So macht Facebook doch glücklich

Phyllis Kuhn

Macht und Facebook einsam und traurig? US-Forscher sagen: Nein! Denn bei der richtigen Anwendung des sozialen Netzwerks kann es sogar richtig glücklich machen. PraxisVITA verrät die Tricks, mit denen Sie Facebook zum Glücklichmacher umwandeln können.

Das soziale Netzwerk Facebook kommt in Studien zur psychischen Verfassung seiner Nutzer normalerweise nicht besonders gut weg. Der ständige Vergleich mit dem vermeintlich perfekten Leben der anderen Nutzer mache depressiv und verstärke das Gefühl von Einsamkeit, so einige Studien.

Etwa 22 Prozent der Weltbevölkerung nutzen Facebook regelmäßig und verbringen bis zu 50 Minuten am Tag in dem Netzwerk. Was sie dort tun? Hauptsächlich die Beiträge von Facebook-Freunden ansehen und Posts von abonnierten Seiten lesen. Eine Studie von 2013 kam zu dem Schluss, dass es nicht unbedingt die Häufigkeit und Länge der Facebook-Nutzung ist, die Nutzer depressiv werden lässt, sondern vielmehr die Art der Inhalte. Wer ständig mit dem vermeintlich perfekten Leben der anderen Facebook-Nutzer konfrontiert ist, neigt dazu, sein eigenen Leben als weniger erfüllend zu empfinden. Eine weitere Studie aus dem selben Jahr konnte allerdings keinen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Netzwerke und klinischen Depressionen finden.

 

Macht Facebook glücklich?

Eine in diesem Monat veröffentlichte Untersuchung kommt sogar zu einem völlig gegenteiligen Urteil. Die Forscher der Carnegie Mellon Universität in den USA fanden heraus, dass Facebook auch sehr glücklich machen kann. Moira Burke, Leiterin der Studie, kommt dabei zu dem Ergebnis, dass persönliche Interaktionen zwischen Freunden auf Facebook einen großen Einfluss auf die psychisches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit haben können. Die Autorin der im Journal of Computer-Mediated Communication publizierten Studie macht allerdings deutlich, dass nicht jede Interaktion positive Effekte habe. Beiträge (Passiv-Posts) anderer zu lesen oder Ein-Klick-Feedbacks (Likes) hätten keine besonders positiven Auswirkungen. Sehr positive Auswirkungen hätten dagegen Facebook-Freunde (die man auch im echten Leben kennt), die persönliche Kommentare oder Nachrichten bei Facebook schrieben. Moira Burke, die die Studie zusammen mit ihrem Kollegen Robert Kraut leitete, fand dabei heraus, dass durchschnittlich sechzig Facebook-Interaktionen mit engen Freunden in einem Monat eine Zunahme des psychologischen Wohlbefindens und der Lebenszufriedenheit der Nutzer bewirkten.

Persönliche Nachrichten bei Facebook von Personen, die man auch im echten Leben kennt, machen besonders glücklich
Persönliche Nachrichten bei Facebook von Personen, die man auch im echten Leben kennt, machen besonders glücklich© Alamy
 

Hilft Facebook depressiven Menschen sogar?

Dass depressive Menschen viel Zeit bei Facebook verbringen, ist laut Burke und Kraut kein Widerspruch. Sie weisen darauf hin, dass niedergeschlagene Menschen eventuell tatsächlich mehr Zeit auf sozialen Medien verbringen. Aber nur weil sie vielleicht wissen, dass sie sich anschließend besser fühlen können, so Burke. Die zugrundeliegende Studie begleitete 1.910 Facebook-Nutzer aus 91 Ländern über drei Monate. Diese User hatten im Vorfeld zugestimmt, dass ihre Posts anonymisiert beobachtet und analysiert werden und hatten parallel jeden Monat Fragen zu Stimmungen, Wohlgefühl, Lebenszufriedenheit, Freude, Einsamkeit und Depression beantwortet.

