So schützen Sie Ihr Gehirn vor Disstress

Überforderung und Dauerdruck sind echte Krafträuber. Und dieser sogenannte Disstress macht uns regelrecht krank: Burn-out, Schlafstörungen, Haut- und Rückenprobleme sind die Folge. Mit dem richtigen Anti-Stress-Training lernen Sie, wie Sie eine Stress-Situation leichter bewältigen können.

Mitten im Gespräch verlieren wir plötzlich den Faden. Wir stehen in der Küche, ohne zu wissen, was wir dort wollten. Und am Geldautomaten fällt uns der PIN-Code nicht mehr ein. Wer auf einmal vergisst, was er eigentlich sagen oder tun wollte, leidet nicht etwa an einer beginnenden Demenz. Sondern meist ist Stress der Auslöser. Denn ständiger Zeitdruck, Streitigkeiten in der Familie oder finanzielle Probleme setzen im Gehirn einen bestimmten Bereich außer Gefecht – das Stirnhirn. Der Neuropsychologe Prof. Thomas Elbert von der Universität Konstanz weiß, was hinter Denkblockaden steckt, und verrät, wie wir es schaffen, auch in stressigen Zeiten einen klaren Kopf zu behalten.



 

Warum Stress in unserem Gehirn für einen Kurzschluss sorgt



Auseinandersetzungen mit dem Partner, eine lange Schlange vor der Kasse oder Ärger mit dem Nachbarn – all diese Situationen lösen im Körper eine Flutwelle an Stress-Hormonen aus. Diese sorgen dafür, dass sich der Herzschlag beschleunigt, der Blutdruck steigt – das Gehirn signalisiert: Gefahr. Nun werden Impulse weitergeleitet, die bestimmte Nervenzellen des Stirnhirns blockieren – es kommt zu einer Art Kurzschluss.



Jetzt gewinnen die älteren Hirnareale die Oberhand. Wir schalten um auf den Kampf-oder-Flucht-Modus. Komplexe Denkvorgänge werden kurzzeitig ausgeschaltet. Und in diesem Augenblick werden wir praktisch wieder zum Jäger oder Sammler – früher war eine solche Reaktion überlebensnotwendig, um uns vor möglichen Angreifern wie dem Säbelzahntiger zu retten. Leider hat sich das Gehirn nicht den Bedingungen der Neuzeit angepasst. Denn heutzutage ist dieser Schutzmechanismus in den meisten Fällen eher hinderlich – vor allem im sozialen Umgang.



 

Disstress verändert auch unsere Persönlichkeit

Leicht reizbar, aggressiv und schlecht gelaunt: Stress verändert nicht nur die Stimmung, sondern häufig auch unseren Charakter. Rationales Denken ist unter ständiger Anspannung kaum noch möglich. Der permanente Druck führt vielmehr dazu, dass wir oftmals bereits beim geringsten Anlass aus der Haut fahren.

 Außerdem neigt ein gestresstes Gehirn dazu, alles um sich herum wie durch einen negativen Schleier wahrzunehmen. Es kommt zu unüberlegten Handlungen, und wir sagen häufig Dinge, die wir nicht so meinen. Daraus entstehen wiederum neue Konflikte – und unser Stress-System fährt in der Folge wieder auf Hochtouren. Das Stirnhirn wird weiter blockiert. Doch ausgerechnet dieses Areal ist für das jetzt so wichtige Anti-Stress-Training nötig – ein echter Teufelskreis.



 

Wann Stress gefährlich wird und wann er uns glücklich macht



Unterschieden wird zwischen gutem und schlechtem Stress. Positive Anstrengungen, der sogenannte Eustress, kosten zwar auch Energie, doch sie belasten den Körper nicht. Im Gegenteil: Wir werden sogar motiviert, denn das Gehirn produziert dann Dopamin, eine körpereigene Glücksdroge, mit der es uns für unsere Mühe belohnt.

 Überforderung und Dauerdruck sind hingegen echte Krafträuber. Und dieser sogenannte Disstress macht uns regelrecht krank. Denn Disstress, der über mehrere Monate hinweg anhält, führt dazu, dass Unmengen an Nervenzellen absterben. Das verursacht unter Umständen starke Gedächtnislücken, die einer Demenz ähneln. Auch stressbedingte Depressionen sind möglich. Sogar das Alzheimer-Risiko wird durch Disstress erhöht.

 Typische Warnsignale für Disstress sind: Muskelverspannungen, schlechte Laune, häufige Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Aber auch Zähneknirschen und Hautprobleme wie die Schuppenflechte sind ein Indiz für zu hohen Druck. Und ganz wichtig: Gestresste Menschen entwickeln einen Heißhunger auf alles Süße.



 

Wie wir das Gehirn vor Disstress bewahren

Disstress beeinflusst auch unsere Persönlichkeit – er macht uns reizbarer, ungeduldiger, weniger belastbar und sogar depressiv. Wie aber bewahren wir unser Gehirn davor? Lernen Sie Ihr Gehirn besser kennen und erfahren Sie in der Bildergalerie, wie Sie durch gezieltes Anti-Stress-Training vorbeugen können.

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