Sollten sich auch Jungen gegen HPV-Impfen lassen?

Junge wird geimpft
Die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) scheint sich auch bei Jungen zu lohnen © Fotolia

Bei Mädchen ist die Impfung dringend empfohlen, aber bei Jungs? Neueste Studien belegen:

In Deutschland wird die HPV-Impfung für Mädchen zwischen neun und 14 Jahren von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und bis zum 17. Lebensjahr von allen Krankenkassen übernommen.

 

Schutz vor anderen Krebsarten

Der Zweck: Sie soll vor sie Gebärmutterhalskrebs schützen. Die Impfung senkt aber auch das Risiko für andere Krebsarten, wie zum Beispiel Anal- oder Rachenkarzinome – bei beiden Geschlechtern. Eine Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Cancer veröffentlicht wurde, zeigt deutlich, dass die Impfung eben auch für Jungen sinnvoll ist.

 

Steigende Zahlen für Krebs im Mund- und Rachenraum

Studienleiterin Dr. Lillian Siu, Onkologin am Princess Margaret Cancer Centre in Toronto, behandelt seit 18 Jahren Krebs im Mund- und Rachenraum. Dessen steigende Zahl bereitet ihr Sorgen. „Es wird vermutet, dass Mundrachenkrebs im Jahr 2020 der häufigste durch humane Papillomviren verursachte Krebs sein wird“, so Siu. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse unserer Studie auf dieses drängende Problem hinweisen.“

Dazu berechneten die Wissenschaftler in einem Modell, welchen Effekt es hätte, wenn 190.000 kanadische Jungen mit 12 Jahren gegen die vier wichtigsten Virenstränge (6, 11, 16 und 18)  geimpft würden. Dabei berücksichtigten sie Faktoren wie Kosten und Wirksamkeit der Impfung, den Preis einer Krebstherapie sowie den Einfluss einer Erkrankung auf die Lebensqualität der Jungen.

Sie entwarfen zwei verschiedene Modelle. Beim ersten nahmen sie an, dass eine Impfung zu 99 Prozent schützt und sich gut zwei Drittel der Jungen dafür entscheiden. In diesem Fall würde die Impfung pro Person 145 kanadische Dollar (109 Euro) sparen und die Lebenserwartung und –qualität minimal erhöhen. Insgesamt wären es 28 Millionen kanadische Dollar (21 Millionen Euro). Beim zweiten Modell gingen sie von einem weit schlechteren Impfschutz und einer etwa geringeren Bereitschaft von jeweils 50 Prozent aus. Auch dann erhöht sich die Lebenserwartung und -qualität und es bliebe eine Ersparnis von 8 Millionen kanadischen Dollar (6 Millionen Euro).

Trotz dieser Ergebnisse möchte Siu noch nicht für eine flächendeckende HPV-Impfung für Jungen eintreten. Zuvor möchte sie „diese Frage noch genauer untersuchen.“

Auch die deutsche STIKO verweist bislang auf eine unklare Datenlage und spricht sich nicht für oder gegen eine HPV-Impfung bei Jungen aus.

Hamburg, 13. April 2015

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