Sonne für ein längeres Leben

Regelmäßiges Sonnen kann das Leben verlängern, zeigt eine aktuelle schwedische Studie. Frühere Untersuchungen ergaben, dass Sonnen sogar vor Krebs schützt © Fotolia

Ärzte warnen seit Langem vor dem Aufenthalt in der Sonne – denn zu viel UV-Strahlung kann Hautkrebs auslösen. Doch eine aktuelle schwedische Studie zeigt, dass man darum keineswegs ein Leben im Schatten führen sollte – denn Sonnen kann das Leben verlängern!

Jetzt im Frühling zeigt sie sich immer häufiger und verlockt dazu, ihr das Gesicht entgegenzustrecken: die Sonne. Doch mit einem ausgedehnten Sonnenbad ist auch immer die Angst vor Hautkrebs verbunden, weswegen viele Menschen direkte Sonneneinstrahlung meiden.

Das ist jedoch nicht ratsam, sagen schwedische Wissenschaftler. Ihre aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Sonnenanbeter im Schnitt länger leben als Menschen, die sich hauptsächlich im Schatten aufhalten.

Die Forscher des Karolinska-Instituts und der Universität Lund werteten die Daten von knapp 30.000 Schwedinnen aus, die für 20 Jahre begleitet wurden. Zu Beginn der Studie waren die Frauen 25 bis 64 Jahre alt. Die Wissenschaftler interessierten sich speziell dafür, wie häufig sich die Frauen gewöhnlich in der Sonne aufhielten, und für ihre Lebensdauer und eventuelle Todesursachen.

 

Sonnenmangel genauso gefährlich wie Rauchen

Das Ergebnis: Frauen, die die Sonne meiden, haben eine um 0,6 bis 2,1 Jahre kürzere Lebenserwartung als Frauen mit der höchsten Sonnenexposition. Diese sterben demnach seltener an Herzerkrankungen und Todesursachen, die weder Krebs- noch Herzleiden sind.

Besonders auffällig: Nichtraucher, die die Sonne meiden, haben laut den Studienergebnissen die gleiche Lebenserwartung wie Raucher mit der stärksten Sonnendosis – demnach ist Sonnenmangel genauso gefährlich wie Rauchen.

„Zu strenge Richtlinien zur Sonnenexposition könnten der Gesundheit mehr schaden als nutzen“, sagt Studienautor Dr. Pelle Lindqvist in einer Pressemitteilung. Wie Sonnenbaden und verlängerte Lebensdauer zusammenhängen, konnte die Studie nicht klären. Eine mögliche Erklärung ist aus Sicht der Forscher die höhere Aufnahme von Vitamin D.

 

Sonne kann sogar vor Krebs schützen

Bereits 2006 zeigte die Statistik des Harvard- Mediziners Prof. Edward Giovannucci, dass zu wenig Sonne krank machen kann. Demnach erhöht regelmäßiger Aufenthalt in der Sonne zwar das Risiko für Hautkrebs, verringert aber die Gefahr, an Blasen-, Brust-, Darmkrebs und zahlreichen anderen Krebsarten zu sterben. Wie erklären sich Wissenschaftler dieses Phänomen?

In der Sonne produziert der Organismus Vitamin D3. Es wird in der Haut nur unter Einfluss von UV-B-Strahlen gebildet. Nur zehn Prozent des Vitamins nehmen wir über die Nahrung auf. Lange Zeit wurde der Vitalstoff hauptsächlich mit gesunden Knochen in Verbindung gebracht. Inzwischen weiß man, dass das „Sonnenvitamin“ weitaus mehr kann – beispielsweise hemmt es das Wachstum von Krebszellen. Doch etwa die Hälfte der Deutschen ist von Vitamin-D-Mangel betroffen – teils wegen eines frischluftarmen Lebensstils und teils aus Angst vor Falten und Hautkrebs.

 

Sonne als Risikofaktor

Unbestritten ist dennoch, dass häufiges Sonnenbaden das Hautkrebs-Risiko erhöht. 90 Prozent der Fälle von weißem Hautkrebs und 86 Prozent der Fälle von schwarzem Hautkrebs lassen sich auf erhöhte UV-Einstrahlung zurückführen. Allerdings sind die Heilungschancen bei Hautkrebs gut: Die Überlebensrate nach fünf Jahren beträgt bei Frauen 88, bei Männern 84 Prozent.

In der schwedischen Studie starben Frauen mit der höchsten Sonnenexposition häufiger an Krebs als andere – das liegt laut der Wissenschaftler allerdings vermutlich daran, dass sie länger lebten.

 

Wie viel Sonne ist denn nun gesund?

Darin sind sich Experten einig: Es hängt vom Hauttyp ab, von der genetischen Veranlagung für Hautkrebs und von der Strahlenintensität. Exzessives Sonnenbaden ist tabu. Stattdessen empfiehlt sich ein regelmäßiges Mini-Sonnenbad: Dreimal pro Woche zum Beispiel Arme, Hände oder Beine für zehn Minuten in die Sonne halten – ohne Sonnencreme. Denn schon ein Lichtschutzfaktor von acht reduziert die Vitamin-D-Bildung um 97 Prozent. Danach gilt es allerdings, sich für weiteres Sonnenbaden gründlich einzucremen.

Hamburg, 26. März 2016

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