So stark bestimmen Essenszeiten unsere Gesundheit

Phyllis Kuhn

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass zu spätes Abendessen das Risiko für einen Herzinfarkt steigert.

Es ist eine Frage, die Wissenschaftler auf der ganzen Welt spaltet: Ist spätes Abendessen schlecht für die Gesundheit? Und wenn ja, wann ist spät zu spät? Während das eine Lager dafür plädiert, dass es völlig egal ist, um wieviel Uhr man sein Abendessen zu sich nimmt, befürchten Vertreter des anderen Lagers gesundheitliche Folgen wie Übergewicht, mangelnde Schlafqualität und Überforderung des Stoffwechsels. Eine neue Studie hat jetzt gezeigt, dass zu spätes Abendessen tatsächlich die Gesundheit angreifen könnte. Die Wissenschaftler der Dokuz Eylul University in Izmir, Türkei berichteten auf dem zur Zeit in Rom stattfindenden Kongress der European Society of Cardiology, dass zu spätes Essen das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen kann.

 

Parasympathikus wirkt normalerweise als Blutdrucksenker

Normalerweise sinkt der Blutdruck über Nacht um etwa zehn Prozent ab. Das liegt daran, dass nachts der sogenannte Parasympathikus die Überhand hat. Diese Komponente des vegetativen Nervensystems leitet den Ruhemodus ein. Während wir schlafen, verringert sich unsere Herzfrequenz und Verdauungsprozesse finden statt. Das funktioniert allerdings nur dann reibungslos, wenn der Körper vor dem Schlafengehen nicht noch beansprucht wird. Wer bis zu zwei Stunden vor der Bettruhe noch eine ganze Mahlzeit zu sich nimmt, versetzt den Körper aber in den Arbeitsmodus. Der Blutdruck kann so über Nacht nicht mehr ausreichend abgesenkt werden. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden steigt.

 

Bis zwei Stunden vor Bettruhe keine großen Mahlzeiten mehr

Das passiert natürlich nicht nach einer oder zwei späten Mahlzeiten. Wer aber ohnehin zu einem erhöhten Blutdruck neigt und durch ständiges spätes Essen dem Körper keine Gelegenheit mehr gibt, den Blutdruck abzusenken, bringt sich in Gefahr. Die Autoren um Dr. Ebru Ozpelit raten, nach 19 Uhr keine großen Mahlzeiten mehr zu sich zu nehmen, damit der Körper ausreichend Zeit hat, in den Ruhemodus zu wechseln. Sie warnen außerdem, dass eine salzreiche Ernährung das Risiko zusätzlich steigere.

 

Auch Frühstück hat Effekt auf den Blutdruck

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie etwa 700 Männer und Frauen mit Bluthochdruck. Es zeigte sich, dass sich bei fast 25 Prozent der spät essenden Probanden der Blutdruck nicht genug über Nacht absenkte. Probanden, die nicht frühstückten, hatten ebenfalls einen verminderten Druckabfall des Blutes. Hier wurden allerdings geringere Auswirkungen als durch späte Abendessen festgestellt, so die Experten.

Wer unter Bluthochdruck leidet, sollte beim Essen auf blutdrucksenkende Lebensmittel achten. Dazu gehören Avocados, Rote Beete-Saft und Grüner Tee, aber auch Parmesan-Käse und allgemein viel Obst und Gemüse.

Hamburg, 4. September 2016

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