Sport: Mit diesem Song halten Sie länger durch

Verena Elson Medizinredakteurin

Mit Musik trainiert es sich viel leichter – so geht es wohl den meisten Sporttreibenden. Warum das so ist und welcher Song sich besonders positiv auf unsere Ausdauer auswirkt, haben spanische Forscher jetzt herausgefunden.

Wenn wir beim Trainieren Musik hören, ermüden wir langsamer
Wenn wir beim Trainieren Musik hören, ermüden wir langsamer Foto:  Martinan/iStock

„Musik ist ein sehr mächtiger Stimulus und kann verwendet werden, um negative körperliche Empfindungen zu lindern, die normalerweise während des Trainings auftreten“, sagt Marcelo Bigliassi in einer Mitteilung. Er und sein Team von der Brunel University in London ließen 19 gesunde Probanden im Alter von im Schnitt 24 Jahren mit einem Handtrainer trainieren – und zwar in MRT-Geräten. So konnten die Forscher nachvollziehen, welche Vorgänge während des Trainings in den Gehirnen der Frauen und Männer abliefen.

 

Der richtige Sound für mehr Ausdauer

Während einiger Trainingseinheiten durften die Probanden den Titel „I Heard it through the grapevine“ (die Coverversion von Creedence Clearwater Revival) hören – bei den anderen Einheiten herrschte Stille. Nach jedem Training wurden die Teilnehmer nach ihrer Erschöpfung und körperlichen Beschwerden gefragt.

Die Auswertung der MRT-Bilder ergab: Trainieren wir mit Musik, wird dabei eine spezielle Hirnregion verstärkt aktiviert, die sogenannte untere Stirnwindung (Gyrus frontalis inferior). Als die Forscher die Aufnahmen mit den Angaben der Probanden in Zusammenhang brachten, beobachteten sie, dass die Trainierenden desto weniger Erschöpfungssymptome verspürten, je stärker die untere Stirnwindung aktiviert war.

 

Forscher warnen vor „zu viel“ Musik

Bigliassi und sein Team glauben, die Erkenntnisse könnten Menschen, für die Sport aus gesundheitlichen Gründen essentiell ist (beispielsweise Fettleibige oder Diabetiker), dabei helfen, Motivationsprobleme zu überwinden. Doch sie warnen auch davor, den positiven Effekt der Musik dafür zu „missbrauchen“, die eigene Schmerz- und Erschöpfungsgrenze zu übergehen. „Wir Menschen versuchen ständig, der Realität zu entfliehen und allen Formen von körperlichem Unwohlsein und Schmerz aus dem Weg zu gehen“, so Bigliassi. Die konstante akustische und visuelle Stimulation könne unsere Fähigkeit, natürlich mit Erschöpfung umzugehen, verringern. Besonders an junge Menschen appeliert der Studienleiter, ihrem Gehirn die Möglichkeit zu geben, sich mit solchen Symptomen auch ohne Musik auseinanderzusetzen. 

Quelle:
Bigliassi, Marcelo, et al. (2018): Cerebral effects of music during isometric exercise: An fMRI study, in: International Journal of Psychophysiology.

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