Späte Vaterschaft: Die Sperma-Qualität älterer Männer

Michelle Kröger

Kinderwunsch im Alter – in der heutigen Zeit ist dies längst keine Seltenheit mehr. Während es bei der Frau ein biologisch definiertes Zeitfenster gibt, herrscht bei Männern oftmals Unklarheit. Wie lange sind Männer zeugungsfähig? Können männliche Keimzellen altern? Und was können Sie tun, um eine späte Vaterschaft zu realisieren? Wir haben den Experten Prof. Dr. Frank Sommer zu diesem Thema befragt. Er ist Experte für Männergesundheit in Hamburg, Urologe, Androloge, Sportmediziner und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V.

Späte Vaterschaft Vater mit Säugling
Eine späte Vaterschaft kann auch ein Risiko für Mutter und Kind bedeuten Foto:  iStock/monkeybusinessimages
Inhalt
  1. Wie lange sind Männer zeugungsfähig?
  2. Eine Frage der Fruchtbarkeit: Können männliche Keimzellen altern?
  3. Späte Vaterschaft: Risiken für Mutter und Kind
  4. Kinderwunsch im Alter: So klappt es mit dem Baby
 

Wie lange sind Männer zeugungsfähig?

Bei Frauen ist diese Frage eindeutig leichter zu beantworten: Mit Beginn der Wechseljahre schließt sich das biologisch definierte Zeitfenster für eine Schwangerschaft. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. Für Männer lässt sich hinsichtlich dieser Frage keine pauschale Antwort geben. Allerdings ist bewiesen, dass die Spermienqualität mit fortschreitendem Alter (ab ca. 40 Jahren) abnimmt. Dies bestätigt Prof. Dr. Frank Sommer: “Auch hier nimmt über die Jahre die Anzahl der Spermien, die Beweglichkeit der Spermien, und auch deren Schnelligkeit, deren gesunde Form ab. Bei dem einen etwas mehr, und bei dem anderen etwas weniger. Das hängt auch von äußeren Einflüssen ab – wie beispielsweise der Ernährung. Aber auch davon, wie sehr man auf seine Gesundheit achtet und körperliche Aktivitäten durchführt”, sagt er.

 

Eine Frage der Fruchtbarkeit: Können männliche Keimzellen altern?

Lange Zeit nahm man an, dass Spermatozoen (auch männliche Keimzelle, Spermien, Samenfäden oder Samenzellen genannt) nicht altern würden. Diese Annahme hat die Wissenschaft mittlerweile widerlegt. “Jegliche Strukturen im Körper sind einem physiologischen Alterungsprozess unterzogen. Aber anders als bei Frauen, bei denen die Eizellen schon seit der Geburt vorliegen und entsprechenden ‘Umwelteinflüssen’ ausgeliefert sind, produzieren Männer immer wieder neue Spermien. Das bedeutet, diese sind ‘frisch’. Aber nichtsdestotrotz können die männlichen Keimzellen auch Mutationen erfahren und dementsprechend kann es auch zu Spermienschädigungen kommen”, so Prof. Dr. Sommer.

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Späte Vaterschaft: Risiken für Mutter und Kind

“Das Problem, was wir bei älteren Männern, die Väter werden wollen, beobachten, ist, dass viele von ihnen eine Vasektomie (Unterbindung der Samenleiter) hatten”, sagt Prof. Dr. Sommer. “Und diese kann nur von sehr versierten Chirurgen, die bereits mikrochirurgische Erfahrung haben und ein Mikroskop besitzen, was über eine 20-fache Vergrößerung verfügt, erfolgreich rückgängig gemacht werden.” In diesem Fall besteht eine gewisse Schwierigkeit für die Frau, überhaupt erst schwanger zu werden.

Doch bestehen darüber hinaus spezielle Risiken für Mutter und Kind, wenn der Erzeuger schon sehr viel älter ist? Generell haben Studien bewiesen, dass Väter, die deutlich über 50 Jahre alt sind, das Risiko für genetische Defekte, Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht bei ihren Kindern erhöhen. Auch die Intelligenz des Kindes kann durch das fortgeschrittene Zeugungsalter des Vaters negativ beeinflusst werden. Allerdings gibt es für ältere Männer keine Tests oder Analysen, die vor einer Schwangerschaft durchgeführt werden können. “So wie bei Frauen, denen man in der Schwangerschaft aufgrund von bestimmten Risikofaktoren beispielsweise eine Nackenfaltenmessung empfiehlt bzw. eine Fruchtwasseranalyse, um genetische Defekte auszuschließen, gibt es bei Männern eine solche Empfehlung noch nicht, da die Wahrscheinlichkeiten einer genetischen Veränderung auch verhältnismäßig gering sind”, sagt der Professor für Männergesundheit.

 

Kinderwunsch im Alter: So klappt es mit dem Baby

Aber was können ältere Männer tun, um bestimmte Risikofaktoren zu minimieren? Die Lösung ist recht simpel und lautet: Fitness. “Grundsätzlich ist es wichtig, dass der zukünftige Vater einen gewissen Fitnessgrad hat”, sagt Prof. Dr. Sommer.

Die Fitness setzt sich aus den beiden Komponenten Ernährung und Bewegung zusammen. Eine gesunde Ernährung und Sport sind essenziell für die Realisierung eines späteren Kinderwunsches.

Folgende Lebensmittel wirken sich positiv auf die Spermienentwicklung und Spermienqualität aus:

  • Argininhaltige Nahrungsprodukte: “Arginin ist ein Eiweiß, welche beispielsweise in Mandeln, Haselnüssen, Erdnüssen vorhanden sind. Aber auch im Thunfisch oder Lachs sind diese vorhanden“, verrät Prof. Dr. Sommer.
  • Flavonoide: “Zusätzlich sollte man darauf achten, Lebensmittel, die sogenannte Flavonoide enthalten, zu sich zu nehmen, wie beispielsweise Erdbeeren, Heidelbeeren, Zitrusfrüchte, Trauben, rote Beet und Kirschen”, empfiehlt er weiter.
  • Kreuzblütler: Auch grünes Blattgemüse wie Spinat oder Grünkohl hat einen positiven Einfluss auf die Spermienentwicklung und Spermienqualität.

Doch eine gesunde Ernährung allein reicht in den meisten Fällen nicht aus, auch Bewegung muss sein. Neueste Studien belegen sogar, dass sportliche Väter gesündere Kinder zeugen. Prof. Dr. Sommer gibt einige Tipps zum Thema: “Regelmäßige Bewegung, wie Spaziergänge, joggen gehen, aber auch Kräftigungsübungen (wie z.B. das von uns entwickelte „3x3x3“-Programm, was kostenlos unter www.maennergesundheit.info runterzuladen ist) sind hier auf jeden Fall hilfreich. Und allgemeine Faktoren wie Stressreduktion und Nichtrauchen und ein ausgewogener Vitamin-D-Haushalt wirken sich positiv auf die Spermienqualität aus”.

Quellen:

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