So wichtig ist Impfen

Der Papillomvirus löst Gebärmutterhalskrebs aus
Der gefährliche Papillomvirus kann Gebärmutterhalskrebs auslösen © Fotolia

Krankheiten, die Kinder oft noch gut bewältigen, können für Erwachsene gefährlich werden. Impfen schützt Sie und andere. Seit 2006 sind HPV-Impfstoffe verfügbar, die zur Vorbeugung und Behandlung von Gebärmutterhalskresb eingesetzt werden.

Ein verbreiteter, gefährlicher Irrglaube ist, Impfen sei doch nur etwas für Kinder. Dabei können viele vermeintliche Kinderkrankheiten bei Erwachsenen schlimm verlaufen. Beispiel Masern: Während bei Kleinkindern auf ca. 10 000 Masernfälle eine Hirnhautentzündung kommt, tritt diese schwere Komplikation bei Erwachsenen in einem von 500 Fällen auf. Doch in Deutschland gibt es keine Impfpflicht, viele Erwachsene vernachlässigen ihren Schutz. Sie bringen damit sich selbst und andere in Gefahr, denn Impfen schützt oft nicht nur vor der eigenen Erkrankung, sondern erfüllt auch eine gesellschaftliche Aufgabe: So sind insbesondere die anfälligen Neugeborenen, die selbst noch nicht geimpft werden können, durch eine hohe Impfrate in der Bevölkerung geschützt. Und vor einer Schwangerschaft kann die Impfung der Mutter schwere Erkrankungen des Kindes verhindern. Deshalb raten Experten: regelmäßig den Impfstatus checken, Impfungen nachholen und auffrischen. Die wichtigsten Impfungen für Erwachsene im Überblick:

 

HPV-Impfung gegen Krebs

Humane Papillomviren (HPV) sind sexuell übertragbare Viren, ca. 80 Prozent aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens damit infiziert. Gegen die gefährlichsten Virenstämme, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, gibt es eine Impfung. Derzeit ist sie für Mädchen vor dem ersten sexuellen Kontakt (12 - 17 Jahre) empfohlen. Prinzipiell können sich auch erwachsene Frauen impfen lassen, diese müssen dann allerdings selbst zahlen (drei Impfdosen, ca. 500 Euro). Seltene Risiken: Fieber, Übelkeit, Ohnmacht.

 

Grippe-Impfung auch für Schwangere

Gegen die "echte" Grippe (Influenza) kann geimpft werden. Das schützt zwar nicht vor Erkältungen, aber vor der gefährlichen Virusgrippe. Wegen der schweren Krankheitsverläufe ist die Impfung für Ältere (über 60), chronisch Kranke und Schwangere (nach dem 3. Monat) - bei geplantem Kinderwunsch am besten vorher - empfohlen. Da sich Grippeviren schnell verändern, muss sie jedes Jahr wiederholt werden. Risiken: leichte Grippe Symptome wie Gelenkschmerzen, Fieber, Müdigkeit. Die Kasse zahlt.

 

So bleiben Diphtherie und Tetanus selten

Beide Erkrankungen sind in Deutschland aufgrund guter Impfungsraten sehr selten. Damit das so bleibt, sollte jeder die Impfung alle zehn Jahre auffrischen lassen - und alle, die als Kind keine Basisimpfung (drei Impfdosen) hatten, die Kombi-Impfung nachholen. Risiken: Abgeschlagenheit, Magen-Darm-Beschwerden, leichtes Fieber. Die Krankenkassen zahlen, die Impfung ist von Zuzahlung und Praxisgebühr befreit. Empfehlenswert ist es, gleich einen Vierfachwirkstoff zu nehmen, der auch gegen Keuchhusten und Polio wirkt.

