Sonnencreme geht ins Blut

Verena Elson

Eine US-Studie zeigt: Schon nach einem Strandtag mit reichlich Sonnenmilch sammeln sich Chemikalien in unserem Blut an – und verweilen dort mehrere Tage. Wie wirkt sich das auf die Gesundheit aus?

Kinder cremen sich mit Sonnencreme ein
Dick eincremen ist wichtig: Doch die Chemikalien in der Sonnencreme bleiben nicht auf der Haut Foto:  ArtMarie/iStock

Viel hilft viel: Dieses Motto ist in Sachen Sonnenschutz tatsächlich angemessen – Experten raten, sich an heißen Tagen alle zwei Stunden dick mit Sonnencreme einzuschmieren, denn sparsames Eincremen in größeren Abständen bietet keinen ausreichenden Schutz vor Hautkrebs.

Doch eine aktuelle Sonnencreme-Studie des Center for Drug Evaluation and Research der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigt: Mit der Sonnencreme schmieren wir uns auch etliche Chemikalien auf die Haut – die eben nicht auf der Haut bleiben, sondern in den Blutkreislauf übergehen.

 

Sonnencreme-Experiment: Wandern die Chemikalien ins Blut?

Die Forscher ließen 24 Probanden sich an vier aufeinanderfolgenden Tagen je viermal mit verschiedenen Sonnenlotions oder -sprays eincremen und untersuchten ihr Blut vom ersten Tag an bis drei Tage nach Ablauf des Experiments auf vier Chemikalien: Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen und Ecamsul. 
Alle vier Stoffe fungieren als UV-Filter, das heißt, ohne sie wäre die Sonnenmilch quasi wirkungslos. Während Avobenzon und Oxybenzon hauptsächlich auf dem US-amerikanischen Markt eingesetzt werden, finden Octocrylen und Ecamsul auch in deutschen Sonnencremes Verwendung. Octocrylen steht im Verdacht, in das Hormonsystem einzugreifen; Ecamsul gilt als gesundheitlich unbedenklich. Ein weiterer interessanter Fakt, wenn es um die Wirkung von Sonnencreme geht: An vielen Badeorten zum Beispiel auf Hawaii oder vor den Malediven wird die Verwendung von Sonnencremen mit den Chemikalien Oxybenzon und Ocrylen bereits verboten – allerdings nicht im Hinblick auf die Auswirkungen auf unseren Organismus. Der Grund ist ein anderer: Die in den Sonnencremes enthalten Stoffe schädigen die ohnehin schon gefährdeten Korallenriffe im Wasser. 

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Chemikalien im Blut: Bis zu sieben Tage erhöhte Werte

Aber wie wirkt sich die Verwendung von Sonnencreme mit eben jenen Stoffen auf den Organismus aus? Das Ergebnis der Blutanalysen zeigt: Bereits nach 24 Stunden hatten alle Probanden deutlich erhöhte Werte aller vier Chemikalien im Blut. Bei drei der vier Stoffe stieg die Konzentration im Laufe des Experiments immer weiter an und blieb bis einschließlich Tag sieben erhöht.

Was bedeutet das jetzt für Sonnenanbeter, die sich bereits mit Sonnenschutz für die kommende Saison eingedeckt haben? Bisher gibt es keine Langzeitstudien, die zeigen, ob der Übergang etwa hormonwirksamer Stoffe aus der Sonnencreme in die Blutbahn gesundheitsschädliche Auswirkungen hat. Offen bleibt außerdem, wie lange die Chemikalien tatsächlich im Blut verweilen – ob sie sich etwa nach mehreren Wochen immer noch im Serum nachweisen lassen.

„Wir brauchen Studien, um diese Erkenntnisse einzuordnen und festzustellen, ob die Absorption bestimmter Inhaltsstoffe wirkliche gesundheitliche Auswirkungen hat“, sagt Dr. David Leffell, Dermatologe an der Yale School of Medicine und Sprecher der American Academy of Dermatology, der nicht an der Studie beteiligt war.

 

Alternative: mineralische UV-Filter

Wer sich unwohl dabei fühlt, sich Sonnencremes mit chemischen UV-Filtern auf die Haut zu schmieren, kann auf Alternativen mit sogenannten mineralischen UV-Filtern zurückgreifen, beispielsweise der Bio-Sonnenschutz von Lavera oder Weleda. Diese bestehen aus Nanopartikeln aus Titanoxid oder Zinkoxid. Die winzigen Partikel reflektieren das Sonnenlicht auf der Haut und sorgen so dafür, dass die UV-Strahlen nicht in tiefere Hautschichten vordringen können. Übrigens: Es empfiehlt sich, Cremes beim Sonnenschutz zu verwenden und keine Sprays, da beim Spray die Atemwege durch die feinen Partikel gereizt werden können.

Quelle:
Matta. M. K. (2019): Effect of Sunscreen Application Under Maximal Use Conditions on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients, in: JAMA.

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