So lange leben wie eine Frau – was Männer wissen sollten

Lebensstil oder Hormone: Was ist verantwortlich für die kurze Lebenserwartung von Männern?
Lebensstil oder Hormone: Was ist verantwortlich für die kurze Lebenserwartung von Männern? © Fotolia

Frauen leben deutlich länger als Männer. Doch was ist verantwortlich: Lebensstil oder Hormone?

Die meisten Hundertjährigen sagen, dass eine positive Einstellung zum Leben sie so alt werden ließ. Aber eine neue Studie, die vor Kurzem in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht wurde, legt eine andere These nahe: Östrogene sollen verantwortlich sein.

Auf den ersten Blick scheint das logisch: Von den 53 Menschen, die offiziell bestätigt ihren 110 Geburtstag feiern konnten, waren 51 Frauen. Im Schnitt leben Frauen in den Industrienationen sechs bis acht Jahre länger als Männer.

 

Ist das Östrogen verantwortlich?

Forscher der Universität Stanford haben die Wirkung von Östrogenen jetzt genauer untersucht. Dazu spritzen sie zuerst weiblichen Mäusen das Hormon und konnten messen, dass sich die regenerativen Eigenschaften der Stammzellen in den Gehirnen der Tiere verbesserten. Als sie danach männlichen Tieren Östrogen gaben, verlängerte sich auch deren Lebenserwartung.

 

Eunuchen lebten 20 Jahre länger

Beim Menschen konnten ebenfalls vergleichbare Effekte gezeigt werden: Als Forscher die Lebenserwartung von Eunuchen am koreanischen Kaiserhof der Joseon-Dynastie untersuchten, stellten sie fest, dass deren Lebenserwartung um etwa 20 Jahre höher lag, als die er üblichen Palastbewohner. Die Forscher führten an, dass dieser Effekt möglicherweise durch einen niedrigeren Testosteronspiegel der Eunuchen hervorgerufen wird. Dem männlichen Sexualhormon unterstellten sie eine zellschädigende Wirkung.

 

Ist doch der männliche Lebensstil schuld?

Eine andere Erklärung lieferte der Bevölkerungswissenschaftler Marc Luy 1998. Er untersuchte die Lebenserwartung von Mönchen und Nonnen in bayerischen Klöstern. Seine These: Nicht die Biologie, sondern die Lebensweise ist für die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen verantwortlich. Er brauchte also einen Ort, an dem Männer und Frauen unter möglichst ähnlichen Bedingungen leben. Dafür boten die Klöster eine ideale Voraussetzung.

Anhand der Sterbedaten von 6 154 Nonnen und 5 470 Mönchen konnte er zeigen, dass Nonnen und Frauen in der Allgemeinbevölkerung etwa ähnlich lange leben. Gefolgt von Mönchen, die im Schnitt zwei Jahre früher sterben. Weit abgeschlagen lagen auf dem letzten Platz die Männer der Allgemeinbevölkerung, die noch viereinhalb Jahre vor den Mönchen starben. Den Unterschied zwischen Nonnen und Mönchen erklärte er mit zwei Faktoren: Die Mönche rauchten häufiger und sie mussten im Zweiten Weltkrieg als Militärseelsorger Dienst leisten, wobei etwa 30 Prozent fielen.

Hamburg, 8. Juni 2015

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