 

Masern-Mumps-Röteln - mit dieser Kombi sind Sie sicher

Die Grundimmunisierung mit der Dreifachimpfung "MMR" wird in der Regel bei Kindern ab einem Jahr durchgeführt. Risiken: Fieber, Hautreizungen, Gelenkschmerzen, extrem selten Hirnschäden (seltener als 1 : 1 000 000). Die Ständige Impfkommission (STIKO) vom Robert Koch Institut empfiehlt allen nach 1970 Geborenen, deren Impfstatus unklar ist, eine einmalige Impfdosis. Frauen mit Kinderwunsch sollten vor einer Schwangerschaft geimpft sein, da es währenddessen nicht möglich ist. Kassen zahlen.

 

Keuchhusten ist gar keine Kinderkrankheit

70 Prozent der "Pertussis"-Patienten sind über 15 Jahre alt. Achtung: Hinter anhaltendem Reizhusten kann sich Keuchhusten verbergen. Besonders heikel ist dann der Kontakt zu Neugeborenen, die noch keinen Schutz haben. Daher bei Kinderwunsch impfen lassen und gleich alle darum bitten, die dem Baby später nahe kommen (z. B. Vater, Großeltern, Geschwister). Sie muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Nur als Kombi-Impfung mit "MMR". Risiken der Impfung sind Fieber, Interesselosigkeit und Unwohlsein. Kassen zahlen.

 

Polio ist leider nicht überall ausgerottet

Polio (Kinderlähmung) gilt dank der Impfung in Europa als ausgerottet. In Ländern mit niedriger Impfrate gibt es jedoch immer wieder größere Ausbrüche. Wer als Kind keine Grundimmunisierung (drei bis vier Einzeldosen) hatte, sollte sie nachholen. Auch eine einmalige Auffrischung wird Erwachsenen empfohlen. Sie ist als Kombi-Impfung mit Diphtherie, Tetanus und Pertussis möglich. Risiken: grippeähnliche Symptome mit Durchfall und Lähmungen. Die Krankenkassen zahlen, die Impfung wird von vielen Kassen sogar mit einem Bonus belohnt.

 

Hirnhautentzündung durch FSME vorbeugen

Menschen, die sich in Risikogebieten (zum Beispiel Bayern, Baden-Württemberg, aktuelle Karten auf www.zecken.de) draußen aufhalten, wird die Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) empfohlen. Bei Kindern verläuft die Erkrankung meist harmlos, doch je älter der Erkrankte ist, desto schlimmer kann der Verlauf sein. Gegen das Virus schützen drei Injektionen. Risiken: Fieber, Kopfschmerzen, allergische Reaktionen. Die Kassen zahlen fast immer, sofern es keine Reiseimpfung ist.

 

Schutz vor Windpocken für Mutter und Kind

Die Grundimmunisierung (zwei Impfdosen) gegen Varizellen ist bei Kindern erst ab elf Monaten möglich. Wer nicht geimpft ist, sollte beachten, dass die Krankheit bei Erwachsenen häufiger zu schwereren Komplikationen führt als bei Kindern. Besonders Frauen mit Kinderwunsch sollten geimpft sein. Denn Windpockeninfektionen während der Schwangerschaft sind für Mutter und Ungeborenes ein großes Risiko. Als Kombi-Impfung mit Masern, Mumps, Röteln möglich. Die Krankenkasse zahlt.

 

Gut: Individuelle Beratung

Immer wieder gibt es selbst ernannte Impfkritiker, die das Impfen generell verteufeln. Die meisten Mediziner sind sich jedoch einig, dass die Impfung die wichtigste und wirksamste Krankheitsprävention ist. Natürlich gibt es Risiken, doch sie stehen bei den empfohlenen Impfungen in keinem Verhältnis zu den Risiken einer Erkrankung. Lassen Sie sich bei Ängsten und Zweifeln von Ihrem Hausarzt, Gynäkologen oder in einem Impfzentrum beraten! Eine Entscheidung für, aber besonders auch die gegen eine Impfung sollte immer individuell abgewogen werden. Informationen zu den Impfungen finden Sie auch auf der Homepage des Robert Koch Instituts: www.rki.de

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