Sollten Frauen mit Kinderwunsch Kartoffeln essen?

Kartoffeln
Eine aktuelle US-Studie ergibt, dass ein hoher Kartoffelkonsum vor der Schwangerschaft das Risiko von Schwangerschaftsdiabetes erhöht © Shutterstock

Ein hoher Kartoffelkonsum vor der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Schwangerschaftsdiabetes – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle US-Studie. Sollten Frauen mit Kinderwunsch jetzt ganz auf Kartoffeln verzichten?

Als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet man einen Diabetes, der in der Schwangerschaft erstmals auftritt. Meist verschwindet er nach der Geburt des Kindes wieder.

Frühere Studien haben Nahrungsmittel mit einem hohen „Glykämischen Index (GI)“ mit der Entstehung von Schwangerschaftsdiabetes und Typ-II-Diabetes in Verbindung gebracht. Der GI beschreibt die Auswirkungen der Kohlenhydrate eines Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Je höher der GI ist, desto stärker steigt der Blutzuckerspiegel an. Kartoffelprodukte haben einen besonders hohen GI – gekochte Kartoffeln haben beispielsweise einen GI von 82. Zum Vergleich: Naturjoghurt hat einen GI von 19.

 

Zusammenhang zwischen Kartoffelkonsum und Schwangerschaftsdiabetes

Wissenschaftler der Harvard University und des Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) untersuchten in ihrer aktuellen Studie, ob ein Zusammenhang zwischen dem Kartoffelkonsum vor der Schwangerschaft und dem Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes besteht.

Dazu analysierten sie die Daten von mehr als 15.000 Frauen, die im Rahmen der „Nurses Health Study“ erfasst wurden. Die Frauen wurden über einen Zeitraum von zehn Jahren begleitet. Keine der Frauen hatte zuvor an Diabetes gelitten.

Die Probandinnen füllten alle vier Jahre Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus. Dabei wurde auch danach gefragt, wie viel gebackene, gekochte oder pürierte Kartoffeln, Pommes frites oder Kartoffelchips die Frauen gegessen hatten.

Zusätzlich wurde ausgewertet, welche der Frauen im Studienzeitraum an Schwangerschaftsdiabetes erkrankten. Bei der Auswertung wurden Risikofaktoren wie Alter, Übergewicht oder eine erbliche Vorbelastung für Diabetes berücksichtigt.

Das Ergebnis: Die Probandinnen, die die meisten Kartoffelprodukte aßen (fast täglich), entwickelten am häufigsten einen Schwangerschaftsdiabetes. Ersetzten die Frauen zwei Portionen Kartoffeln pro Woche mir anderen Nahrungsmitteln, konnten sie ihr Risiko folgendermaßen senken: Mit anderen Gemüsesorten um neun Prozent, mit Hülsenfrüchten um zehn Prozent und mit Vollkornprodukten um zwölf Prozent.

 

Schwachpunkte der Studie

Die Autoren weisen darauf hin, dass in ihrer Studie kein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kartoffelkonsum und Schwangerschaftsdiabetes untersucht wurde – es ist also nicht belegt, dass tatsächlich die Kartoffeln für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich sind.

Zudem differenzierten die Studienautoren bei der Auswertung nicht zwischen den unterschiedlichen Kartoffelprodukten – so gibt die Studie keine Auskunft darüber, ob etwa frittierte oder stark gesalzene Kartoffelprodukte für den Schwangerschaftsdiabetes förderlicher sind als gekochte oder gebackene Kartoffeln.

Weiterhin untersucht die Studie ausschließlich das Entstehen von Schwangerschaftsdiabetes – unklar bleibt, ob das gleiche Risiko auch für Typ-II-Diabetes besteht.

Für Frauen mit Kinderwunsch, die viele Kartoffeln essen, ist es dennoch empfehlenswert, einige Portionen pro Woche mit den oben genannten Alternativen zu ersetzen. Eine Liste von Nahrungsmitteln mit hohem und niedrigem GI finden Sie hier.

Hamburg, 13. Januar 2016

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