Social Distancing in Corona-Zeiten: Was es wirklich bedeutet

Verena Elson Medizinredakteurin

Was heißt Social Distancing? Warum ist es in Zeiten des Corona-Ausbruchs so wichtig? An welche konkreten Regeln sollte sich jetzt jeder halten?

Ein junger Mann skyped mit seinem Vater
Soziale Kontakte lassen sich auch auf Telefon oder Skype verlegen Foto:  iStock/helovi

„Social Distancing“ ist die größte Aufgabe, die uns allen während der Corona-Krise gestellt wird. Auf Abstand zu lieben Menschen zu gehen, ist nicht leicht. Und auch auf soziale Aktivitäten wie Sport zu verzichten, ist denkbar schwer. Obwohl es derzeit diverse Online-Alternativen bei Bewegungsmangel gibt. Wie glimpflich die derzeitige Krise für uns alle ablaufen wird, hängt vor allem davon ab, ob es uns jetzt gelingt, unser Sozialleben einzuschränken

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Was heißt Social Distancing?

„Social Distancing“ stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich, sozial auf Distanz zu gehen. Tatsächlich meint der Begriff allerdings die körperliche Distanz – sozialer Kontakt über das Telefon oder Video-Chats ist weiterhin möglich. Social Distancing in Zeiten der Corona-Krise bedeutet, alle nicht dringend notwendigen persönlichen Kontakte zu vermeiden.

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Warum ist Social Distancing während der Corona-Pandemie so wichtig?

Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen und wird sich weiter verbreiten. Stoppen lässt sich diese Verbreitung nicht mehr, doch das erklärte Ziel des Gesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts ist es, die Verbreitung zu verlangsamen. Der Grund: Bei einem von fünf Erkrankten verläuft COVID-19 schwer – meist handelt es sich dabei um ältere Menschen oder chronisch Kranke. Viele von den Betroffenen müssen auf der Intensivstation behandelt und künstlich beatmet werden. Aber auch junge Menschen haben sich mit dem Coronavirus infiziert, obwohl sie nicht zur Risikogruppe gehörten.

Kommt es gleichzeitig zu Hunderttausenden oder gar Millionen von Erkrankungen, wird das Gesundheitssystem in Deutschland schnell überfordert sein. Dann reichen die Betten auf den Intensivstationen und Beatmungsgeräte nicht mehr aus, um alle Kranken angemessen zu versorgen. Steigt die Zahl der Erkrankten dagegen langsamer an, lässt sich die Mehrbelastung von Kliniken und medizinischem Personal leichter schultern. 

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Social Distancing: So funktioniert es

Um Social Distancing sinnvoll umzusetzen, ist es wichtig zu wissen, wie das Coronavirus übertragen wird: SARS COV-2 wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Am wahrscheinlichsten ist eine Infektion bei einem längeren persönlichen Kontakt, etwa einem 15-minütigen Gespräch. Die erste und wichtigste Regel lautet darum: Solche Kontakte sollten zu weit wie möglich eingeschränkt werden, vor allem mit Fremden. Wer ein Corona-Verdachtsfall ist, sollte möglichst alle Personen nennen können, mit denen er in letzter Zeit einen solch engen Kontakt hatte.

Das heißt nicht, dass Partner nicht mehr nebeneinander auf der Couch sitzen oder Eltern nicht mehr mit ihren Kindern kuscheln dürfen. Doch Verabredungen mit Freunden, Besuche bei Großeltern und Treffen mit Sportgruppen sollten jetzt abgesagt oder - wo möglich – per Telefon oder Video-Chat ausgetragen werden. Weitere wichtige Regeln im Social Distancing lauten:

  • Mindestabstand halten: Möglichst einen Mindestabstand von ein bis zwei Metern zu fremden Personen halten
  • Körperkontakt meiden: Auf Handschlag und Umarmungen verzichten – ausgenommen mit engen Familienangehörigen, die im selben Haushalt leben (sofern beide Parteien gesund sind)
  • Zu Hause bleiben: Wenn möglich im Home Office arbeiten; Freizeitgestaltung nach Hause verlegen; private Treffen und Feiern absagen
  • Öffentliche Verkehrsmittel meiden: Lieber auf Auto oder Fahrrad umsteigen
  • Menschenansammlungen meiden: Nicht zu Stoßzeiten einkaufen, Cafés und Restaurants meiden, Behörden o.Ä. nur in dringenden Fällen besuchen
  • Spazieren gehen (auf Abstand): Allein oder mit dem Partner spazieren gehen ist weiterhin erlaubt und empfohlen – denn frische Luft stärkt das Immunsystem
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Gefährdete Menschen vor menschlichen Kontakten schützen

Für alte und kranke Menschen ist Social Distancing besonders wichtig – denn persönliche Kontakte können für sie zu einer konkreten Gefahr werden. Wer kann, sollte Personen aus Corona-Risikogruppen darum unterstützen und Einkäufe für sie erledigen. Das geht auch ohne persönlichen Kontakt, etwa indem man die Einkäufe vor der Tür abstellt.

 

Social Distancing ist eine Frage der Solidarität

Social Distancing ist eine schwere Aufgabe. Verabredungen mit Freunden abzusagen kann sich wie eine Zurückweisung anfühlen. Doch in solchen Situationen sollten wir uns die Motivation vor Augen führen: Social Distancing während des Corona-Ausbruchs ist eine Frage der Solidarität den alten und kranken Mitgliedern unserer Gesellschaft gegenüber – daran sollten wir uns erinnern und die Verabredung lieber via Video-Chat stattfinden lassen.

Quelle:

Verhaltensempfehlungen zum Schutz vor dem Coronavirus im Alltag und im Miteinander, in: infektionsschutz.de

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