenn also Husten oder eine Bronchitis auftreten, sollte die Sportpause ca. 10-14 Tage betragen. Wird die Erkrankung durch Fieber begleitet, muss dieses vollständig abklingen. Danach sollte 14 Tage abgewartet werden, bis wieder mit dem Sport begonnen wird. Bei schwereren Verläufen mit einer Lungenentzündung oder anderen Organbeteiligungen kann es sogar bis zu drei Monate dauern, bis die Sportpause beendet werden kann. Die Entscheidung darüber, wann es wieder mit leichtem Training losgeht, sollten Mediziner treffen.

 

Komplikationen nach COVID-19 durch Sport

Um gefährliche Komplikationen nach einer Corona-Erkrankung zu vermeiden, sollten Freizeit- und Leistungssportler eine ausreichende Sportpause einlegen und vor dem Wiedereinstieg ins Training ihren Gesundheitsstatus und ihre körperliche Belastbarkeit untersuchen lassen. Bei einer Sporttauglichkeitsuntersuchung wird zum Beispiel ein EKG des Herzens durchgeführt um festzustellen, ob die Infektion den Herzmuskel angegriffen hat. 

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Diese Komplikationen können auftreten, wenn der Sport nach COVID zu früh begonnen wird:

  • Herzrhythmusstörungen (Arrythmie, Tachykardie)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Lungenvernarbungen (Fibrosen)
  • Gefäßverschlüsse (Thrombosen, Embolien) 

COVID-19 greift nach den bisherigen Erkenntnissen häufig das Herz-Kreislauf-System an. Auch bei einem weitgehend symptomfreien Verlauf kann es zu einer Entzündung der Blutgefäße und zu Thrombosen kommen. Auch der Herzmuskel ist wie bei einer schweren Grippe oft in Mitleidenschaft gezogen und muss sich erst in Ruhe langsam erholen. Eine stumme, also unbemerkte Herzmuskelentzündung kann infolge der Corona-Infektion ebenfalls auftreten. Wird zu früh wieder trainiert, kann es zu einer gefährlichen Herzmuskelentzündung mit schwerwiegenden Folgen kommen. Plötzlicher Herzstillstand oder plötzlicher Herztod sind keine Seltenheit, wenn die Herzmuskelentzündung nicht erkannt oder beachtet wird.

Tritt eine Herzmuskelentzündung nach COVID-19 auf, ist eine Sportpause von mindestens drei Monaten einzuhalten. Wer zu früh mit dem Sport beginnt, erhöht das Risiko für schwere Komplikationen. 

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Was sollte ein sportmedizinischer Check nach COVID-19 beinhalten?

Nach einer überstandenen COVID-19 Infektion sollte sich jeder, auch wenn die Erkrankung symptomarm oder symptomfrei verlief, einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen. So werden mögliche Komplikationen vermieden. Am häufigsten sind Lunge und Herz durch das Coronavirus betroffen. Für eine gesunde sportliche Aktivität sind diese beiden Organe neben der Muskulatur die entscheidenden Bereiche des Körpers. Ein sportmedizinischer Check sollte immer mindestens die Untersuchung der Herz- und Lungenfunktion beinhalten. Ein EKG, ein Herzultraschall, ein Lungenfunktionstest und ein Belastungstest gehören in der Regel dazu.

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Ambitioniertere Sportler sollten eine Spiroergometrie durchführen lassen, das ist eine Messung der Atemgase unter Belastung. Hierbei wird die Funktionsfähigkeit der am Sport beteiligten Organe und die aktuelle Fitness überprüft. Eine Blutentnahme kann die Herzwerte überprüfen und ein allgemeines Organprofil wiedergeben, damit Folgeschäden erkannt werden. Der ausführliche Check beim Internisten oder Sportmediziner wird im Zweifel beantworten, ob Sport nach COVID eine gute Idee ist.

Quellen:

Krankheitsverlauf und Immunität, in: infektionsschutz.de

Sport nach Covid-19, in: sportmedizin.or.at

Gesundheit und Sport nach Covid-19, in: kardiologie-mit-herz.de

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