Spahn: Kapazitäten überschritten! Neue Testempfehlung

Ines Fedder Medizinredakteurin

Angesichts der verschärften Maßnahmen im Lockdown hat Gesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz die Bevölkerung auf die Einhaltung der vorherrschenden Regelungen eingeschworen. Zudem informierte über eine neue Teststrategie.

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Inhalt
  1. RKI-Vizepräsident warnt: 400.000 Neuinfektionen an Weihnachten möglich
  2. Angst vor der Triage: Kapazitäten auf Intensivstationen werden eng
  3. Neue Teststrategie gegen Corona aufgrund von Kapazitäten-Engpass

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) trat am heutigen Dienstag noch einmal mit Experten aus dem Gesundheitsbereich an die Presse, um über das aktuelle Pandemie-Geschehen zu informieren. Im Fokus der Pressekonferenz: Teststrategien, Überlastung der Intensivstationen und die Kontaktnachverfolgung.

„Ich sitze hier heute als wieder genesener COVID-19-Patient“, eröffnet Gesundheitsminister Jens Spahn die Pressekonferenz gemeinsam mit Prof. Dr. Lars Schaade (Vizepräsident des RKI), Prof. Dr. Uwe Janssens (Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) sowie Prof. Dr. Melanie Brinkmann (Arbeitsgruppenleiterin des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung) und Dr. Michael Müller (Vorstandsvorsitzender des Vereins der Labormediziner, ALM).

Spahn selbst habe Demut gelernt als Corona-Patient, weiß allerdings auch um die Anstrengungen, die es kosten, das Pandemie-Geschehen positiv zu beeinflussen. „Diese Pandemie ist eine echte Mammut-Aufgabe für jeden Einzelnen in der Gesellschaft. Doch nach allem, was wir wissen, haben wir den Höhepunkt noch nicht erreicht.“

In einer dynamischen Lage gehöre das Anpassen an eben diese zur Bewältigungs-Strategie. Daher sei der Lockdown Light eine notwendige Notbremse. Und diese Strategie gegen das Virus werde stetig verifiziert. Es geht um "präzise Regeln, die uns helfen, mit dem Virus zu leben“, so Spahn. 

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RKI-Vizepräsident warnt: 400.000 Neuinfektionen an Weihnachten möglich

Prof. Dr. Lars Schaade, Vizepräsident des RKI betonte ebenfalls: „Wir müssen und können das Infektionsgeschehen bremsen.“ Er befürchtet: Wenn die aktuelle Entwicklung nicht anhält, gibt es an Weihnachten 400.000 Neuinfizierte am Tag. Er erklärt: Die intensivierten Maßnahmen seien aufgrund des exponentiellen Wachstums der Infektionszahlen notwendig.

Auch Prof. Dr. Melanie Brinkmann erklärte: „Das Virus wird uns immer wieder in eine Situation zwingen, in der wir jetzt sind. Wir müssen die Wellen brechen und das exponentielle Wachstum stoppen.“

 

Angst vor der Triage: Kapazitäten auf Intensivstationen werden eng

Der Wellenbrecher, da sind sich alle einig – der Lockdown light – sei unbedingt notwendig. Da auch die Kapazitäten auf den Intensivstationen an ihre Grenzen stoßen. Prof. Dr. Uwe Jannsens, Intensiv-Mediziner warnt, dass es primär nicht auf die Betten-Verfügbarkeit auf den Intensiv-Stationen ankomme, sondern auf das Fachpersonal. Man benötige ausreichende Verfügbarkeiten von quaifiziertem Personal.

Dies könne nur gewährleistet werden, wenn die „Krankenhäuser in Risikogebieten aus dem Regelbetrieb aussteigen, um so Personal-Ressourcen bereitzustellen.“ Er fordert das Aussetzen des Regelbetriebs auf einen Notfallbetrieb, da wo es notwendig ist, und die Sicherstellung der dadurch entstehenden finanziellen Verluste. 

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Was es bedeuten würde, wenn die Kapazitäten überschritten werden? Prof. Dr. Melanie Brinkmann warnte vor einer möglichen Triage, wie sie in anderen Ländern bereits stattfand. In diesem Falle würde der Arzt entscheiden, wer die besten Chancen hat, durchzukommen. „Da wollen wir nicht hinkommen. Deshalb müssen wir jetzt bremsen“, so die Expertin. Prävention sei das Beste, was wir in der Hand haben, damit die Intensivbetten sich nicht weiter füllen. 

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Neue Teststrategie gegen Corona aufgrund von Kapazitäten-Engpass

Und auch die Tests-Kapazitäten seien bereits an ihre Grenzen gestoßen. Daher wurde die Teststrategie für den Herbst und Winter ähnlich wie bereits im März angepasst. Die aktuelle Empfehlung für die Ärzte: Testung bei Symptomatik wie schweren Husten und Geschmacksverlust, bei Risikogruppen und einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass man dem Virus ausgesetzt war.“ Nicht jeder, mit leichten Erkältunssymptomen solle demnach getestet werden. Labormediziner Dr. Michael Müller betonte jedoch noch einmal: „Alle Menschen, die einen Test aus medizinischen Gründen brauchen, die werden auch immer einen bekommen.“

Es gilt die Empfehlung bei leichtem Verdacht, sich mindestens 5 Tage in Isolation zu begeben und diese erst zu beenden, wenn man 48 Stunden symptomfrei ist.

Zwar sei die Situation ähnlich wie im Frühjahr und das vornehmliche Ziel, das exponentielle Wachstum zu stoppen (flatten the curve), jedoch könne man heute anders damit umgehen. „Wir wissen mehr und können differenzierter vorgehen“, so Jens Spahn. Probleme, wie das die Gesundheitsämter derzeit nicht mehr mit der Kontaktverfolgung hinterherkommen, sei sich Spahn durchaus bewusst. Er richtete an all diejenigen, die jeden Tag im Gesundheitswesen ihr Bestes geben, seinen aufrichtigen Dank. Sie seien „Helden unserer Zeit.“

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