So vermeiden Sie Röteln im Alter

Kombi-Spritze gegen Röteln
Um Röteln vorzubeugen, gibt es eine Kombi-Spritze. Für alle die nach 1970 geboren sind, übernimmt die Krankenkasse die Kosten dafür © shutterstock

Eine Erkrankung im Kindesalter schützt uns meist lebenslang. Bleibt diese Immunisierung aus, ist das Risiko in späteren Jahren besonders groß.

Das Jahr 1980 war ein Meilenstein in der Medizingeschichte: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte damals die Welt für pockenfrei. Die Krankheit, die Millionen Opfer gefordert hatte, war besiegt. Geschafft wurde das durch ein konsequentes Impfprogramm. Angst vor Pocken braucht seitdem niemand mehr zu haben. Doch diese Sicherheit hat auch ihre Schattenseiten.

 

Große Impfmüdigkeit

Denn auch viele andere Kinderkrankheiten konnten zwar zurückgedrängt werden – ausgerottet sind sie aber nicht. 2011 gab es zum Beispiel mehr als 1500 Fälle von Masern in Deutschland – doppelt so viele wie im Jahr davor. Trotzdem registrieren Mediziner eine immer größer werdende Impfmüdigkeit. Das heißt, viele Eltern befolgen nicht mehr die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts und lassen ihre Kinder nicht konsequent impfen. Mittlerweile gibt es viele Jugendliche und Erwachsene, die gegen die typischen Kinderkrankheiten nicht mehr geschützt sind.

 

Gefahr Gehirnentzündung

Steckt man sich aber als Erwachsener mit einer Kinderkrankheit an, verläuft sie oft schwerer als im Kindesalter. Eine Folge der Masern kann eine gefährliche Gehirnentzündung sein. Bei Kleinkindern ist sie sehr selten: nur eines von 10 000 infizierten Kindern ist betroffen. Von den Erwachsenen, die sich mit Masern anstecken, bekommt dagegen etwa jeder 500. eine solche Gehirnentzündung.

 

Kombi-Spritze schützt

Wirksamen Schutz vor Kinderkrankheiten bietet allein die Impfung. Wer Kontakt zu einem Masernkranken hatte und selbst nicht geimpft ist (oder seinen Impfstatus nicht kennt), sollte die Spritze innerhalb von drei Tagen nach dem Kontakt mit dem Erkrankten nachholen.

Bei dieser Impfung handelt es sich um eine Kombi-Spritze, die auch gleich gegen Mumps und Röteln schützt. Für alle nach 1970 Geborenen übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Impfung. Wer nicht mehr weiß, ob er schon einmal geimpft wurde, braucht übrigens keine Angst vor einer zweiten Spritze zu haben – denn zu viel impfen kann man einen Körper gar nicht. Die STIKO empfiehlt ohnehin seit einigen Jahren, dass die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln nach mindestens einem Monat wiederholt wird – falls die erste Spritze nicht angeschlagen hat.

Vor allem Frauen mit Kinderwunsch sollten sich rechtzeitig vor den gefährlichen Infektionskrankheiten schützen. Denn vor allem Mumps und Röteln können dem ungeborenen Kind schaden. Stecken sich Frauen im ersten Viertel der Schwangerschaft mit Mumps an, kann das zu einer Fehlgeburt führen. Eine Infektion mit Röteln kann beim Baby zu Herz und Hirnschäden sowie zu Blind- und Taubheit führen. Und auch Männer sind gefährdet. Ihnen droht bei Mumps eine Hodenentzündung und Unfruchtbarkeit.

 

Für alle bis 17 Jahre

Windpocken gehören zu den harmloseren Kinderkrankheiten. Allerdings kann das Virus im Alter noch einmal zuschlagen. Eine Immunisierung gegen Windpocken empfiehlt die STIKO für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre. Die Impfung kann zusammen mit der gegen Masern, Mumps und Röteln erfolgen.

 

Kein lebenslanger Schutz

Die häufigste Kinderkrankheit bei Erwachsenen ist Keuchhusten. Denn weder eine Erkrankung im Kindesalter noch eine Impfung gewähren einen lebenslangen Schutz. Deshalb raten Experten allen Erwachsenen, zusammen mit der nächsten Tetanusimpfung auch ihren Keuchhustenschutz aufzufrischen.

 

Röteln

Die Viren, die diese Erkrankung auslösen, werden per Tröpfcheninfektion übertragen. Symptome sind Hautausschlag, Fieber und geschwollene Lymphknoten. Besonders gefährlich ist eine Röteln-Infektion für ungeborene Kinder, wenn sich die Mutter in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten ansteckt.

 

Keuchhusten

Krampfartige Hustenanfälle sind für diese Erkrankung typisch. Und nach jedem Anfall atmen die Patienten mit einem keuchenden Geräusch wieder ein – daher der Name Keuchhusten. Verursacht wird er durch Bakterien.

 

Masern

Masernviren können durch Husten, Niesen oder Händeschütteln übertragen werden. Die Krankheit bricht dann etwa zwei Wochen später aus. Die ersten Symptome sind Entzündungen in den Atemwegen und Fieber. Dann folgt ein Hautausschlag am ganzen Körper.

 

Mumps

Bis zu 25 Tage kann es nach der Ansteckung dauern, bis die Krankheit ausbricht. Die Betroffenen klagen über Kopf- und Gliederschmerzen. Bei Männern kann das Virus zu Unfruchtbarkeit führen. Außerdem kann die Ohrspeicheldrüse anschwellen, was zu den Hamsterbacken führt.

 

Spätfolge Gürtelrose

Gürtelrose wird vom selben Virus ausgelöst wie Windpocken. Nur wer mit der Kinderkrankheit infiziert wurde, kann später auch eine Gürtelrose bekommen. Sind die Windpocken abgeklungen, überleben die Viren noch jahrzehntelang in bestimmten Nervenknoten und warten auf ihre Chance. Diese kommt, wenn die Abwehrkräfte des Körpers geschwächt sind – zum Beispiel im höheren Alter. Dann wandert der Erreger mit dem wissenschaftlichen Namen Varizella-Zoster entlang der Nerven zur Hautoberfläche und verursacht dort die typischen Bläschen. Der Erreger gehört zur Gruppe der Herpes-Viren. Deswegen wird Gürtelrose auch Herpes zoster genannt. Sind Sie an Gürtelrose erkrankt, sollten Sie einen Bogen um Krebs-Patienten und andere abwehrgeschwächte Menschen machen, denn das Virus ist hochansteckend. Bei Kontakt zu werdenden Schwangeren könnte das ungeborene Baby schweren Schaden nehmen. Auch für Säuglinge ist die Infektion gefährlich.

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