Damit Sie das Maximum an Glück aus Ihrem Lieblings-Sozialen Netzwerk herausholen können, haben wir für Sie die besten Glücklichmacher-Tipps für die Facebook-Nutzung zusammengestellt:

 

1. Wenn schon chatten, dann richtig!

Damit keine Missverständnisse auftreten, dürfen Sie gerne nach Herzenslust Emojis verwenden. Nur so können Sie sicher gehen, dass Ironie richtig verstanden wird. Und übrigens: Eine Studie aus dem vergangen Jahr hat ergeben, dass Menschen, die beim Chatten ausgiebig Emojis nutzen, mehr Sex haben. Die Studie konnte sogar zeigen, dass die Anzahl der verwendeten Emojis mit der Sex-Häufigkeit korrelierte. Insofern macht ein fröhlicher Smiley gleich doppelt glücklich.

 

2. Aussortieren

Sortieren Sie Menschen aus Ihrer Freundesliste aus, die Ihnen nur schreiben, wenn Sie etwas von Ihnen wollen und sonst unerreichbar sind, aus. Auch Menschen, bei denen Sie sich kaum noch erinnern, wer diese Person ist, müssen nicht aus reiner Höflichkeit in der Liste behalten werden. Im Zweifel merken diese es sowieso nicht, wenn Sie sie löschen. Wer außerdem immer nur dadurch auffällt, abschätzige Bemerkungen auf Ihrer Seite zu hinterlassen, darf gerne entfernt werden.

 

3. Aufgepasst beim Anklicken!

Wussten Sie, dass Facebook einen Algorithmus nutzt, um Ihnen genau die Beiträge anzuzeigen, bei denen Facebook glaub, sie würden Sie interessieren? Der Algorithmus berechnet sich aus verschiedenen Faktoren wie Ihrem Alter, Geschlecht, Wohnort usw. Aber auch aus der Historie der Beiträge, die Sie in der Vergangenheit angeklickt haben. Dumm nur, wenn das größtenteils Beiträge waren, die Sie eigentlich lieber gar nicht sehen wollten, zum Beispiel die ständigen Katzenbilder Ihrer Nachbarin. Facebook denkt nun, dass sie ein Fan von Katzenbildern sind und wird Ihnen diese verstärkt auf in Ihrer Timeline anzeigen.

 

4. Vermeiden Sie die typischen Traurigmacher auf Facebook.

Ganz vorne dabei: Dem Expartner hinterher zu spionieren. Wer hat seine Fotos gelikt? Wer ist auf Fotos mit ihm noch markiert? Hat der Expartner vielleicht jemand Neuen kennengelernt? Aber auch das obsessive Vergleichen des eigenen Lebens mit dem scheinbar perfekten Leben der anderen Nutzer, macht auf Dauer unzufrieden. Vielleicht hat die eine Freundin eine bessere Strandfigur, die Sie hemmungslos auf Facebook präsentiert. Vielleicht war der Bekannte dieses Jahr schon viermal im Urlaub. Ihr Leben hat aber bestimmt auch seine Vorteile, auf die andere vielleicht neidisch sind. Tipp: Einfach mal weniger überlegen, was andere denken und wie die anderen Ihr Profil einschätzen. Dazu gehört auch, nicht zwanghaft nach jedem neuen Post oder Foto die Like-Anzahl überprüfen. 

 

5. Andere glücklich machen

Andere User zu erfreuen, macht uns selbst auch glücklich. Haben Sie in letzter Zeit ein Video gesehen, dass Sie den ganzen Tag immer wieder zum Lachen gebracht hat? Gibt es ein Zitat, das Sie inspiriert hat? Haben Sie einen Artikel gelesen, der Ihre Facebook-Freunde bestimmt auch interessiert? Teilen Sie diese Inhalte und verbreiten Sie Freude.

Hamburg, 11. September 2016

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