Obst als Krebsschutz – wie viel brauche ich wirklich?

Verena Elson Medizinredakteurin
Dass Obst und Gemüse vor Krebs schützen, war schon länger bekannt – Forscher haben nun beziffert, wie viel Frauen davon essen müssen, um ihr Brustkrebsrisiko zu senkenum
Dass Obst und Gemüse vor Krebs schützen, war schon länger bekannt – Forscher haben nun beziffert, wie viel Frauen davon essen müssen, um ihr Brustkrebsrisiko zu senkenum Foto:  AleksandarNakic/iStock

Obst und Gemüse schützen vor Krebs – doch wie viel muss ich davon essen, um diesen Effekt zu erreichen? Im Fall von Brustkrebs haben Harvard-Forscher das jetzt genau untersucht.

„Obwohl frühere Studien einen Zusammenhang (zwischen Obst- und Gemüseverzehr und Brustkrebsrisiko) nahelegten, waren sie nur eingeschränkt aussagekräftig – insbesondere, was spezielle Obst- und Gemüsesorten und aggressive Formen von Brustkrebs angeht“, sagt Maryam Farvid, Erstautorin der Studie, in einer Mitteilung der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston.

Farvid und ihr Team analysierten ernährungs- und gesundheitsbezogene Daten von 182.145 weiblichen Teilnehmern von zwei großen US-Langzeitstudien (der Nurses‘ Health Study und der Nurses‘ Health Study II), die über 30 Jahre begleitet wurden. Die Ergebnisse der Analyse wurden in der Fachzeitschrift International Journal of Cancer veröffentlicht.

 

Obst und Gemüse senken Brustkrebsrisiko

Die an den Studien teilnehmenden Krankenschwestern füllten alle vier Jahre Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus. Faktoren wie Gewicht oder Raucherstatus wurden ebenfalls in Abständen von wenigen Jahren abgefragt.

Die Forscher beobachteten: Frauen, die mehr als fünfeinhalb Portionen Obst und Gemüse pro Tag aßen, hatten ein um elf Prozent geringeres Risiko Brustkrebs zu entwickeln als Frauen, die zweieinhalb oder weniger Portionen Obst und Gemüse täglich aßen.

Als Portion gilt laut Definition der Forscher eine Tasse rohes Blattgemüse, eine halbe Tasse rohes oder gekochtes Gemüse oder eine halbe Tasse rohes oder gekochtes Obst.

 

Besonders guter Schutz vor aggressiven Krebsformen

Farvid und ihr Team wollten außerdem wissen, ob sich der Verzehr von Obst und Gemüse unterschiedlich auf die verschiedenen Arten von Brustkrebs auswirkt. Die Analyse ergab, dass sich ein hoher Obst- und Gemüsekonsum insbesondere positiv auf das Risiko für aggressive Tumorarten auswirkt, die schnell wachsen und streuen und häufig resistent gegen traditionelle Behandlungsmethoden wie Chemotherapie sind.

Doch wie kommt es zu der schützenden Wirkung von Obst und Gemüse? Die Forscher hatten zunächst Ballaststoffe im Verdacht, für den positiven Effekt verantwortlich zu sein – denn in einer früheren Studie hatten sie herausgefunden, dass ein hoher Konsum von Ballaststoffen mit einem verringerten Risiko für Brustkrebs in Verbindung steht. Doch in der aktuellen Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass die schützende Wirkung von Obst und Gemüse unabhängig von dem Ballaststoffanteil der einzelnen Sorten ist. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass es die Antioxidantien in den Früchten sind, die ihnen den schützenden Effekt verleihen.

Eine 2017 veröffentlichte Studie ergab, dass der Verzehr von etwa 800 Gramm Obst und Gemüse täglich das allgemeine Krebsrisiko um 13 Prozent senkt. Der Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf das Risiko, an verschiedenen Krebsarten zu erkranken, wurde in zahlreichen weiteren Studien untersucht – hier erfahren Sie, was wirklich vor Krebs schützt und was das Risiko erhöht.

Quelle:
Farvid, M. S., et al. (2018): Fruit and vegetable consumption and breast cancer incidence: Repeated measures over 30 years of follow‐up, in: International journal of cancer.

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