Spahn und RKI: Was bringen diese 3 Maßnahmen?

Ines Fedder Medizinredakteurin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der RKI-Chef Lothar H. Wieler haben sich gemeinsam mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur aktuellen Corona-Lage geäußert. Obwohl die Inzidenz weiter sinkt, dürfen diese 3 Maßnahmen auch weiterhin nicht vernachlässigt werden.

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„Die aktuellen Zahlen machen uns zuversichtlich“, beginnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die wöchentlich stattfindende Bundespressekonferenz. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar H. Wieler und der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker beurteilt Spahn die aktuelle Corona-Lage. Und obwohl die Zahlen weiter sinken, gibt es in einigen Punkten noch Handlungsbedarf.

 

2. Weiter impfen und vorsichtig bleiben

Am vergangenen Donnerstag (20.05.) wurde die 10 Mio. Marke bei den Zweitimpfungen erreicht. Aktuell sind 12,5 Prozent der Deutschen vollständig geimpft. Dieser Fortschritt muss weitergehen. „Wir sind auf einem guten Weg und ich finde, das dürfen wir auch mal so wahrnehmen“, so der Gesundheitsminister.

Dennoch müsse nun weiter geimpft werden, auch wenn nicht jeder sofort einen Impftermin erhält. Nicht jeder könne sofort dran kommen. Daher solle man Ärzte nicht weiter bedrängen. „Wenn sie unbedingt sauer sein wollen, weil es vielleicht nicht gleich beim ersten Anruf klappt, dann seien Sie im Zweifel sauer auf mich“, erklärt der Gesundheitsminister. Es ginge darum, „schnellst möglichst wieder Normalität herzustellen“.

Die Priorisierung sei wichtig gewesen, um Menschenleben zu schützen. Der Fortschritt mache es nun möglich, die Priorisierung aufzuheben. „Es geht jetzt nicht mehr um Monate, sondern nur noch um Wochen“, sagt Spahn. Dann habe man eine Chance auf einen guten Sommer. 

Illustration steigender Corona-Zahlen
Service Baden-Württemberg steht als erstes Bundesland kurz vor höchster Corona-Warnstufe

 

Spahn: Impfangebot noch vor Ende September für alle

Übrigens: Ein Impfangebot noch vor Ende September solle laut Spahn sogar früher als ursprünglich versprochen möglich sein.

 

2. Mobile Impfangebote in sozialschwachen Räumen einbinden

Ein weiterer wichtiger Punkt, der ebenfalls das Impfen betrifft, ist das Immunisieren von Menschen in vulnerablen Sozialräumen. Henriette Reeker, Oberbürgermeisterin von Köln, hat durch den Einsatz von mobilen Impfangeboten in der Domstadt bereits positive Erfahrungen gemacht. „Mobile Impfangebote erreichen Menschen, für die eine Anmeldung im Impfzentrum oder der Besuch beim Hausarzt eine hohe Hürde darstellt.“

Die Impfungen wurden in Köln anders als in Impfzentren oder Hausarztpraxen durch den Einsatz von Streetworkern und Vertrauenspersonen, die auch in der Muttersprache der Zielgruppe informierten, durchgeführt. Die sogenannten „Schwerpunkt-Impfungen in sozialen Brennpunkten und vulnerablen Sozialräumen schützen nicht nur die Bewohner, sondern auch das Gesundheitssystem und somit uns alle“, erklärt Kölns Oberbürgermeisterin.

Es sind die Menschen, die unsere Städte am Leben halten – die Reinigungskräfte und Kassierer“, so Reeker. Ein wichtiger Punkt, der mit voranschreitender Impfkampagne noch weiter vorangetrieben werden muss, ist das Bemühen, auch diese vulnerablen Gruppen zu erreichen, die wenig Vertrauen in das Deutsche Gesundheitssystem haben. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz
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3. AHA-Regeln und Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht weiter aufrechterhalten

„Ich habe den Eindruck, dass nahezu wochenweise Lockerungen gemacht werden“, erklärt Jens Spahn auf Nachfrage der umstrittenen Lockerung in Bezug auf die geplante Abschaffung der Maskenpflicht beim Einkaufen in Niedersachsen. Man habe sich bundesweit darauf geeinigt, dass auch bei sinkenden Zahlen erst mal ein paar Wochen abgewartet wird, bevor man lockere. In der jetzigen Phase könne man das vermeiden, ohne dass es eine Beeinträchtigung des Lebens ist, plädiert der Gesundheitsminister. Wohlweißlich, dass die Entscheidung über Lockerungen und damit auch die Verantwortlichkeit bei den einzelnen Ländern liegt.

RKI-Chef Lothar H. Wieler geht hier noch einen Schritt weiter. Man befinde sich immer noch inmitten der Pandemie. Man müsse dem Virus auch weiterhin die Stirn bieten. Man dürfe nicht zulassen, dass das Virus die Oberhand gewinnt, nur weil man zu viel will. Er prophezeit klar und deutlich: „Wenn wir jetzt Maßnahmen ignorieren und zu früh öffnen, wird sich das Virus wieder rausch ausbreiten.“

Der RKI-Chef sei froh, dass es immer mehr Evidenz gibt, die zeigt, wie wirksam das Tragen von Masken auch in Alltagssituationen sei. Wenn man jetzt lockere, muss der Basis-Schutz von allen Menschen beibehalten werden. „Früher wusste man nicht, dass das Virus schon von so vielen Menschen ausgeschieden wird, die noch gar nicht krank sind. Heute weiß man es besser". 

Grafische Darstellung von Coronaviren.
Service Corona-Hotspots: Nur noch ein Bundesland über 100er-Inzidenz

Obwohl die dritte Welle gebrochen zu sein scheint und man durchaus auch mal durchatmen darf, ist die Pandemie-Bekämpfung immer noch im vollen Gange. Maßnahmen wie die AHA-Regeln, Immunisierung durch Impfung sowie die Beachtung und Einbeziehung von vulnerablen Sozialräumen müssen jedoch auch weiterhin vorangetrieben werden – damit nach dem Sommer nicht der nächste Corona-Herbst vor der Tür steht.

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