So ungesund sind Tütensuppen

Stephanie Pingel
Tütensuppe
Schweizer Forscher haben entdeckt, dass ein Antiklumpmittel, das beispielsweise in Tütensuppen verwendet wird, Darmkrankheiten begünstigen kann © iStock

Seit rund 50 Jahren wird das Antiklumpmittel Siliciumdioxid E551 von der Lebensmittelindustrie verwendet und galt bislang als unbedenklich. Jetzt haben Schweizer Forscher entdeckt, dass der Lebensmittelzusatz Entzündungsreaktionen im Darm auslösen kann.

Tütensuppen, Instant-Kaffee, Würzpulver und mehr: Die Liste der industriell hergestellten Lebensmittel, in denen das sogenannte Antiklumpmittel Siliciumdioxid E551 verwendet wird, ist lang. Der Lebensmittelzusatz, der dafür sorgt, dass sich die Konsistenz der Produkte nicht verändert, wird seit 50 Jahren verwendet – und galt bisher als unbedenklich. Wissenschaftler des Schweizer Nationalen Forschungsprogramms „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“ haben nun jedoch entdeckt, dass die Nanopartikel des Pulvers Entzündungsreaktionen im Darm hervorrufen. Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Particle and Firbe Toxicology“.

 

Darmkrankheiten durch Tütensuppe?

Bei der Untersuchung im Labor aktivierten die Partikel sogenannte dendritische Zellen. Diese unterstützen das Immunsystem im Kampf gegen Erreger und Fremdkörper und bestimmen auch mit, welche Nahrungsbestandteile den Darm ungehindert passieren dürfen. Die Nanopartikel von E551 stimulierten die dendritischen Zellen im Versuch und sorgten dafür, dass sie ein bestimmtes Signalmolekül aussandten, das Entzündungsreaktionen auslöste.

Die Schlussfolgerung: Dadurch könnten Darmerkrankungen wie Morbus Crohn begünstigt werden. Ob durch solche Prozesse das Gleichgewicht der menschlichen Darmflora so verändert wird, dass vermehrt Abwehrreaktionen entstehen, können die Forscher zwar nicht sagen. Aber die Ergebnisse geben einen Hinweis darauf, warum sich – wie erste Studien zeigen – entzündliche Darmerkrankungen ausbreiten, wenn immer mehr Fertigprodukte gegessen werden.

 

Bei einer Darmerkrankung spielen viele Faktoren eine Rolle

„Es geht nicht darum, Angst zu schüren. Entzündliche Darmerkrankungen hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab“, so Hanspeter Nägeli vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Die Wirkung der Nanopartikel von E551 könnte nur ein winziger Baustein von vielen bei der Entstehung solcher Krankheiten sein. Dennoch sollte der massive Umgang mit Lebensmittelzusätzen wie E551 überdacht werden. Verbraucher sollten entsprechende Fertigprodukte wie Tütensuppen so wenig wie möglich essen. Auch Nahrungsmittelexperten wie Fernsehköchin Sarah Wiener halten nichts von verarbeiteten Lebensmitteln: „Wieso soll ich für so viel Chemie, die meinem Körper nicht guttut, auch noch Geld zahlen? Dazu kommt Zucker, der als billiges Konservierungsmittel genutzt wird. Wenn schon Mayonnaise, dann bitte mit frischen, ganzen Eiern, die weder getrocknet wurden noch aus der Käfighaltung stammen. Schließlich möchte ich nicht, dass mein Essen nach Konservierungsmitteln schmeckt.“ Studien zeigen zudem, dass frisch zu kochen nicht nur gesünder, sondern in der Regel auch günstiger ist als Fertigprodukte: Laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg sind Fertigprodukte im Vergleich mit selbstgekochtem Essen durchschnittlich um 184 Prozent teurer.

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