Spondylitis ankylosans: "Bio-Medikament stoppte meine Schmerzen"

Redaktion PraxisVITA
Die Diagnose Spondylitis ankylosans ist für viele Betroffene eine Erleichterung – denn mit den richtigen Medikamenten können sie ein normales Leben führen
Die Diagnose Spondylitis ankylosans ist für viele Betroffene eine Erleichterung – denn mit den richtigen Medikamenten können sie ein normales Leben führen © Fotolia

Acht Jahre mit unerträglichen Schmerzen vergehen, bevor Tanja die Diagnose „Spondylitis ankylosans“ bekommt. Doch auch dann geht das Leiden weiter: Die Medikamente helfen nicht oder haben starke Nebenwirkungen. Bis sie endlich das richtige findet.

Tanja ist 17 Jahre alt, als die ersten Beschwerden auftreten. „Es fing ganz harmlos an – mit einem steifen Nacken”, erinnert sich die 38-Jährige. „Als der Nacken nach Wochen immer noch steif war, ging ich zum Hausarzt. Er meinte, die Rückenmuskulatur sei zu schwach, und verschrieb mir zur Stabilisierung eine Halskrause. Aber die half nur wenig.”

Sieben Jahre doktert die kaufmännische Angestellte mit den Beschwerden herum, bis sie es nicht mehr aushält. „Nun wollte ich die Ursache ganz genau wissen. Und nachdem der Orthopäde nichts finden konnte, ging ich von einem Arzt zum anderen, bis hin zum Zahnarzt und zum Urologen”, sagt Tanja Behrens.

 

Diagnose Spondylitis ankylosans

Was ist eine Spondylitis ankylosans?

Die Spondylitis ankylosans (der Fachbegriff heißt übersetzt "versteifende Wirbelentzündung") gehört zu den rheumatischen Erkrankungen, sollte aber nicht mit (Gelenk-)Rheuma verwechselt werden. Die Ursache ist bisher unklar, eine Rolle spielt aber wohl die Vererbung. Es kommt zu schmerzhaften Entzündungen der Sehnenansätze, besonders entlang der Wirbelsäule, am Kreuz- und Darmbein. Auch die Hüftgelenke oder die Plantarsehne an der Ferse können betroffen sein.

Wieso ist die Dunkelziffer gerade bei Frauen so hoch?

Die so typische Versteifung der Wirbelsäule verläuft bei Frauen meist langsamer. Deswegen wird die Erkrankung oft nicht erkannt - obwohl erste Symptome oft bereits vor dem 45. Lebensjahr auftreten und der Gesamtverlauf nicht milder ist.

Was sind die Symptome einer Spondylitis?

Sie sollten sich fragen: Habe ich tief sitzende Rückenschmerzen? Treten diese häufig nachts auf und lassen sie bei Bewegung nach? Sind die Gelenke morgens steif, und legt sich diese Steifigkeit erst nach über 30 Minuten? Bestehen diese Symptome schon länger als drei Monate?

Wie wird die Diagnose gestellt?

Im Gegensatz zum Gelenkrheuma lassen sich keine Rheumafaktoren im Blut nach weisen Dennoch wird das Blut auf Entzündungsmarker untersucht. Entzündungen im Frühstadium deckt eine Magnet-Resonanz-Tmographie (MRT) auf, später sind die Wirbelsäulen-Veränderungen im Röntgenbild sichtbar. Bei 95 Prozent der Spondylitis-Patienten ist ein Antigen namens "HLA-B27" nachweisbar.

Erst ein Jahr später wird die richtige Diagnose gestellt – im Krankenhaus. Dort finden die Ärzte heraus, dass bei der jungen Frau das körpereigene Immunsystem die kleinen Gelenke in der Wirbelsäule angreift und den Knorpel zerstört (ähnlich wie Polyarthritis die Gelenke in Armen und Beinen angreift). Diese chronische rheumatische Erkrankung heißt nach dem Namen ihres Entdeckers „Morbus Bechterew”, auch Spondylitis ankylosans genannt. Sie ist nicht heilbar und hat schlimme Folgen: Starke Rückenschmerzen und die langsame Versteifung der Wirbelsäule – bis der Betroffene nur noch krumm und nach vorn gebeugt gehen kann.

 

Starke Schmerzmittel gegen Rheumaschmerzen

„So paradox es klingt: Ich war über die Diagnose Spondylitis ankylosans richtig glücklich – endlich hatten meine Beschwerden einen Namen”, erzählt Tanja Behrens. „Außerdem hatte ich mit Kortison keine Schmerzen mehr. Aber nur für kurze Zeit. Wegen der vielen Nebenwirkungen musste ich das Kortison absetzen, und damit kamen auch die Schmerzen zurück!”

Andere Medikamente helfen nicht so gut. Von dem Wirkstoff Methotrexat (er stammt aus der Krebstherapie) fallen ihr sogar die Haare aus. Mit starken Schmerzmitteln hält sie sich mühsam über Wasser, ist sogar weiter berufstätig.

 

Die Spondylitis ankylosans macht jeden Schritt zur Qual

„Doch vor einem Jahr war ich wortwörtlich am Ende”, gibt Tanja Behrens zu. „Jeder Schritt war eine Qual. Beim Einkaufen musste ich die Lebensmittel auf mehrere Tüten und einen Rucksack verteilen. Ich war völlig fertig – auch seelisch.” Anfang dieses Jahres können ihr die Ärzte in der Rheuma-Ambulanz in Bielefeld endlich Mut machen: Sogenannte TNF-alpha-Hemmer sollen die Spondylitis ankylosans stoppen. Tanja wird zur Medikamenteneinstellung stationär in eine Reha-Klinik eingewiesen.

Spondylitis ankylosans
Spondylitis ankylosans: Ein neues Medikament kann gegen die Beschwerden helfen© iStock
 

Endlich lassen die Schmerzen nach

„Hier lernte ich unter ärztlicher Anleitung, mir selbst das Bio-Medikament mit einer dünnen Nadel unter die Haut zu spritzen”, berichtet sie. „Schon nach der dritten Injektion merkte ich, wie der Schmerz, der mich 20 Jahre lang begleitet hatte, langsam nachließ!” Auch wenn sich die Versteifung der Wirbelsäule nicht zurückbildet – für Tanja Behrens ist es wie ein Wunder: Sie kann alle anderen Medikamente absetzen, ist quasi beschwerdefrei. „Aber bis ich das begriffen hatte, vergingen Wochen. Ich musste regelrecht lernen, mich ohne Angst vor Schmerzen wieder richtig zu bewegen!”

Die neue Therapie hat Tanjas Alltag vollkommen verändert. „Ich gehe wieder aus, mein Leben findet nicht mehr wie früher zwischen zwölf Schmerztabletten pro Tag statt, sondern rund um die Uhr.”

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