"Spezielle Haarsprechstunden können beim Problem Haarverlust helfen"

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Wie viel Haarausfall ist eigentlich normal? Mit welchen Mitteln können die Haarwurzeln gestärkt werden? Und kann man Haarausfall vorbeugen? Der Dermatologe Dr. med. Andreas M. Finner bietet Hilfe bei Haarausfall und beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

Der Expertenrat – Hilfe bei Haarausfall

Warum kommt es gerade im Frühjahr und Herbst vermehrt zu Haarausfall? 

Die genaue Ursache ist nicht bekannt, aber es sind einige Faktoren denkbar, die Hilfe bei Haarausfall geben können. Da Kopfhaare sich regelmäßig erneuern beziehungsweise austauschen, ist ein milder Haarwechsel von bis zu 100 Haaren pro Tag normal. In der Regel tun das die Haare zu unterschiedlichen Zeiten und nicht gleichzeitig. Jedoch kommen bei einigen von uns im Frühjahr ­­– bei vielen im Herbst – gleichzeitige Haarwechsel vor. Das nennt man saisonalen Haarausfall. Womöglich hat sich das in der Evolution so herausgebildet, weil die Haare im Sommer zum Schutz vor UV-Licht und im Winter zur Temperaturisolation benötigt wurden. Hormonelle Regulationen können hier eine Rolle spielen. Bei Patienten mit frühem anlagebedingtem Kürzerwerden der Haare scheint der saisonale Haarausfall verstärkt zu sein, weil die Haare nicht mehr jahrelang in der Wachstumsphase sind und sich häufiger austauschen.

Sind Frauen von diesem Haarwechsel stärker betroffen als Männer? 

Dr. med. Andreas M. Finner
Dermatologe Dr. med. Andreas M. Finner: „Mit der Behandlung von anlagebedingtem Haarausfall sollte möglichst früh begonnen werden. Die Haarwurzeln werden mit jedem Haarzyklus immer kleiner und sterben schließlich ab.“© privat

Beide sind betroffen, bei langen Haaren fällt jedoch ein Haarwechsel mehr auf. Die Haare finden sich auf dem Kissen, in der Bürste und im Sieb der Dusche. Frauen leiden oft auch an diffusem Haarausfall, wobei sich die Haare verstärkt auswechseln. Ursache können Hormonschwankungen, zum Beispiel durch einen Pillenwechsel, Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen, fieberhafte Erkrankungen u.a. sein. Da der Haarausfall mit 2-3 Monaten Verzögerung auftritt, ist die Ursache oft nicht klar ersichtlich oder auch nicht herauszufinden. Das führt häufig zu starker Verunsicherung und Angst.

 

Anlagebedingter Haarausfall: Auch Frauen betroffen

Auch Frauen können einen anlagebedingten Haarausfall haben. Bei ihnen dauert es jedoch meist länger, bis ein Dünnerwerden und Durchscheinen der Kopfhaut auffällt, meist an Oberkopf, Scheitel und Seiten. Da nicht alle Haare betroffen sind, kommt es nicht zur Kahlheit wie beim Mann.

Wie viel Haarausfall ist normal, wann wird es kritisch? 

Als Faustregel gilt, dass sich pro Tag 100 Haare austauschen dürfen. Jedoch sollte bei jedem länger andauerndem Haarausfall ohne erkennbare Ursache oder sichtbarem Dünnerwerden eine Haarsprechstunde aufgesucht werden. Diese können die Ursache ergründen und dann Hilfe bei Haarausfall geben.

Welche Nährstoffe helfen? Und wie wirken sie?

Als sehr wirksam hat sich in mehreren wissenschaftlichen Studien eine Kombination aus Cystin, B-Vitaminen und Medizinalhefe erwiesen, auch beim diffusen Haarausfall ohne bekannte Ursache. Diese spezielle Wirkstoffkombination konnte fast vier Prozent der Haare in der Wachstumsphase halten bzw. sie schneller wieder zum Nachwachsen bringen. Das entspricht 4.000 bis 5.000 Haaren, die nicht ausfallen. Für die Betroffenen zählt jedes Haar, also das macht schon einen großen Unterschied. Daher kann dies eine gute Hilfe bei Haarausfall sein.

 

Haarausfall: Welche Rolle spielt Ernährung?

Kann ich mit Ernährung etwas bewirken? 

Abwechslungsreiche, eiweißhaltige Ernährung ist sinnvoll für gesunde Haare. Mageres rotes Fleisch ist die beste Eisenquelle. Gemüse und Fisch enthalten wertvolle Antioxidantien. 

Welcher Arzt hilft bei Haarausfall weiter? Gibt es auch Medikamente, die wirksam Haarprobleme verringern?

Spezielle Haarsprechstunden werden meist von Hautärzten angeboten. Bei diffusem Haarausfall kann das Medikament Pantovigar helfen. Es ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Beim anlagebedingten Dünnerwerden gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Gut erforscht sind die Wirkstoffe Alfatradiol und Minoxidil. Beide sind als Lösung dauerhaft anzuwenden. Alfatradiol, ist besonders gut verträglich und für den anfänglichen anlagebedingten Haarausfall zugelassen. Es ist ebenfalls rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Im Gegensatz dazu kann es bei Minoxidil zu einem anfänglichen verstärkten Haarausfall (Sheddingeffekt) und gelegentlichen Kopfhautreizungen kommen. Deshalb wird besonders hier eine vorherige ärztliche Untersuchung und Beratung in einer Haarsprechstunde empfohlen, um Hilfe bei Haarausfall zu bekommen.

Auch Frauen leiden unter Haarausfall
Auch Frauen können an anlagebedingten Haarverlust leiden. Spezielle Haarsprechstunden beim Hautarzt können Hilfe bei Haarausfall geben© Fotolia

Kann ich bei erblich bedingtem Haarausfall über eine Haartransplantation nachdenken? Besteht die Gefahr, dass die transplantierten Haare wieder ausfallen?

Die Gefahr ist sehr gering. Für ältere Personen ist eine mehrstündige Operation jedoch nicht ganz ohne Risiko. Neben Operationen und Medikamenten gibt es auch noch Streuhaar, das einfach zwischen Ihre eigenen Haare gestreut oder gesprüht wird.

 

Wann ist eine Haartransplantation sinnvoll?

Wie hoch liegen die Kosten einer Haartransplantation?

Je nachdem, wie groß die betroffenen Stellen sind und wie viel Haar noch vorhanden ist, das transplantiert werden kann, liegen die Kosten etwa zwischen 4.000 und 8.000 Euro. Der Aufwand ist sehr hoch, denn es werden mehrere 1.000 Haare transplantiert. Bevor man transplantiert, sollte daher zunächst andere Hilfe bei Haarausfall probiert werden.

Im Interview: Dr. med. Andreas M. Finner

Dr. Finner ist Dermatologe und Mitglied in mehreren Fachgesellschaften. In seiner Praxis in Berlin bietet er spezielle Haarsprechstunden an und führt Haartransplantationen durch.

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