So stoppen Sie das Gedankenkarussell in der Nacht

Gut schlafen
Stress, beruflicher Ärger oder private Probleme sind schuld an unruhigen Nächten. Kaum liegen wir im Bett, sorgen sie für das schlafraubende Gedankenkarussell © iStock

Das Aufwachen in den ganz frühen Morgenstunden kennen viele: Wir erleben gerade eine stressige Phase, brauchen dringend Schlaf – und dann liegen wir um drei Uhr morgens grübelnd im Bett und leiden unter innerer Unruhe. Was ist schuld am schlafraubenden Gedankenkarussell?

 

Negative Gedanken setzen sich als Gedankenkarussell fest

Stress entsteht dann, wenn wir befürchten, mit unseren Ressourcen eine Anforderung oder Belastung nicht bewältigen zu können. Das ausgeschüttete Stresshormon Cortisol und der Botenstoff Noradrenalin bringen mich in eine Habachtstellung und nehmen mir die Fähigkeit, mich entspannen zu können – der Belastungsdruck steigt. Dadurch kann leicht eine Schlafstörung entstehen. Wir sind biologisch in einem 90-Minuten-Rhythmus getaktet – sowohl am Tag als auch in der Nacht. Unter Stress kann es passieren, dass ich nach zwei bis drei 90-Minuten-Phasen, in denen ich mir den erforderlichen Tiefschlaf geholt habe, plötzlich aufwache und sich negative Gefühle als Gedankenkarussell festsetzen. Diese Gedanken sind meist selbstreferenziell, d. h. sie kreisen nur um sich selbst und sind nicht darauf ausgerichtet, eine Lösung zu finden. Das kann damit zusammenhängen, dass der nächtliche emotionale Verarbeitungsprozess durch das Aufwachen unterbrochen wurde.

 

Gedankenkarussell kann Symptom einer depressiven Verstimmung sein

Durch die nächtliche Dunkelheit und die fehlende Ablenkung ist der Denkradius zudem eingeschränkt, selbst kleine Dinge werden auf einmal riesengroß, wir neigen verstärkt zu depressivem Denken. So kann das frühmorgendliche Aufwachen mit Gedankenkarussell und Grübelzwang auch unabhängig von einer akuten Belastung ein wichtiges Symptom einer depressiven Erkrankung sein. Allerdings erst dann, wenn es über einen längeren Zeitraum regelmäßig auftritt.

 

Gedankenkarussell mit Ablenkung durchbrechen

Der Versuch, das Gedankenkarussell im Kopf zu stoppen, bewirkt meist das Gegenteil. Dann ist das beste Mittel: aufstehen. Durch die Ablenkung, z. B. durch Lesen im Sessel, schaffe ich Abstand zwischen mir und den Gedanken. Nach spätestens 90 Minuten wird der „Schlafzug“ wieder vorbeikommen: Mir wird kalt, ich gähne, spüre die Müdigkeit, werde unkonzentrierter. Meist ist dann ein Einschlafen möglich, und am nächsten Morgen ist die Stimmung wieder besser, das negative Gedankenkarussell der Nacht ist verschwunden. Auch hilfreich: Am Abend in einem Tagebuch festhalten, was am Tag passiert ist – was war schlecht, was war gut. So sind viele Erlebnisse schon vor dem Einschlafen besser verarbeitet, und es gelingt eher, in der Nacht – im Schlaf – abzuschalten.

 

Video: Schlafprobleme – jeder Vierte ist betroffen

 
Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.