So hilft eine Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen

Redaktion PraxisVITA
Heuschnupfen
Eine Hyposensibilisierung befreit Allergiker von Heuschnupfen © Imago

Durch den Klimawandel wird die Pollensaison immer länger. Doch Betroffene können sich von ihrer Allergie befreien – mit einer Heuschnupfen-Hyposensibilisierung. Hier lernen Sie die verschiedenen Verfahren kennen.

Für mehr als 20 Millionen Deutsche bringt die Pollensaison Niesattacken, tränende Augen, ja manchmal sogar Asthma mit sich. Was wirklich gegen Heuschnupfen hilft, ist eine sogenannte Hyposensibilisierung. Dabei lernt das Immunsystem, auf die Allergieauslöser nicht mehr oder weniger stark zu reagieren. Wir stellen Ihnen drei Methoden der Heuschnupfen-Hyposensibilisierung vor, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Unser Experte: Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden.

 

Turbo-Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen

Die meisten Allergiker wissen, wann für sie das große Niesen beginnt. Spätestens sieben Tage vorher sollte man mit der Cluster-Immuntherapie beginnen. „Bei dieser neuen Form der Hyposensibilisierung bekommt der Patient innerhalb einer Woche zwei bis drei Injektionen pro Behandlungstag verabreicht“, erklärt Prof. Klimek. Dabei wird die Dosis der Pollen, die bei ihm den Heuschnupfen auslösen, langsam gesteigert. „So wird die individuelle Maximaldosis schon nach kurzer Zeit erreicht. Weil diese Methode wie jede Hyposensibilisierung allergische Reaktionen auslösen kann, muss sie vom Arzt genau überwacht werden.“ An diese Grundbehandlung schließt sich die Erhaltungstherapie an: alle sechs bis acht Wochen eine Allergenspritze – mindestens über drei Jahre. So lange braucht das Immunsystem, um sich dauerhaft die Fehlreaktionen abzugewöhnen.

 

Neue Kurzzeit-Therapie

„Ein paar Wochen vor der Pollenzeit bekommt der Patient einmal pro Woche eine Spritze mit ,seinen' Allergenen. In der Regel sind vier bis acht Injektionen nötig, bis die Höchstdosis erreicht ist“, sagt der Experte. Auch hier schließt sich die Erhaltungstherapie an. Der Spritzen-Marathon könnte demnächst beendet sein: Bald soll eine ganz neue Hyposensibilisierung Heuschnupfen mit nur vier Spritzen stoppen. Sie kommt aus den USA (Wirkstoff Tolero Mune) und soll Mitte 2016 auf den Markt kommen.

 

Heuschnupfen-Hyposensibilisierung mit Tabletten

Statt Spritzen können auch Tabletten oder Tropfen bei der Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen helfen. Bei der sogenannten Sublingualen Immuntherapie (SLIT) wird der Wirkstoff unter die Zunge („sublingual“) gegeben, zwei Minuten lang im Mund behalten und über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die Therapie muss vier Wochen vor der persönlichen Schnupfenzeit beginnen. „Vorteil dieser Methode: Sie kann zu Hause durchgeführt werden. Nachteil: Die Einwirkzeit von zwei Minuten ist lang. Wird das Medikament vor der Zeit heruntergeschluckt, reduziert sich die Wirkung“, sagt Prof. Klimek. Auch die SLIT muss über mehrere Jahre durchgeführt werden. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt von der Stärke der Beschwerden und dem Alter des Betroffenen ab: Denn auch unser Immunsystem altert und wehrt sich nicht mehr so stark gegen die Pollen.

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